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Versorgungsbereiche im Krankenhaus

Facility Management: Kliniken und Krankenhäuser » FM-Services » Strategie » Versorgung

Strategische Konzepte für die Materialwirtschaft und Versorgungslogistik im Krankenhaus zur Sicherstellung effizienter Warenströme

Versorgungsbereiche im Krankenhaus

Ein Versorgungskonzept zielt auf eine standardisierte, bedarfsgerechte und effiziente Bereitstellung von Versorgungsgütern und -leistungen in Krankenhäusern ab. In der Modulversorgung werden sogenannte Module – z. B. genormte Schrankeinheiten nach ISO 3394 oder Versorgungspakete – eingesetzt, die regelmäßig zentral aufgefüllt und auf der jeweiligen Station oder in Funktionsbereichen bereitgestellt werden. Die Ziele sind eine optimale Lagerwirtschaft, Minimierung von Verderb und Engpässen (durch FIFO-Prinzip) sowie eine flexible Anpassung an den tatsächlichen Verbrauch. Im Unterschied zu reiner Vorratshaltung bedeutet Modulversorgung, dass die Versorgung logistischer Güter (Medikamente, Verbrauchsmaterial) durch standardisierte Behälterstrukturen organisiert wird. Abgegrenzt wird dies etwa von klassischen Kanban-Verfahren; die Modulversorgung betont insbesondere die vereinheitlichte Lagerung und Nachschuborganisation entlang festgelegter Versorgungsrouten. Wesentliche Grundprinzipien sind daher Standardisierung, Nachvollziehbarkeit und Entlastung der Pflegebereiche: Übertragungen etwa per Scanning, Verbrauchsdokumentation und automatische Nachbestellung erhöhen Effizienz und Sicherheit. Zugleich müssen modulare Systeme hygienisch sicher und nutzerfreundlich sein, um Arbeitsabläufe zu unterstützen, ohne zusätzliche Risiken einzuführen.

Versorgungssysteme und Dienste im Krankenhaus

    • Infografik des Kreislaufs einer Modulversorgung: von der Befüllung im Zentrallager über die Nutzung in der Klinik bis zur Wiederauffüllung.

Grundprinzipien der Modulversorgung (Definition, Zielsetzung, Abgrenzung)

  • Definition: Ein Modulversorgungskonzept strukturiert die Versorgung eines Krankenhausbereichs in standardisierte Einheiten. Häufig werden ISO-Genormte „Module“ (z. B. Schrankeinheiten nach ISO 3394) verwendet, um Kompatibilität und Transportfähigkeit zu gewährleisten. Jedes Modul enthält bedarfsgerechte Mengen an Verbrauchsmaterialien, die zentral nachgefüllt werden.

  • Zielsetzung: Hauptziele sind eine bedarfsgerechte und zeitnahe Bereitstellung von Medizinprodukten und Verbrauchsgütern bei gleichzeitig niedrigen Lagerbeständen. Dies vermindert überhöhte Lagerkosten und minimiert Ausschuss durch Überschreiten von Mindesthaltbarkeiten (durch konsequentes FIFO- bzw. FEFO-Prinzip). Weiterhin sollen Logistikprozesse vereinfacht und die Abläufe für das Personal standardisiert werden.

  • Abgrenzung: Modulversorgung unterscheidet sich von rein klinisch orientierten Verfahren (z.B. stationäre Vorratshaltung oder dezentrale Bestellungen einzelner Stationen), indem ein integriertes System den Nachschub zentral steuert. Im Gegensatz zu kurzfristigen Bestellungen setzen modulare Konzepte auf feste Versorgungsrhythmen und vordefinierte Mindestbestände, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die Trennung von Steril- und Nicht-Sterilgut, sowie klar definierte Zuordnungen zu den klinischen Bereichen (OP, ITS, etc.) ist dabei essenziell.

Technisch-betriebliche Anforderungen je Bereich

Die Anforderungen an eine zuverlässige Versorgung variieren je nach Krankenhausbereich. Nachfolgend sind typische Aspekte für OP, Intensivstation (ITS), Notaufnahme (NA) und Normalstationen getrennt dargestellt:

Operationssaal (OP)

  • Elektroversorgung: In OP-Sälen ist ein medizinisches IT-Stromversorgungssystem vorgeschrieben (DIN VDE 0100‑710). Es handelt sich um ein isoliertes, ungeerdetes Netz, das über zwei unabhängige Einspeiseleitungen (Allgemein- und Notstrom) versorgt wird. Ein automatisches Umschaltsystem (AV/SV) stellt binnen Sekunden auf die Sicherheitsversorgung um, sodass selbst bei einem ersten Fehler kein Stromausfall eintritt. Zudem ist ein Schutzpotentialausgleich (RPA-Schiene) vorgeschrieben, um Spannungsdifferenzen auszugleichen.

  • Medizingasversorgung: Notwendig sind O₂-, N₂O-, CO₂- und Druckluftleitungen (DIN EN ISO 7396‑1) sowie zentrale Absaugung (Vakuum). Die Installationen müssen regelmäßige Lecktestungen und Reinheitskontrollen durchlaufen. Bereichskontrolleinheiten überwachen Druck und Alarme. Es gelten strenge Vorgaben zur Rohrleitungskennzeichnung und -wartung; das System wird in der Regel doppelt redundant ausgeführt (z. B. Haupt- und Reserveflaschenbatterien).

  • Raumlufttechnik (RLT): OP-Räume gelten als Raumklasse I (Reinraum). Laut Empfehlungen (DIN 1946-4, VDI 6022) ist hier eine mehrstufige Filterung mit HEPA-Filtern (Klasse ISO 5) erforderlich, oft in Form von laminarer TAV-Zuluftdecke. Beim Betrieb dürfen keine Umluft-Klima-Splitgeräte in OP-Räumen eingesetzt werden; alle Geräte müssen den Hygienerichtlinien (VDI 6022‑1) entsprechen. OP-Säle stehen üblicherweise im Überdruck zum Flurbereich, um Keimverschleppung zu minimieren (Absaugvolumenstrom > Zuluftvolumenstrom). Die Klimaanlagen erfordern regelmäßige Wartung und Hygienekontrollen durch Fachpersonal.

  • Hygiene und Reinigung: Es gilt die KRINKO-OP-Richtlinie: Alle Personen müssen OP-spezifische Schutzkleidung tragen, und das Personal darf vor Betreten der OP einen Mund-Nasen-Schutz nutzen. Instrumente und kontaminiertes Material werden nach OP in verschlossenen Behältnissen in den Sterilisationsbereich verbracht. Die OP-Endreinigung erfolgt nach jedem Eingriff nach einem definierten Hygieneplan; Reinigungskräfte sind geschult und tragen keimfreie Arbeitskleidung. Der Betreiber muss lückenlose Dokumentation der Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen vorweisen.

  • Sterilgut- und Materiallogistik: Die OP-Module erfordern eigene sterile Lagerbereiche, die über „Schrankversorgung“ (Modulschränke mit verplombten Sets) oder spezielle Servierwagen bedient werden. Material und Einwegartikel (z. B. OP-Bestecke, Kanülen) werden über zentrale Supply-Depots in festen Intervallen geliefert. Stark frequentierte OP-Bereiche halten nur kurzzeitig Material vor (Minivorrat), um Bestand zu minimieren. Alle Nachfülleinsätze müssen mit modulareskanierbarer Dokumentation (Chargen, Haltbarkeitsdaten) erfasst werden.

  • Medizinische Betriebsausstattung: OP-Equipment (Laser, Hochfrequenzgeräte, Anästhesiegeräte) unterliegt der MPBetreibV (z. B. regelmäßige Funktions- und Sicherheitstests). Explosionsschutzregeln (z. B. TRBS 3152 für Anästhesiegase) sind zu beachten. Die Raumgröße, Deckenhöhe und OP-Beleuchtung folgen den jeweils gültigen Normen (DIN 18032 etc.). Notstromaggregate müssen auch bei voller Belastung alle OP-Geräte und Leuchten sichern.

Intensivstation (ITS)

  • Elektrik und IT: Wie im OP wird in Intensivbereichen üblicherweise ein medizinisches IT-Stromnetz verwendet (DIN VDE 0100‑710). Die redundante Einspeisung (inkl. Notstrom) gewährleistet 24/7-Betrieb für Beatmungsgeräte und Monitore. Alle elektrischen Installationen sind nach TRBS 1203/InstandVVO durch Elektrofachkräfte zu planen und prüfen. Unnötige Umluft-Kühlgeräte sind in Intensivbereichen verboten (VDI 6022); stattdessen werden zentrale RLT-Anlagen eingesetzt. IT-seitig sind Patientenmonitoring-Systeme, Netzwerkanbindung von Medizingeräten und redundanter Serverzugriff erforderlich.

  • Medizingase: Ähnlich wie OP: Sauerstoff (O₂) und Vakuum sind täglich verfügbare Lebensadern. Die Gasversorgung ist hochdimensioniert (mehrere Leitungen pro Zimmer), da Intensivpatienten oft beatmet oder mehrfach überwacht werden. Volumenmessung und Gasreinheitsüberwachung (z. B. VoluCount®) sichern die Prozessqualität.

  • RLT: ITS-Räume sind meist Raumklasse II – hohe Frischluftanteile und Filter (min. F7/Vliese) reduzieren Kontamination. Aufdruck bzw. Unterdruck wird je nach Notwendigkeit gesteuert (z. B. Schutzbelüftung für Isolierzimmer, Überdruck für Immunsupprimierte). Auch hier gelten VDI 6022-Anforderungen (z. B. regelmäßige Filterwechsel, Inspektionen). Luftwechselraten liegen typischerweise bei 6–15 ACH (Air Changes per Hour). Wartungsintervalle der RLT-Filter und -Geräte werden dokumentiert.

  • Hygiene und Reinigung: Intensivstationen haben hohe hygienische Anforderungen (TRBA 250, KRINKO). Neben täglichen Reinigungszyklen (Boden, Flächen, Geräte) sind zusätzliche Desinfektionstätigkeiten bei Infektfällen vorgesehen. Ein Hygieneplan dokumentiert alle Maßnahmen; dessen Einhaltung ist nachweisbar (Reinigungsprotokolle, Mitarbeiterschulungen). Das Personal muss bei Kontakt mit infektiösen Patienten adäquate Schutzkleidung tragen.

  • Lebensrettende Ausstattung: Im ITS sind jederzeit mobile Notfallausstattung (Transportmonitore, Defibrillator, Reanimationswagen) bereitgestellt. Flüssiggasgestützte Enteraleernährung, Klimabehandlungsgeräte (z. B. Luftbefeuchter für Beatmungsluft) und Kryotherapie (Eiskühlsysteme) erfordern spezielle Anschlüsse und Wartung. Ausfälle dieser Systeme werden in Notfallplänen berücksichtigt.

Notaufnahme (NA)

  • Allgemeines: Die Notaufnahme ist rund um die Uhr in Betrieb. Sie umfasst Wartebereiche, Behandlungsräume (Triage/Schockraum) und Schnelldiagnostik (z. B. Röntgen direkt angeschlossen). Es gelten hohe Anforderungen an Erreichbarkeit (Kurzwege zu OP/ITS) und Integration in den Gesamtbetrieb (z. B. HD-Zugriff, Patientenleitsysteme).

  • Stromversorgung: Auch die Notaufnahme wird als kritischer Bereich (Raumgruppe 2) über ein medizinisches IT-System versorgt. Automatische Umschalteinrichtungen garantieren Backup-Strom (BSV/Notstrom) für Atemnotfälle und Reanimationen. Hierzu dienen Dieselgeneratoren bzw. USV-Anlagen.

  • Medizingase und Vakuum: Mindestens O₂ und Vakuum müssen in jedem Behandlungsraum verfügbar sein. Mobile Geräte (z. B. Defibrillator, Absauggeräte) verfügen über Gasflaschenreserve. Die zentrale Pipeline ist wie auf ITS ausgelegt. Bereichskontrollen signalisieren Gasdruckabfall sofort.

  • RLT: NA-Räume werden meist als Raumklasse II betrieben – keine Reinraumlüftung wie im OP, aber mit hohem Luftwechsel (~8–10 ACH) und strenger Filterung (F7/F9). Schockräume haben zum Teil zuschaltbare Überdruck- oder Unterdruckmodi, z. B. zur Vermeidung von Keimverschleppung. Auch hier gelten VDI 6022 und ggf. spezielle Empfehlungen (z. B. DGKH RLT-Empfehlung für Notfallräume).

  • Hygiene: Ein Notfallzentrum unterliegt ebenfalls dem IfSG und der KRINKO. Die NA wird häufig in Hygienebegehungen mitberücksichtigt. Die Reinigung erfolgt auch tagsüber mehrmals (z. B. nach ambulanter Entzündungsbehandlung). Handhygiene-Stationen und klare Wegeführung (Patienten/Personal) sind vorgeschrieben.

  • Medizin- und Logistikausstattung: Notfallwagen (Stroke-, Trauma-Set) müssen ständig nachgefüllt sein. Die NA arbeitet eng mit Labor, Blutbank und OP zusammen. IT-seitig sind ein schnelles Klinik-Informationssystem (KIS) und Bilddaten-System (PACS/RIS) einzubinden. Mobile Diagnosegeräte (EKG, Ultraschall, Röntgen) erfordern entsprechende Steckdosen und Leitungszugänge. Auf Dringlichkeitsprozesse abgestimmte Servicezeiten (z. B. schneller Internetsupport, Biochemikalienversorgung) sind notwendig.

Normalstationen

  • Betriebscharakteristik: Stationen haben planmäßigen 24/7-Pflegebetrieb, jedoch meist untertags weniger technische Intensität. Routineversorgung (Medikamentenverteilung, Injektionen, Basistherapien) steht im Vordergrund.

  • Stromversorgung: Normale Niederspannungs-EVU-Versorgung mit Übergangsnotenstrom (z. B. Beleuchtung im Treppenhaus, Aufzüge) ist ausreichend. In der Regel werden keine medizinischen IT-Netze benötigt; zentrale Geräteströme (Monitore, Infusionspumpen) sind in die Hausverteilung integriert. Die üblichen E‑Geräte unterliegen der DGUV V3 und TRBS 1203, d. h. sie werden regelmäßig durch Elektrofachkräfte geprüft.

  • Medizingase: Oft ist stationär nur Sauerstoffversorgung (O₂) notwendig, in der Regel mehrere O₂-Anschlüsse pro Zimmer bei Bedarf (z. B. COPD-Patienten). Vakuumleitungen sind weniger häufig, nur in Palliativbereichen üblich. Für Operationswunden o. ä. genügt zumeist mobiles Vakuum.

  • RLT: Stationäre Patientenzimmer sind meist raumlufttechnisch als Klasse II (Basislüftung) ausgeführt: zwei Filterstufen (Schutzfilter und Feinfilter). Eine Mindestwechselzahl (z. B. 2–4 ACH) und adäquate Temperaturreglung sind einzuhalten. Isolationszimmer (z. B. für multiresistente Erreger) können mit Unterdruck-Lüftung ausgestattet sein. VDI 6022-Vorgaben zur Wartung (Filterwechsel, Hygienekontrolle) gelten grundsätzlich auch hier.

  • Reinigung: Stationszimmer werden in definierten Intervallen gereinigt (häufig täglich Früh- und Spätdienst). Zusätzlich erfolgen Endreinigungen beim Patientenwechsel. Die Reinigungsfachkraft arbeitet nach dem Hygienemanagement des Hauses – z. B. nach KRINKO-Empfehlungen und IfSG. Anweisungen im Hygieneplan (Flächendesinfektion, Materialverwendung) sind schriftlich festgelegt und müssen durch Dokumentation belegt sein.

  • Logistik: Stationsbedarf wird meist über modulare Versorgungsschränke oder Medizinschränke bereitgestellt. Häufig gibt es fixe Bestellintervalle (z. B. automatische Nachschubplanung mit Scanner). Non-Spot-Artikel (Bettwäsche, Nahrung, Hygieneartikel) werden zentral über die Hauswirtschaft geleitet. Alle Logistikprozesse folgen dem FIFO-Prinzip und sind transparent dokumentiert (Charge, Haltbarkeit).

  • Servicezeiten: Pflege- und Reinigungsdienste folgen Schichtplänen (z. B. Essens-, Zwischenreinigung morgens). Technischer Service (Sanitär, Elektro) steht meist nur tagsüber bereit, mit Rufbereitschaft außerhalb. Gerätewartungen (z. B. Defibrillatoren, Hebebetten) sind in jährliche Zeitenpläne eingetragen.

Versorgungskomponenten je Modul (Tabellenform)

Im folgenden sind die typischen Versorgungskomponenten für die oben betrachteten Krankenhausmodule tabellarisch zusammengefasst (Beispiele):

Komponente

OP / Funktionsbereich

ITS (Intensivstation)

NA (Notaufnahme)

Normalstation

Stromversorgung

Medizinisches IT-Netz (ungeerdet) mit Trenntrafo und USV; 2 unabhängige Einspeisungen (AV/SV); Notstromgenerator; Schutzpotentialausgleich

Ebenfalls IT-Netz; 24/7 USV/Notstrom; Hochlast-Notstrom (Defibrillator, Monitore)

IT-Netz für Schockraum; automatische Umschaltung; z. T. getrennte Räume je nach Anforderung

Netzstrom (TN-System), zentrale EVU-Versorgung; Notstrom für zentrale Einrichtungen (Flure, Aufzüge)

Medizingase / Vakuum

O₂, N₂O, CO₂, Druckluft, zentrales Vakuum; redundante Flaschenbatterie; Bereichskontrolleinheit mit Alarme

O₂, evt. N₂, zentrales Vakuum; Druckluft (Beatmung); Verbrauchsüberwachung (VoluCount)

Mind. O₂ und Vakuum in jedem Behandlungsraum; mobile Gaseinspeisung (Ventilator, Schockbox)

Meist nur O₂ in ausgewählten Zimmern; vereinzelt Vakuum (z. B. in Palliativzimmern)

Raumlufttechnik (RLT)

Reinraumklasse Ia/Ib (turbulenzarme Zuluftdecken, HEPA H13/14); Überdruck gegen Flur; keine Umluft-Klimageräte

Raumklasse II (hohe Frischluftanteile, z. T. Druckhaltung); intensive Filterung (F7/F9)

Raumklasse II; hohe Wechselraten (~8–10 ACH); ggf. Schockraum mit Druckkontrolle; getrennte Lüftung (z. B. frische Luftschleuse)

Standardklasse II (zwei Filterstufen); 24 °C ±1 °C, ~3–5 ACH; Isolierzimmer mit Unterdruck möglich

Reinigung / Hygiene

Zwischen- und Endreinigung nach jedem Eingriff; spezielles OP-Reinigungspersonal; Nachweis im Hygieneplan

Mehrfach täglich Reinigung, Desinfektionstouren; abteilungsinterne Hygienefachkraft kontrolliert Dokumentation

Häufige Reinigung kritischer Areale (z. B. Aufnahmebereich, Triage); feste Reinigungszyklen; Desinfektion nach Bedarf

Tägliche Zimmerreinigung; regelmäßige Vollreinigung (Wochenplan); Schulung gemäß Hygienekonzept und IfSG

Logistik / Material

Kleine Materialdepot (Sauerstoff, Sonden); Notfallwagen-Vorhaltung; IT-gestützte Lagerverwaltung

Traumaschrank / Notfallrucksack; Direktzugriff Radiologie/Bank; Materialflusssteuerung per Scanner

Stationsvorrat im Modulwagen; regelmäßige Anlieferung aus Zentrallager (Kanban/Automatsystem)

IT / Kommunikation

Patienten-Monitoring mit Alarmanbindung; Netzwerk for Telemetrie; redundante Serveranbindung

KIS-Tragewächter; Schnellzugang zu Röntgen/PACS; Alarmierungssysteme (u. a. Notfallcodes)

Stationscomputer (Dokumentation/Visite); Telefone, Patientenrufanlage; Subsysteme (Pharmazie, RIS)

Personal und Servicezeiten

24/7-Betrieb mit Intensivierteams; permanenter OP-Techniker-Einsatz; hausinterne Technikbereitschaft; u. U. Rufbereitschaft für Med. Technik

24/7-Pflegekräfte; Ärzte i.d.R. tagsüber im Haus; 24/7-Notfallgespräche (Tel.); Techniker-Ruf (Beatmung etc.)

Dauerbesetzung / Rufbereitschaft (Notärzte, Pflege); Personalaufstockung bei Großschadensereignissen; Labordienste 24/7

Dienstartige Besetzung (z. B. Mo–Fr 7–16 Uhr); Nacht-/Wochenend-Dienst; externe Dienstleister (z. B. Heimlieferung, zahnärztl. Röntgen)

Zuständigkeiten und Governance

Ein klarer Verantwortungsrahmen ist entscheidend, um die Versorgungsmodule zu betreiben. Typische Rollen sind Technischer Leiter (Facility Management), Hygienefachkraft, Medizintechnik-Abteilung, Pflegeleitung und Geschäftsführung.

Die nachfolgende Tabelle zeigt exemplarisch Zuständigkeiten und Eskalationswege:

Versorgungskomponente

Erstzuständigkeit (Abteilung/Rolle)

Eskalationsstufe (bei Ausfall/Problem)

Stromversorgung

Technischer Dienst (Elektrofachkraft/Ingenieur)

1. externer Elektroinstallateur<br>2. Technischer Leiter<br>3. Klinikleitung

Medizingasversorgung

Technischer Dienst / Medizintechnik-Team

1. Gas-Lieferant (Externer)<br>2. Medizintechnik-Management<br>3. Klinikleitung

RLT-Anlagen

Technisches Gebäudemanagement / Haustechnik

1. externer HLK-Dienstleister<br>2. Technischer Leiter<br>3. Hygienefachkraft

Reinigung / Hygiene

Hauswirtschaftsleitung / Hygienefachkraft

1. Externer Reinigungsdienst (fallback)<br>2. Hygienebeauftragte Pflege<br>3. Klinikleitung

Materiallogistik

Zentrallager/Medizintechnik (Logistikleitung)

1. Stationsleitung bzw. Springerpflege<br>2. Zentrallogistik<br>3. Geschäftsführung

Medizinische Geräte

MTD (Biomed. Technik)

1. Gerätehersteller-Service<br>2. Technischer Leiter<br>3. Ärztlicher Leiter

IT und Kommunikation

IT-Abteilung

1. IT-Dienstleister / Hersteller<br>2. CIO / Technikleitung<br>3. Geschäftsführung

Diese Verteilung folgt dem Konzept der Betreiberverantwortung (VDI 3810) und muss vertraglich oder dienstlich festgehalten sein. Die Delegation von Aufgaben erfordert klare Beschreibungen und Auswahl fachkundiger Partner, ebenso wie regelmäßige Kontrollen der Einhaltung. Ungeachtet von Delegation bleibt die Organisationsspitze letztverantwortlich (Garantenstellung) für den einwandfreien Betrieb. Entsprechende Dokumentationspflichten und Eskalationsprozesse sind im Risikomanagement bzw. in Dienstanweisungen verankert. Im Schadensfall müssen Betreiber beweisen, dass sie alle notwendigen Maßnahmen (Schulungen, Prüfungen, Wartungen) getroffen und dokumentiert haben.

Beispiele:

  • Medizingeräte (MPBetreibV §6): Wartungs- und Prüfintervalle müssen schriftlich festgelegt, von qualifiziertem Personal (laut MPBetreibV und TRBS 1203) durchgeführt und dokumentiert werden. Die MPBetreibV fordert interne Kontrollsysteme und Protokollierung aller Instandhaltungen.

  • Elektrik (TRBS 1203, DGUV V3): Nur Elektrofachkräfte dürfen Arbeiten an Anlagen ausführen. Prüfprotokolle (z. B. E-Check, Isolationsmessung) sind aufzubewahren.

  • Raumluft- und Klimaanlagen: Instandhaltungsunterlagen zu Filterwechseln, Hygienekontrollen (VDI 6022/1) und Abnahmeprotokolle (technische Abnahme, hygienische Abnahme) sind zu führen. Alle RLT-Komponenten unterliegen einem Wartungsplan, dessen Umsetzung statistisch auswertbar sein sollte.

  • Hygiene (IfSG, KRINKO, TRBA 250): Nach §23 IfSG gilt die Beachtung der KRINKO-Empfehlungen als Stand der ärztlichen Hygiene‍wissenschaft. Ein Hygienemanagementsystem (Krankenhaushygieneplan) muss dokumentiert sein, einschließlich Schulungsnachweisen für alle Mitarbeiter. Die regelmäßige Hygieneinspektion durch Fachpersonal wird ebenfalls protokolliert.

  • Logistik und Verbrauchsmaterial: Chargen- und Haltbarkeitsnachweise (z. B. für Infusionslösungen) sind Teil der Arzneimittel- und Medizinproduktdokumentation. FIFO-Einhaltung und Kontrollen (z. B. über Scanner-Abgleiche) müssen nachvollziehbar sein.

  • Allgemeines Dokumentationswesen: Leitstellen- und Brandmeldeprotokolle, Wasser- und Druckversorgungsprüfungen (TrinkwV), sowie Gefährdungsbeurteilungen gem. ArbSchG/BetrSichV werden angelegt. Die Einhaltung aller Betreiberpflichten (Technische Regeln, Zulassungen) muss jederzeit vor Gericht belegbar sein. Dokumentationen – von Reinigungsplänen bis Prüfprotokollen – bilden dabei die Nachweise im Haftungsfall.

Risikoanalyse je Modul (FMEA)

Zur Beurteilung von Ausfall- oder Störszenarien bietet sich die Failure Mode and Effects Analysis (FMEA) an. Dabei wird jedes Modul (Krankenhausbereich) auf potenzielle Fehlermodi, deren Ursachen und Auswirkungen hin untersucht. Jeder Fehlermodus erhält eine Bewertung der Schwere (S), Auftretenswahrscheinlichkeit (O) und Entdeckungswahrscheinlichkeit (D), woraus sich die Risikoprioritätszahl RPN=S·O·D ergibt. Tabellenbeispiele (verkürzt) für die Hauptmodule:

FMEA für den OP-Bereich

Fehlermöglichkeit

Ursache

Auswirkung

S

O

D

RPN

Geplante Maßnahmen

Stromausfall / Abschaltung

Fehler im IT-System oder Schalteinrichtung

Ausfall von Beatmungsgerät/Monitor -> Lebensgefahr

9 2 5 90

USV erweitern; regelmäßige Umschalt-Checks

Leckage in Gasleitung

Korrosion, Materialfehler

Unterbrechung Sauerstoffversorgung (Hypoxie)

8 3 4 96

Lecktest-Häufigkeit erhöhen; Notfallsauerstoffflaschen bereithalten

RLT-Ausfall (Belüftung)

Ausfall Lüfter/Filter

Rückgang Luftwechsel -> Infektionsrisiko

7 3 6 126

Alarm in Gebäudemanagement integrieren; Ersatzfilter auf Lager

Nichtsterile Instrumente im OP

Fehler Sterilgutlogistik

Wundinfektion, Keimübertragung

6 2 3 36

Doppelprüfung Paketsiegel; Kennzeichnung im Sterilgut

Verwechslung Gasanschluss

Fehlbeschriftung, Vertauschen

Verabreichung falsches Gas -> Intoxikation

9 2 7 126

Schulung; Farb- und Steckersysteme nach Norm

FMEA für die Intensivstation (ITS)

Fehlermöglichkeit

Ursache

Auswirkung

S

O

D

RPN

Geplante Maßnahmen

Ventilator- / Monitor-Ausfall

Elektronikfehler, Softwarebug

Atemstillstand/Fehldiagnose

9 2 3 54

Regelmäßige Funktionstests; Ersatzgeräte vorhalten

Infusionspumpen-Überdosierung

Bedienfehler, Alarmstörung

Medikamenten-Vergiftung

8 2 5 80

Überprüfung der Alarmsysteme; double-check durch Pflege

O₂-Notversorgung defekt

Rohrleitungsschaden

Hypoxie bei Patienten

8 3 4 96

Drucküberwachung; Notfallsauerstoffflaschen als Backup

Kreuzinfektion (MRSA etc.)

unzureichende Hygiene

Infektionskaskade, septischer Schock

7 4 4 112

Strikte Isolierung; Überprüfungen durch Hygienefachkraft

Ausfall Zentralmonitor

Netzwerkstörung

Verzögerte Patientenüberwachung

6 3 6 108

Backup-Monitor pro Zimmer; Monitoring-Duplizierung

FMEA für die Notaufnahme (NA)

Fehlermöglichkeit

Ursache

Auswirkung

S

O

D

RPN

Geplante Maßnahmen

Patientenstau (MCI)

Großschadensereignis

Überlastung; Behandlungsengpass

10 1 2 20

Massenanfallplan, Notfallalarmierungssystem

Ausfall Röntgen/CT

Systemfehler, Wartung

Verzögerte Diagnostik, Fehlertherapie

8 2 4 64

Doppelvertragslösung; mobile Geräte bereithalten

Resusci-Trolley fehlt

Logistikfehler

Verzögerung Reanimation, Sterblichkeit

9 3 3 81

Checkliste, tägliche Bestandskontrolle

Fehlidentifikation

Personen- und Namensverwechslung

Falsche Therapie, Medikationsfehler

8 3 5 120

Barcode-Patientenarmbänder; 2-Personen-Check

Strom-Alarm für Monitore

Unterbrechung AV/SV Umschaltung

Kurzzeitiger Stromausfall, Panik

7 3 7 147

Überprüfung der Umschalteinrichtung (DIN VDE 0100-710)

FMEA für Normalstationen

Fehlermöglichkeit

Ursache

Auswirkung

S

O

D

RPN

Geplante Maßnahmen

Patient fällt

ungesicherter Nachttisch/Bett

Verletzungen, Brüche

8 4 2 64

Sturzprophylaxe, Nachtlicht

Arzneimittelfehler

Verwechslungsgefahr

Unter-/Überdosierung

7 3 3 63

Barcode-Scanning, Zweitkontrolle Krankenschw.

Beatmungsspender-Leck

defektes Material

Atemnot bei zu beatmendem Patienten

8 2 4 64

Gerätewartungsplan; Sauerstoffreserve-Flaschen

Brand im Zimmer

Raucher/Wärmequelle

Personengefährdung, Evakuation

10 1 3 30

Rauchmelder, Feuerlöscher, Brandschutzschulungen

Zimmer nicht gereinigt

Personalmangel

Infektionsausbreitung

6 3 4 72

Reinigungsprotokolle, Qualitätskontrolle durch Hygienefachkraft

Anmerkung

Diese FMEA-Tabellen zeigen exemplarisch, wie Risiken identifiziert, bewertet und mit Gegenmaßnahmen belegt werden (RPN = Risikoprioritätszahl). Die tatsächlichen Werte müssen auf Basis von Erfahrung und Daten (z. B. Ausfallstatistiken) angepasst werden.

Um Versorgungsausfälle vorzubeugen bzw. ihre Folgen zu mildern, sollte das Konzept redundant und steuerbar ausgelegt sein:

  • Präventive Maßnahmen: Etablieren Sie ein geplantes Wartungsprogramm, das routinemäßige Überprüfungen und Inspektionen (z. B. gemäß Herstellerangaben) umfasst. Ergänzen Sie dies durch Zustandsüberwachung (z. B. Sensoren, IoT), um schrittweise auf vorausschauende Instandhaltung umzustellen. Schulungsprogramme für Personal (Technik, Hygiene) sowie regelmäßige Alarmübungen festigen die Handlungssicherheit im Störfall.

  • Redundanz und Robustheit: Bauen Sie reserve Systeme ein. Bei der Stromversorgung werden IT-Netzwerke stets mit zwei unabhängigen Quellen versorgt (Wechselrichter/Generator). Die Gasversorgung erhält Notfallflaschen-Backup, RLT-Anlagen doppelte Ventilatoren oder Ableitungen. Wichtige Geräte (Beatmungsgerät, Notfallwägen) sind im Schlüsselpersonalbestand doppelt vorhanden. Durch diese Redundanz bleibt im Fehlerfall zumindest eine Versorgungslinie intakt.

  • Steuerbarkeit und Überwachung: Integrieren Sie modernste Gebäudeleittechnik (GLT/BMS), die Störungen in Echtzeit melden. Automatisierte Alarm- und Analysesysteme (Facility-Management-Software) liefern transparente Einblicke (Stromverbrauch, Bettenbelegung etc.) und erlauben schnelles Eingreifen. Ein zentrales Monitoring für Technik und Hygiene (z. B. digitales Hygienemanagementsystem) sichert die Einhaltung von Intervallen. Empfohlen werden digitale Checklisten und mobile Prüfgeräte, um Nachweise maschinell zu führen.

  • Notfallplanung: Ergänzend sind klare Notfallpläne und Eskalationsketten erforderlich. Diese umfassen Verteilersperrungen (bei Gasleckagen), Katastrophenschutz-Alarmketten (Massenanfall), sowie Verträge mit externen Dienstleistern für schnelle Kompensation (bspw. Notstromversorgung). Protokolle des Betreibungsnachweises sollten jederzeit einsehbar sein.

  • Regelmäßige Audits: Führen Sie interne Audits und Simulationen („Failure Drills“) durch, um Sicherheitslücken aufzuspüren. Die GEFMA-Richtlinien oder Normen für Facility Management (z. B. VDI 1000ff.) bieten detaillierte Checklisten für Effizienz und Versorgungssicherheit. Eine kontinuierliche Verbesserungskultur (Kaizen) und Learning-from-Incidents runden das Sicherheitskonzept ab.

Durch diese vorbeugenden, redundanten und steuerbaren Maßnahmen lässt sich die modulare Versorgung robuster machen und zugleich die hohe Qualität der Patientenversorgung sicherstellen.