Smart Hospital
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Smart Hospital (BIM & IoT)
Die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitswesen nicht Halt. Unter dem Schlagwort Smart Hospital werden in deutschen Krankenhäusern modernste Building Information Modeling (BIM)-Methoden und Internet of Things (IoT)-Technologien eingesetzt, um das Facility Management (FM) effizienter, sicherer und patientenorientierter zu gestalten. Ein smartes Krankenhaus nutzt vernetzte Sensorik, intelligente Automatisierung und digitale Datenintegration, um Betriebsabläufe zu optimieren, Ressourcen zielgerichtet einzusetzen und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben sicherzustellen. Im Folgenden werden die zentralen Handlungsfelder – von IoT-Infrastruktur über Interoperabilitätsstandards bis hin zu Cybersicherheit, Indoor-Navigation, smarter Logistik, Notfallsystemen sowie dem regulatorischen Rahmen – detailliert für den deutschen Kliniksektor beschrieben.
Smartes Krankenhaus – Digitale Technologien für effiziente, vernetzte und zukunftssichere Klinikimmobilien
- IoT-Infrastruktur
- Interoperabilitätsstandards
- Cybersicherheit
- Indoor-Positionierung
- Smart Waste
- Systemintegration
- Regulatorischer
IoT-Infrastruktur & medizinische Sensornetzwerke
IoT-Infrastruktur in Krankenhäusern umfasst robuste Netzwerke und medizinische Sensoren, die klinisch relevante Umgebungsdaten erfassen. Dieses technologische Fundament bildet die Basis für intelligente Gebäude und Prozessautomation.
Vernetzte Sensorik im Krankenhaus: Medizinische IoT-Sensoren überwachen wichtige Parameter in Echtzeit – etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Raumluftqualität oder Differenzdruck in Isolationsbereichen – und helfen so bei Infektionsprävention und Komfortüberwachung. Auch Zustandsdaten von Geräten und sogar Betten werden heute erfasst: Moderne Klinikbetten senden per Sensor Informationen über Belegung und Standort, wodurch freie Betten jederzeit auffindbar sind. Solche Echtzeit-Daten ersetzen manuelle Erfassungen (z.B. die tägliche “Mitternachtsstatistik” der Belegung) und ermöglichen automatische Folgeprozesse wie bedarfsgesteuerte Zimmerreinigung.
Interoperabilitätsstandards & Datenintegration
Damit die Vielzahl digitaler Systeme in einem Smart Hospital nahtlos zusammenwirkt, sind Standard-Schnittstellen und Integrationsplattformen essenziell. In Deutschland setzen Krankenhäuser auf etablierte Interoperabilitätsstandards im Gesundheitswesen sowie auf CAFM-Systemkopplungen, um klinische Daten, Gebäudeautomation und FM-Informationen sicher auszutauschen.
Datenintegration als Ziel: Ein smartes Facility Management bringt die bislang oft getrennten IT-Welten – Klinikinformationssysteme, Medizintechnik, Gebäudeleittechnik und Facility-Management-Software – zusammen. Zentrale Integrationsplattformen (Middleware) erlauben den bidirektionalen Austausch von Daten: z.B. kann das Klimasteuerungssystem automatisch Belegungsinformationen aus der Patienten-IT erhalten, um Lüftung bedarfsgerecht zu regeln. Umgekehrt können technische Alarme (wie Aufzugsstörungen oder Gerätedefekte) direkt ins Klinik-Helpdesk oder Wartungsmanagement fließen.
Important standards and interfaces:
HL7 / FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources): HL7 ist im deutschen Gesundheitswesen der dominierende Nachrichtenstandard für den IT-Datenaustausch; nahezu 100 % der hiesigen Krankenhäuser nutzen HL7-Version 2 zur internen Kommunikation. Moderne HL7 FHIR-Schnittstellen ermöglichen es, klinische Daten (Patientenakten, Vitalwerte, Aufträge) in Echtzeit und webbasiert zwischen Systemen auszutauschen. Für das FM bedeutet dies z.B., dass Raumbelegungs-, Patiententransport- oder Asset-Daten aus klinischen Systemen via FHIR in Gebäude- und Serviceplattformen integriert werden können.
IHE SDC (Service-oriented Device Connectivity): Dieses auf IEEE 11073 basierende Protokoll standardisiert die Kommunikation vernetzter Medizingeräte im Krankenhaus. Insbesondere im Operationssaal und auf Intensivstationen können verschiedene Geräte (Pumpen, Überwachungsmonitore, Beatmungsgeräte) über IHE SDC interoperabel vernetzt werden. Die so gewonnenen Gerätedaten lassen sich an zentrale Systeme übermitteln und auch für das Facility Management nutzen, z.B. für eine automatisierte Inventarführung oder zustandsbasierte Wartung medizinischer Geräte.
OPC UA (Open Platform Communications Unified Architecture): OPC UA hat sich als plattformneutraler Kommunikationsstandard in der Industrie- und Gebäudeautomation etabliert. In Smart Hospitals ermöglicht OPC UA die Einbindung von Gebäudeleittechnik-Daten (wie HLK-Anlagenzuständen, Energieverbräuchen, Aufzugsteuerungen) in eine gemeinsame Datenplattform. So können z.B. Klimaanlagen oder Beleuchtungsanlagen ihre Betriebsdaten via OPC UA bereitstellen, die dann mit Belegungs- und Nutzungsdaten verknüpft werden – eine wichtige Voraussetzung für energieeffizientes Gebäudemanagement im Krankenhaus.
CAFM/IWMS-Integration: Moderne Computer Aided Facility Management-Systeme (CAFM) bzw. Integrated Workplace Management Systems (IWMS) besitzen offene Schnittstellen (REST-APIs, Webservices), um externe Datenquellen einzubinden. Für Krankenhäuser bedeutet dies die Möglichkeit, medizintechnische Inventardaten, Rauminformationen aus BIM-Modellen, oder Sensormeldungen aus IoT-Netzwerken direkt im FM-System zu konsolidieren. Beispielsweise kann eine Störungsmeldung aus der Gebäudeautomation (etwa “OP-Klimaanlage ausgefallen”) automatisch als Ticket im CAFM erzeugt und an die zuständige Technikcrew zugewiesen werden. Die Einhaltung von Betreiberpflichten (Prüftermine, Dokumentation von Wartungen) wird durch solche integrativen Lösungen erheblich erleichtert.
Semantische Interoperabilität im Krankenhaus – Brückenschlag zwischen Medizintechnik, FM-Systemen und Energiemanagement
Semantische Interoperabilität: Neben technischen Protokollen sind gemeinsame Datenstandards und Kataloge wichtig. Deutsche Kliniken orientieren sich an internationalen Kodierungen wie LOINC, SNOMED CT oder ICD-10 für medizinische Inhalte. Ebenso existieren in der Gebäude- und FM-Welt Normen wie DIN 276 (Kostengruppen) oder VDI- und GEFMA-Richtlinien zur Anlagenkennzeichnung. Durch Mapping zwischen diesen Welten – etwa Zuordnung eines medizinischen Geräts zu einem Anlagenstamm im CAFM unter derselben ID – entsteht eine semantische Verknüpfung. So können z.B. Verbrauchsdaten eines Röntgengeräts im Energiemanagement mit der Auslastung (Untersuchungszahlen) aus dem Radiologie-Informationssystem in Beziehung gesetzt werden, was Optimierungspotenziale eröffnet.
Cybersicherheit & Datenschutz für Klinik-OT/IT
Mit der zunehmenden Vernetzung wächst die Verwundbarkeit durch Cyberangriffe. Cybersicherheit und Datenschutz haben im Krankenhauswesen oberste Priorität – auch getrieben durch gesetzliche Vorgaben wie das BSI-Gesetz und die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Smart Hospitals setzen daher auf etablierte Security-Standards und Frameworks, um sowohl IT- als auch OT-Infrastruktur zu schützen.
IT-Grundschutz nach BSI: Deutsche Kliniken orientieren sich beim Aufbau ihrer Informationssicherheit am BSI IT-Grundschutz. Dieses vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik entwickelte Baseline-Sicherheitskonzept liefert praxisnahe Maßnahmekataloge, wie z.B. Netzwerke segmentiert, Zugänge geschützt und Notfallkonzepte erstellt werden. Für kritische Krankenhaus-IT (etwa Patientendatenbanken oder Bildarchivierungssysteme) ist häufig auch eine ISO 27001-Zertifizierung auf Basis von IT-Grundschutz angestrebt. Wichtig ist, Sicherheitsaspekte frühzeitig zu berücksichtigen – bereits bei der Planung von IoT-Lösungen im Gebäude müssen z.B. Authentifizierung, Verschlüsselung und Patch-Konzept eingeplant werden. Nicht zuletzt fordern Aufsichtsbehörden, dass mindestens 15 % der Investitionen aus Digitalisierungsförderprogrammen der Klinik in IT-Sicherheit fließen.
Schutz der Medizintechnik (OT-Security): Neben der klassischen IT (Server, PC-Netzwerke) rückt die Absicherung der Operational Technology (OT) in den Fokus. Darunter fallen medizinisch-technische Systeme (Labor- und OP-Geräte, Infusionspumpen, Patientenmonitore) ebenso wie Gebäudeleittechnik und sonstige Automationskomponenten. Hier gelten die Normen der IEC 62443-Familie als maßgeblich, um ein Schutzniveau für Industrial Control Systems zu definieren. Viele Krankenhaus-OT-Geräte liefen in der Vergangenheit auf veralteten Betriebssystemen und waren schlecht gepatcht, was zu erheblichen Risiken führte. Durch Netzwerksegmentierung (z.B. Trennung von Verwaltungs-IT und Medizintechnik-Netzen), Firewalls mit Intrusion Detection und Whitelisting von erlaubten Verbindungen wird versucht, Angriffsflächen zu reduzieren. Hersteller von Medizinprodukten arbeiten zunehmend nach IEC 62443-Vorgaben, um Cyberrisiken in Entwicklung und Betrieb zu minimieren. So verlangt z.B. das BSI-KRITIS-Regelwerk für Großkrankenhäuser spezifische Absicherungen von Medizin-OT – etwa regelmäßige Schwachstellenscans und Zugangsbeschränkungen für Wartungszugriffe – analog industrieller Sicherheitsstandards.
Datenschutz und GDPR-Compliance: Krankenhäuser verarbeiten hochsensible personenbezogene Daten. Sobald Facility-Management-Systeme oder IoT-Plattformen Daten mit Personenbezug erfassen (etwa Standortdaten von Patienten oder personalisierte Zugangsberechtigungen), greifen die strengen Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). FM-Systeme müssen daher so konfiguriert sein, dass z.B. Bewegungsprofile nicht länger als notwendig gespeichert werden und nur berechtigte Personen Zugriff erhalten. Es gelten Prinzipien wie Privacy by Design, d.h. schon bei der Systemarchitektur werden Datenminimierung und Pseudonymisierung berücksichtigt. Beispiel: Bei einem Echtzeit-Lokalisierungssystem für Patienten werden die Rohdaten so aufbereitet, dass Dritte nur aggregierte Auslastungen sehen (z.B. “Bereich A ist zu 80 % belegt”) statt individualisierbarer Einzelbewegungen. Zudem sind Beschäftigte im Umgang mit neuen digitalen Werkzeugen zu schulen, um Social Engineering oder Fehlbedienungen vorzubeugen. Kliniken unterliegen auch Meldepflichten: ein schwerer IT-Sicherheitsvorfall (wie ein Ransomware-Angriff oder ein IoT-Hack auf lebenserhaltende Systeme) muss an die Aufsichtsbehörden gemeldet werden. Insgesamt gilt: Cybersicherheit und Datenschutz sind integrale Bestandteile jedes Smart Hospital-Projekts und oft Voraussetzung für Fördergelder und Zertifizierungen.
Indoor-Positionierung, Asset-Tracking & Patienten-Navigation
In großen Kliniken verlieren Patienten und Geräte leicht den Überblick. Indoor-Positionierungssysteme (IPS) mit Technologien wie Bluetooth Low Energy (BLE) und Ultra-Wideband ermöglichen eine Echtzeit-Ortung von medizinischen Geräten (Asset-Tracking) und verbessern die Orientierung von Patienten und Besuchern (Wayfinding). Die Analyse von Bewegungsdaten hilft zudem, Patientenströme in Ambulanzen und Stationen zu optimieren.
RTLS für Geräte und Personen: Echtzeit-Lokalisierungssysteme (RTLS) setzen zumeist auf kleine Sender (Beacons oder Tags), die an Objekten oder vom Personal getragen werden. In deutschen Krankenhäusern kommen v.a. BLE-Beacons zum Einsatz, die von fest installierten Empfängern trianguliert werden. So lässt sich z.B. ein fehlendes EKG-Gerät in Sekundenschnelle aufspüren oder der aktuelle Aufenthaltsort eines Bettenpatienten im Gebäude ermitteln. Die DIN SPEC 91426 liefert Qualitätsanforderungen für derartige ortungsbasierte Anwendungen in Innenräumen – von Genauigkeitskriterien bis Datenschutzvorgaben. Eine RTLS-Plattform konsolidiert die Positionsdaten und stellt sie den Nutzern visuell dar (etwa auf digitalen Lageplänen mit Icons für jedes getaggte Gerät).
Dabei entstehen vielfältige Vorteile: Klinik-Mitarbeiter verschwenden weniger Zeit auf die manuelle Suche nach Pumpen, Rollstühlen oder Betten, da das System den nächsten verfügbaren Standort anzeigt. Gleichzeitig können teure Medizingeräte optimal ausgelastet werden, weil ihr Nutzungsgrad transparent wird. Auch die Instandhaltung profitiert – automatisierte Auswertung der Ortung kann z.B. anzeigen, wie viele Betriebsstunden ein Gerät seit letzter Wartung hatte, um Service vorausschauend zu planen.
Patienten- und Besucher-Navigation: Für Patienten und Besucher können Smartphone-Apps oder Info-Terminals auf Basis der IPS-Daten einen Indoor-Navigationsdienst bieten. Ähnlich einem GPS fürs Gebäude wird der beste Weg zur nächsten Ambulanz, Station oder Cafeteria angezeigt. Dies reduziert unnötige Wege und Wartezeiten und steigert die Zufriedenheit, insbesondere in weitläufigen Klinikarealen. Besucherströme lassen sich so lenken, dass sensible Bereiche entlastet und Engpässe vermieden werden. Beispielsweise kann die App bei überfülltem Wartebereich automatisch alternative Wartezonen vorschlagen. Für Notfallsituationen ist denkbar, dass solche Systeme Personen auch aktiv warnen und sicher lotsen (z.B. “Verlassen Sie Bereich X, benutzen Sie Treppe Y” bei Feueralarm).
Analytics zur Prozessoptimierung: Die gesammelten Bewegungsdaten eröffnen neue Möglichkeiten der Analyse. Durch Patient Flow Analytics wird sichtbar, wie sich Patienten durch die Klinik bewegen: Welche Stationen haben zu bestimmten Zeiten Stoßzeiten? Wo entstehen Wartehotspots? Diese Erkenntnisse können ins Prozess- und Layout-Management einfließen. So könnte man Sprechstunden zeitlich entflechten, Ausschilderungen verbessern oder Engstellen baulich beseitigen. Eine Studie zeigt, dass IPS-Funktionen einen spürbaren Nutzen für den Krankenhausalltag bringen, wenn sie auf tatsächliche Probleme zugeschnitten sind. In Deutschland sind bislang erst wenige Krankenhäuser mit vollflächigen Indoor-Navigationssystemen ausgestattet, doch das Interesse steigt. Fördermittel aus dem KHZG können hier Anreize schaffen, um Pilotprojekte umzusetzen, die später Standard werden könnten.
Smart Waste & automatisierte klinische Logistik
Die Logistik hinter den Kulissen eines Krankenhauses – von der Abfallentsorgung bis zum Materialtransport – bietet enormes Automatisierungspotenzial. Smart-Waste-Management setzt IoT-Sensoren und Robotik ein, um Entsorgungsprozesse effizienter und sicherer zu gestalten. Gleichzeitig halten autonome Transportsysteme und Rohrpostanlagen den Klinikbetrieb am Laufen, ohne menschliche Arbeitskraft zu binden.
Intelligente Abfallentsorgung: In einem modernen Smart Hospital melden Müllbehälter eigenständig, wenn sie voll sind, mittels Füllstandssensoren und vernetzter Behälter. Gefährliche medizinische Abfälle (wie infektiöses Material oder Nadeln) können getrennt erfasst und lückenlos nachverfolgt werden. Die Entsorgungskette – vom Stationszimmer über Sammelstellen bis zur endgültigen Entsorgung – lässt sich durch IoT überwachen. Beispielsweise registriert ein Sensor an der pneumatischen Rohrpost, wenn ein Behälter mit Laborproben auf die Reise geht, und alarmiert am Ziel automatisch das Personal. Smarte Müllpressen oder -verbrennungsanlagen im Kellerbereich können ihren Status an die Leitwarte melden und bei Störungen automatisch Techniker anfordern.
Autonome Transportroboter: Ein weiterer Trend ist der Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) bzw. mobilen Robotern, die Material und Abfall selbstständig durch die Klinik befördern. Pilotprojekte – etwa in Finnland – zeigen, dass autonome Roboter kleinere Abfalltransporte übernehmen und so Personal entlasten. Diese Roboter navigieren mit digitalen Krankenhausplänen und Sensoren, weichen Hindernissen aus und können sogar Aufzüge ansteuern. Sie lassen sich on-demand rufen, um z.B. per Knopfdruck einen vollen Abfallbehälter abzuholen und zur zentralen Müllsammelstelle zu bringen. Dabei nutzen sie intelligente Ladestationen und planen ihre Routen in verkehrsarme Zeiten, um den Klinikalltag nicht zu stören. Neben Abfall können solche Systeme auch Wäsche, Verpflegung oder Nachschubmaterial transportieren. Deutsche Krankenhäuser interessieren sich zunehmend für solche Lösungen, gerade vor dem Hintergrund des Personalmangels in nicht-medizinischen Bereichen.
Abb. 2: Autonomer mobiler Roboter beim Transport eines Abfallbehälters im Krankenhaus-Pilotprojekt. Solche Roboter navigieren mittels Karten und Lasersensoren, vermeiden Kollisionen und führen Routine-Transporte durch, damit das Personal mehr Zeit für die Patientenversorgung hat.
Integration der Logistiksysteme: Die verschiedenen Transport- und Entsorgungssysteme werden idealerweise in eine zentrale Leitsteuerung integriert. Ein Logistik-Dashboard im Facility Management zeigt beispielsweise in Echtzeit an, welche Transporte anstehen, wo sich Roboter gerade befinden und welche Mülltonnen demnächst geleert werden müssen. Analytik-Tools können historische Daten auswerten, um z.B. Routen zu optimieren oder Abholfrequenzen an Bedarfsmuster anzupassen. Eine intelligente Verknüpfung besteht auch zur Versorgungskette: Wenn etwa ein OP-Saal gereinigt wurde und Abfall anfällt, könnte automatisch ein Transportroboter disponiert werden. In Krisensituationen (z.B. Isolationsstation bei Pandemien) lässt sich per IoT überwachen, ob infektiöser Abfall korrekt gekennzeichnet und gesichert transportiert wird – ein wichtiger Beitrag zur Arbeitssicherheit. Insgesamt erhöht die Automatisierung nicht nur die Effizienz, sondern minimiert auch Kontaktrisiken und Fehlerquellen in der Krankenhauslogistik.
Notfall- & Sicherheits-Systemintegration
Die Sicherheit von Patienten und Personal steht an erster Stelle. Smarte Krankenhäuser integrieren Brandmeldeanlagen, Alarmsysteme und Notfallsensorik in ein zentrales Gefahrenmanagement. Dadurch können z.B. Feuerschutz und Evakuierung im Ernstfall automatisiert und intelligent gesteuert werden – angepasst an die komplexen Anforderungen eines Klinikbetriebs.
Brandmeldung und -steuerung: Krankenhäuser verfügen über umfangreiche Brandschutztechnik nach DIN und EN-Normen. Im Smart Hospital sind diese Systeme – etwa Brandmeldezentralen nach EN 54 – mit der Gebäudeleittechnik vernetzt. Bei einem Alarm können automatisch vordefinierte Aktionen ausgelöst werden: Feuerschutztüren schließen selbsttätig, Lüftungsanlagen fahren in Rauchabzugsbetrieb, Aufzüge kehren ins Erdgeschoss zurück und die Beleuchtung wird auf Evakuierungsmodus geschaltet. Solche automatischen Abläufe müssen natürlich den speziellen Klinik-Erfordernissen genügen: In Intensivbereichen oder OPs darf z.B. nicht abrupt der Strom gekappt werden. Daher werden Szenarien hinterlegt, die eine stufenweise Räumung (horizontale Evakuierung von Station zu Station) ermöglichen und Alarme zonenweise steuern. Moderne Gefahrenmanagement-Systeme visualisieren den Alarmort auf digitalen Bauplänen und geben Einsatzkräften Hinweise, wo sich gefährdete, nicht mobile Patienten befinden (z.B. per Schnittstelle zu Pflegedokumentation oder RTLS-Tracking der Betten). Auch Durchsagen lassen sich raumgenau adressieren, um Panik zu vermeiden.
Notfallanalyse und Simulation: Smart Evacuation Analytics geht einen Schritt weiter: Mithilfe von Simulationstools und KI können im Voraus Evakuierungsabläufe durchgespielt und optimiert werden. In Deutschland wird z.B. erforscht, wie man Daten aus Indoor-Positionierung und Personaldokumentation nutzen kann, um im Ernstfall die benötigten Ressourcen (Tragen, Personal) besser zu planen. KI-Systeme könnten im Alarmfall auch in Echtzeit Vorschläge machen – etwa alternative Routen anzeigen, falls ein Fluchtweg blockiert ist, oder priorisieren, welche Station zuerst geräumt werden sollte. Solche dynamischen Evakuierungspläne sind Teil der Vision vom intelligenten Gebäudeschutz. Die technische Grundlage dafür ist die Integration aller Sicherheitsanlagen: Brandmelder, Zugangskontrolle, Videoüberwachung, Notstrom, medizinische Alarme – sie laufen idealerweise in einer gemeinsamen Plattform zusammen. Diese liefert der Sicherheitszentrale ein vollständiges Lagebild und erlaubt eine koordinierte Reaktion, die sowohl digitale (IT) als auch physische Maßnahmen umfasst. Etwa kann ein System automatisch überprüfen, ob wichtige Serverräume bei Feuer ausreichend gekühlt bleiben, während gleichzeitig Patientendaten in die Cloud repliziert werden, um sie im Notfall verfügbar zu halten.
Angepasste Risikoprofile: Krankenhäuser zählen zur Kritischen Infrastruktur (KRITIS) und unterliegen besonderen Auflagen im Notfallmanagement. Smarte Lösungen werden immer auf das Haus-individuelle Risikoprofil zugeschnitten. Ein Spezialgebiet ist z.B. der Patientenschutz bei Evakuierung: Hier sind Lösungen gefragt, die Betten oder Intensivgeräte mit Pufferbatterien ausstatten und deren Standort kennen, damit Patienten unterbrechungsfrei versorgt werden können. Auch müssen Alarmsignale in bestimmten Bereichen gedimmt oder zeitverzögert werden können (etwa in der Neonatologie, um Panik bei Eltern zu vermeiden). Die Integration der Sicherheitssysteme sorgt dafür, dass all diese Feinheiten zentral koordiniert werden. Ein einheitliches Dashboard kann z.B. zeigen: “Bereich X alarmiert, Brandschutztüren Y geschlossen, 5 Patienten in betroffener Station, 2 Intensiv-Patienten (Bettennummern A und B) benötigen Transportmittel.” Das Zusammenspiel von IoT-Sensoren (Rauch, Temperatur), Aktoren (Türschließer, Lüfter) und Daten aus der Patienten-IT ermöglicht so eine präzise, schnelle Reaktion in Notfällen – weit über das hinaus, was herkömmliche Insellösungen leisten.
Regulatorischer Rahmen & Förderlandschaft für Smart Hospitals
Die Umsetzung von Smart-Hospital-Technologien erfolgt stets vor dem Hintergrund gesetzlicher Vorgaben und Förderprogramme. In Deutschland treiben insbesondere das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) und technische Richtlinien wie VDI 2552 oder GEFMA 926 die Digitalisierung im Krankenhausbau und -betrieb voran.
Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG): Mit dem 2020 in Kraft getretenen KHZG hat der Bund ein milliardenschweres Förderprogramm aufgelegt, um die Digitalisierung der Krankenhäuser zu beschleunigen. Über den Krankenhauszukunftsfonds werden Projekte finanziert, die von digitalen Patientenportalen über Notfallkapazitäten bis hin zur Modernisierung der IT-Infrastruktur reichen. Für Smart Hospital relevante Fördertatbestände sind z.B. die Fördertatbestände 3 und 5 (digitale Medikations- und Patientenmanagementsysteme) sowie Tatbestand 10 (Maßnahmen zur IT-Sicherheit). Die Länder steuern Kofinanzierungen bei, insgesamt standen rund 4,3 Mrd. € bereit. Wichtig: Geförderte Projekte müssen nachhaltig und interoperabel sein – z.B. fordert das KHZG explizit die Einhaltung von Interoperabilitätsstandards (wie HL7 FHIR oder DICOM) und macht Auflagen zur IT-Sicherheit (Mindestanteil 15% der Mittel). Viele Krankenhäuser nutzen diese Förderchance, um IoT-Infrastruktur und BIM-basierte Systeme erstmals zu implementieren. So wurden über den KHZG-Fonds beispielsweise RTLS-Lösungen für Asset-Tracking, digitale Raumbücher, KI-basierte Energieoptimierung oder Alarmserver-Konzepte finanziert. Die Umsetzungsfristen und strengen Nachweispflichten (bis 2024/25) setzen dabei einen klaren zeitlichen Rahmen, der die Digitalisierungsschritte priorisiert.
VDI 2552 – BIM-Richtlinien: Die VDI 2552 ist eine Richtlinienreihe des Vereins Deutscher Ingenieure, die den Einsatz von Building Information Modeling standardisiert. Sie gliedert sich in mehrere Blätter (z.B. Blatt 1 Begriffe, Blatt 4 Datenmanagement, Blatt 10 Betriebsphase), die zusammen Planern und Betreibern einen Handlungsfaden geben. Für Krankenhäuser relevant sind vor allem die Vorgaben zur BIM-Nutzung in der Betriebsphase: Hier beschreibt VDI 2552, wie ein digitales Gebäudemodell im FM weitergeführt wird, welche Informationen (etwa Raumtypen, Ausstattungen, Wartungspläne) hinterlegt sein sollten und wie der Austausch zwischen BIM-Modell und CAFM erfolgt. Landesbauordnungen und Fördermittelgeber fordern zunehmend BIM als Planungsstandard bei Krankenhaus-Neubauten, was die Einhaltung solcher Richtlinien unerlässlich macht. So verlangen manche Bundesländer ab einer gewissen Projektsumme einen BIM-Abwicklungsplan nach VDI 2552. Für das FM-Team eines Smart Hospitals bedeutet dies, dass sie früh in Bauprojekte eingebunden werden und ihre Anforderungen (z.B. Sensorvorbereitung, Platz für Technikzentralen, Zugänglichkeiten) ins digitale Modell einspeisen. Die VDI-Richtlinie hilft dabei, die Schnittstellen klar zu definieren – von IFC-Modellen für Bauteile bis zu sogenannten AIM (Asset Information Models), welche alle FM-relevanten Objektdaten bündeln.
GEFMA 926 – IoT-Best Practices im FM: Der Deutsche Verband für Facility Management (GEFMA) hat mit der Richtlinie GEFMA 926 ein Whitepaper speziell zu BIM und digitalen Prozessen im FM veröffentlicht. Darin wird praxisnah erläutert, wie digitale Gebäudemodelle und IoT-Daten während des Gebäudebetriebs genutzt werden können. Für Krankenhäuser als komplexe Sonderbauten sind in GEFMA 926 zahlreiche Anwendungsfälle beschrieben: etwa die Digital-Twin-Konzeption für einen OP-Trakt, wo BIM-Modell und Echtzeit-Sensordaten verknüpft werden, oder der Einsatz von Predictive Maintenance auf Basis von Sensordaten im technischen Dienst. Die neueste Version 2.0 von 2020 erweitert die Inhalte auf ~90 Seiten und enthält internationale Vergleiche und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen. Krankenhaus-FM-Verantwortliche können diese Publikation als Leitfaden heranziehen, um die digitale Transformation ihres Bereichs zu strukturieren. Ergänzend gibt es von GEFMA weitere Richtlinien (z.B. GEFMA 440 ff. für CAFM-Daten) und vom DIN speziell für Krankenhäuser Normenreihen wie DIN 13080 (Krankenhausbetriebstechnik) oder DIN 13256 (Krankenhausraumcodierung), die im Smart Hospital Kontext relevant sind. Nicht zuletzt fließen europäische Programme – z.B. zur Green Hospital-Initiative – in Fördermöglichkeiten ein, die IoT-basierte Energiemanagementsysteme bezuschussen. Insgesamt ist das regulatorische Umfeld in Bewegung: Smart Hospital ist politisch gewollt und wird durch gezielte Förderinstrumente sowie normative Leitplanken immer stärker zur Realität in deutschen Kliniken.
