Trends im Gesundheitssektor
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Trends im Gesundheitswesen
Krankenhäuser und Universitätskliniken befinden sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Der klinische Versorgungsauftrag trifft auf steigende regulatorische Anforderungen, Kostendruck, Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, mit hohem Tempo zu digitalisieren und zu dekarbonisieren. Facility Management (FM) ist dabei kein unterstützender Randprozess, sondern integraler Bestandteil der Patientensicherheit, der Versorgungskontinuität und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Technische Gebäudeausrüstung (TGA), Energiemanagement, Hygiene in Raumluft- und Trinkwassersystemen, medizinische Gase und kritische Medien sowie Notstrom- und USV-Konzepte bilden die infrastrukturelle Basis für klinische Kernprozesse – vom OP über ICU/ITS bis zur AEMP.
Trends im Gesundheitswesen: Entwicklungen und Auswirkungen
- Mehrere gleichzeitige Trendlinien verschärfen die Komplexität
- Was ist Krankenhaus-Facility-Management?
- Hard FM versus Soft FM
- Rollen und Verantwortlichkeiten
- Besonderheiten in Akutkrankenhäusern und Unikliniken
- Schnittstellen zu Medizintechnik und Klinikbetrieb
- Grundlagen der Steuerung: Prozesse, Daten, Nachweise
- Zielbild und Nutzen digitaler FM-Ökosysteme
- BIM nach ISO 19650/VDI 2552 im Klinikbetrieb
- CAFM/CMMS-Integration gemäß GEFMA 444/460ff
- IoT/OT und Cybersicherheit
- B3S Gesundheitsversorgung: Relevanz für FM/OT
- Interoperabilität und Daten-Governance
- Umsetzungspfad und praxisnahe Prioritäten
- Anspruch
- Energie und Dekarbonisierung
- Betriebs- und Regelungsoptimierung
- Monitoring und Benchmarking
- Kühlwasserhygiene (VDI 2047-2): Hygienerisiken vs. Energieeffizienz
- Abwärmenutzung und Wärmeversorgung
- Folgen des EPBD‑Recast für Bestandskrankenhäuser
- Governance, Umsetzungspfad und Wirtschaftlichkeit
- Anspruch
- Technisches Gebäudemanagement (TGA)
- Instandhaltungsstrategien nach DIN 31051/EN 13306
- Leistungssystematik und Beschaffung (VDMA 24186; SLAs, KPIs; CAFM)
- Predictive Maintenance und Digitalisierung
- Schnittstelle Medizintechnik (MPBetreibV/MDR) und Abgrenzung
- Governance, Reporting und kontinuierliche Verbesserung
- Krankenhausspezifische Hygiene und Wasser
- Filter nach EN 1822 und Lecktests
- RLT-Reinigung, Inspektion und Validierung; REHVA/CIBSE-Best Practices
- Trinkwasserhygiene (DVGW W 551, VDI/DVGW 6023)
- Legionellenprävention: Technik, Betrieb, Nachweis
- Reinigungs- und Desinfektionsqualität (RKI/KRINKO, DGKH)
- Nosokomiale Infektionsrisiken und internationale Leitfäden (ECDC/HCID)
- Integration in FM-Prozesse: Governance, Daten, Nachweisketten
- Anspruch
- Medizinische Gase und kritische Medien
- Planung und Architektur medizinischer Gasversorgungen (DIN EN ISO 7396-1)
- Betrieb, Überwachung und Alarmierung
- Instandhaltung und Testzyklen
- Rein- und kritische Medien
- Schnittstellen zu Funktionsbereichen
- Versorgungssicherheit und Resilienz
- Governance, Verantwortlichkeiten und Nachweisführung
- Resilienz, Notfallvorsorge und KRITIS/BSI
- Regulatorischer Rahmen: NIS2, NIS2-Umsetzungsgesetz, KRITIS-Verordnung, B3S Krankenhaus
- Business Continuity und Incident Response im FM
- Notstrom- und USV-Strategien
- Versorgungsnetz-Resilienz: Abhängigkeiten, SPOF und Redundanzen
- Tests, Übungen und Dokumentation
- Schnittstellen: ISMS/OT-Security, Hygiene, Klinikbetrieb, Einkauf
- Quick-Wins und Prioritäten
- Anspruch
- Regulatorik und FM-relevante Standards
- FM-Managementsysteme und Prozessnormen
- Sicherheits- und TGA-Vorschriften mit FM-Relevanz
- Branchenspezifische Normen und Leitlinien
- Umsetzung im FM: Governance, Integration, Nachweise
- Erfolgskriterien und typische Stolpersteine
- Einordnung: 3–5 Jahre Krankenhaus-FM im Wandel
- Technologie- und Methodentrends
- Auswirkungen auf Prozesse, Rollen und Kompetenzen
- Investitions- und Transformationspfade
- Risiken und Erfolgsfaktoren
- Anspruch
Mehrere gleichzeitige Trendlinien verschärfen die Komplexität:
Digitalisierung und IT/OT-Konvergenz verlangen durchgängige Datenketten von Planung bis Betrieb (BIM/ISO 19650, VDI 2552) sowie CAFM/CMMS-Prozesse nach GEFMA-Standards; parallel steigen Anforderungen an Cybersicherheit in operativen Technologien (IEC 62443) und an KRITIS-konforme Governance (B3S Krankenhaus, NIS2).
Energie- und Klimapolitik erhöhen den Handlungsdruck in Bestandsgebäuden: Dekarbonisierung, Effizienz und Nachweisführung (z. B. Submetering, EnPI/SEC) werden zur Pflicht, während Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen sicherzustellen sind.
Hygienische Anforderungen in Lüftung und Wasser – gestützt auf spezifische Normen und RKI/KRINKO-Empfehlungen – rücken als patientensicherheitsrelevante Daueraufgabe ins Zentrum des FM.
Resilienz und Notfallvorsorge gewinnen angesichts volatiler Netze, Cyberrisiken und Extremszenarien an Bedeutung; Business Continuity und Incident Response werden zur Kernkompetenz.
In der Praxis stehen FM-Organisationen häufig vor heterogenen Beständen, fragmentierten Daten, historisch gewachsenen Schnittstellen zwischen FM, Medizintechnik, IT und Hygiene sowie lückenhafter Dokumentation. Investitionsstaus, begrenzte CAPEX/OPEX-Spielräume und ein ausgeprägter Fachkräftemangel verschärfen die Umsetzungslast. Vor diesem Hintergrund braucht es eine fundierte, normenbasierte Trendanalyse mit klaren Implikationen für Strategie, Organisation und Betrieb.
Für Akutkliniken ist FM unmittelbar versorgungskritisch: Verfügbarkeiten von RLT-Anlagen, Kälte, Dampf, Druckluft, Sauerstoff und USV sind Voraussetzung für OP-Betrieb, Intensivmedizin und Sterilgutaufbereitung. Hygiene- und Sicherheitsdefizite haben unmittelbare Auswirkungen auf Patientenergebnisse und Haftungsrisiken. Gleichzeitig verlangen KRITIS- und Informationssicherheitsregime dokumentierte, auditierbare Prozesse; Energie- und Klimaregulatorik fordert belastbare Effizienznachweise und Transformationspfade. Damit wird FM zum Steuerungsfeld, in dem Patientensicherheit, Compliance, Resilienz und Wirtschaftlichkeit zusammengeführt werden müssen.
Was ist Krankenhaus-Facility-Management?
Krankenhaus-Facility-Management (FM) umfasst die Gesamtheit der strategischen, taktischen und operativen Leistungen, die den sicheren, regelkonformen und wirtschaftlichen Betrieb der medizinischen Infrastruktur ermöglichen. Im Zentrum stehen Verfügbarkeit und Qualität technischer Anlagen und Gebäude, Patientensicherheit, Hygiene, Energie- und Ressourcenmanagement sowie organisatorische Schnittstellen zu klinischen Kernprozessen. Krankenhaus-FM agiert über den gesamten Lebenszyklus von der Planung und Beschaffung über die Inbetriebnahme, den Betrieb, die Instandhaltung und Optimierung bis zur Außerbetriebnahme – mit klarer Dokumentations- und Nachweisführung gegenüber internen und externen Stakeholdern (u. a. Aufsichtsbehörden, Auditoren, Träger).
Zielsystem des Krankenhaus-FM:
Patientensicherheit und Versorgungskontinuität
Compliance mit Gesetzen, Normen und Leitlinien
Resilienz und Risikomanagement (technisch, betrieblich, cyberphysisch)
Energieeffizienz, Dekarbonisierung und Wirtschaftlichkeit (TCO)
Transparenz und Messbarkeit (KPIs, Nachweise, Auditfähigkeit)
Hard FM bezeichnet die technischen, anlage- und gebäudebezogenen Leistungen. Dazu zählen u. a.:
Technische Gebäudeausrüstung (Heizung, Lüftung, Kälte, Sanitär, Elektrotechnik, MSR/GA, Brandmelde- und Sicherheitsanlagen)
Versorgung mit technischen und medizinischen Medien (Dampf, Druckluft, medizinische Gase, Reinst- und Reinwasser)
Bauunterhalt, Prüf- und Instandhaltung nach normativen Vorgaben
Technische Dokumentation, Betreiber- und Nachweispflichten (z. B. Prüfbücher, Wartungsnachweise, Qualifizierungen)
Soft FM umfasst die nutzer- und serviceorientierten, infrastrukturellen Leistungen, darunter:
Reinigung, Desinfektion und Bettenaufbereitung (risikobereichsdifferenziert)
Catering, Logistik und Patiententransport
Sicherheitsdienst, Empfang, Post- und Entsorgungsdienste (inkl. infektiöser Abfälle)
Flächen-, Belegungs- und Umzugsmanagement
In Krankenhäusern sind Hard und Soft FM besonders eng verzahnt
Reinigungs- und Desinfektionsleistungen wirken in OP/ICU direkt auf die Wirksamkeit der RLT- und Hygieneprozesse; Abfall- und Transportlogistik beeinflussen Materialflüsse, Zonen- und Druckkonzepte. Die Steuerung erfolgt idealerweise über integrierte Leistungsbilder, SLAs und KPIs, die technische und hygienische Zielgrößen verbinden.
Zentrale Rollen sind klar zu definieren und in einem RACI-ähnlichen Modell zu hinterlegen:
Träger/Eigentümer: Gesamtverantwortung für die Organisation der Betreiberpflichten und Ressourcenbereitstellung.
Beauftragter Betreiber/Fachbereich FM: Operative Verantwortung für sichere, regelkonforme Betriebsführung, Dokumentation und Beauftragung von Dienstleistern.
Verantwortliche Elektrofachkraft (VEFK) und verantwortliche Personen für TGA-Gewerke: Fach- und Aufsichtsverantwortung gemäß einschlägigen Regelwerken; Festlegung von Prüf- und Instandhaltungsstrategien.
Medizintechnikleitung: Betreiberpflichten für Medizinprodukte und deren Instandhaltung/Prüfung gemäß medizintechnischer Regulierung; Abgrenzung zu TGA/Medienversorgung.
Hygiene: Krankenhaushygieniker/in und Hygienefachpersonal mit Weisungs- und Freigabekompetenzen für hygienerelevante Prozesse (z. B. RLT-Validierung, Trinkwasserprobenahme, Freigabe nach Umbau).
Informationssicherheit/Datenschutz: CISO/ISB und DSB für Anforderungen an OT-/IT-Sicherheit, Logging/Monitoring, Datenhaltung; Schnittstellen zu GA/CAFM/CMMS.
Strahlenschutzbeauftragte, Arbeitssicherheit, Brandschutz: Querschnittsrollen mit Mitzeichnungs-/Freigabepflichten bei baulichen/technischen Änderungen, Betriebs- und Notfallkonzepten.
Einkauf/Vergabe/Controlling: Vertrags- und Leistungssteuerung, SLA-/KPI-Management, Lebenszykluskosten.
Operativ essenziell ist die eindeutige Zuordnung von:
Asset-Verantwortung (Anlage/Komponente, Standort, Kritikalität, Prüfregime)
Prozessverantwortung (z. B. Störungsmanagement, Freigaben nach Instandsetzung)
Nachweisführung (welches Register, welches Protokoll, welche Revision)
Eskalations- und Kommunikationsketten (24/7, kliniknahe Rufbereitschaften)
Akutkliniken und Universitätskliniken unterscheiden sich von anderen Nichtwohngebäuden durch:
24/7-Betrieb mit hoher Kritikalität: OP, ICU/ITS, Notaufnahme, AEMP, Labore, Radiologie/Nuklearmedizin erfordern definierte Verfügbarkeiten, Redundanzen (N+1/N+2) und Notfallkonzepte.
Strenge Hygiene- und Umgebungsanforderungen: Raumklassen und Druckstufenkonzepte in OP/ICU; validierte Filtration und Raumluftführung; Trinkwasser- und Kühlwasserhygiene mit klaren Temperatur- und Stagnationsregimen.
Hohe technische Dichte und Vielfalt: Von RLT-Großanlagen über Notstrom/USV bis zu Medienzentralen (Sauerstoff, Druckluft, Dampf) und GA/Leittechnik; zusätzlich Großgeräte (MRT, CT, Linearbeschleuniger) mit spezifischen Anforderungen an Kälte, Stromqualität und EMV.
Campusstrukturen und gewachsener Bestand: Heterogene Baualtersklassen, sukzessive Um- und Anbauten im laufenden Betrieb, komplexe Versorgungsnetze (Strom, Wärme, Kälte, Dampf) mit potenziellen Single Points of Failure.
Forschung/Lehre und Sonderzonen: Reinraumähnliche Bereiche, Sicherheitslabore, Tierhaltung oder besondere Strahlenschutzbereiche mit zusätzlichen Regelwerken und Schnittstellen.
Erhöhte Evidenz- und Auditpflichten: Dokumentations- und Freigabekultur (z. B. nach Umbauten, Filterwechseln, Hygiene- oder Trinkwasserereignissen); regelmäßige interne/externe Audits.
Wesentliche Abgrenzungen und Kooperationspunkte:
Abgrenzung nach Betreiberrecht und Anlage: Medizinprodukte (z. B. Narkosegeräte, Beatmungsgeräte, Infusionspumpen) liegen in der Verantwortung der Medizintechnik, während die medizinische Infrastruktur (z. B. Gasversorgung bis zur Entnahmestelle, RLT-Anlage, USV/Stromversorgung, Reindampf) typischerweise dem FM zugeordnet ist.
Übergabepunkte: Medienauslässe (Gassteckdosen), Steckdosen/IT-Dosen, Reinmedien-Schnittstellen; klare Festlegung von Prüf-, Kalibrier- und Instandhaltungsgrenzen.
Gemeinsame Validierung: Raum- und Prozessvalidierungen (z. B. OP-RLT, AEMP-Prozessketten) benötigen abgestimmte Rollen, Messkonzepte und Freigaben von FM, Medizintechnik und Hygiene.
Klinikbetrieb und OP-/Stationsorganisation
Betriebskalender und technische Verfügbarkeit müssen synchronisiert werden; geplante Wartungen und Tests sind in OP- und Stationspläne einzutakten, inkl. Ersatzflächen/Bypass-Betrieb.
Störungsmanagement/Eskalation: 24/7-Meldewege, klare Priorisierung nach Kritikalität (Patientengefährdung, Betriebsunterbrechung), definierte Interventionszeiten und Kommunikationsstandards.
Hygieneprozesse: Schnittstellen zwischen Soft FM (Reinigung/Desinfektion) und technischen Hygienemaßnahmen (z. B. Filterwechsel, RLT-Reinigung, thermische Desinfektionen im Trinkwasser) mit gemeinsamen QS-/Auditplänen.
IT/OT und Informationssicherheit
GA/Leittechnik, Feldbusse, Remote-Zugriffe und medizinnahe OT-Systeme erfordern abgestimmte Netz- und Rechtekonzepte zwischen FM, IT und Informationssicherheit; Logging/Monitoring und Change-Management sind gemeinsam zu führen.
Daten- und Asset-Management: Einheitliches Asset-Register (CAFM/CMMS) und definierte Stammdatenobjekte für TGA/Medien/Flächen bilden die Grundlage für KPIs, Nachweise und prädiktive Strategien.
Professionelles Krankenhaus-FM stützt sich auf ein integriertes Managementsystem mit klaren Prozessen, Standards und Datenobjekten:
Managementsystem und Leitprinzipien: Orientierung an FM-Managementsystemen (z. B. ISO 41001/DIN EN 15221) für Strategie, Rollen, Prozesslandkarte und kontinuierliche Verbesserung.
Prozesskern: Instandhaltung (zeit-, zustands-, risikobasiert), Störungs- und Änderungsmanagement, Energiemanagement, Hygiene- und Wasserprogramme, Notfall- und Resilienztests, Dokumentation/Audit.
Datenfundament: Konsistentes Asset- und Flächenregister, Klassifizierung nach Kritikalität, hinterlegte Prüf- und Wartungspläne, digitale Nachweise; Integration von GA/IoT-Daten in CAFM/CMMS zur Messbarmachung von Verfügbarkeit, Effizienz und Compliance.
Leistungs- und Vertragssteuerung: Leistungsbilder und SLAs mit technischen und hygienischen KPIs, Bonus-/Malus-Mechanismen, TCO-Betrachtung und klare Schnittstellenregelungen.
Zusammen bilden diese Begriffe und Grundlagen das Bezugsgerüst der weiteren Kapitel
Sie ermöglichen, Trends im Krankenhaus-FM einzuordnen, Anforderungen aus Regulatorik und Normen praxisnah zu übersetzen und daraus wirksame, auditfeste Betriebs- und Entwicklungsstrategien abzuleiten.Digitalisierung und Smart Hospital
Kern ist ein interoperables Ökosystem aus BIM, Gebäudeautomation/OT, CAFM/CMMS und Analytik, das:
die Betreiberpflichten prüf- und auditfest unterstützt,
Verfügbarkeiten kritischer Anlagen erhöht (Risikoreduktion, MTTR-Senkung),
Energie- und Hygienekenngrößen transparent macht,
Cyber- und Betriebssicherheit in der OT herstellt,
Lebenszykluskosten durch gezielte Instandhaltungs- und Modernisierungsentscheidungen senkt.
BIM nach ISO 19650/VDI 2552 im Klinikbetrieb
BIM ist im FM-Kontext weniger 3D-Visualisierung als strukturiertes Informationsmanagement über den Lebenszyklus. ISO 19650 und VDI 2552 definieren dafür Rollen, Prozesse und Datenräume.
Informationsanforderungen und CDE
OIR/AIR/AIA/EIR: Die organisatorischen (OIR) und assetbezogenen Informationsanforderungen (AIR) des Betreibers werden als Auftraggeber- bzw. Exchange-Informationsanforderungen (AIA/EIR) in den Projektvertrag überführt. Darin festgelegt: benötigte Attribute, Formate, Prüfregeln, Meilensteine, Verantwortlichkeiten.
Common Data Environment (CDE): Ein zentraler, versionierter Datenraum mit Freigabestufen (Work in Progress/Shared/Published/Archived) sorgt für Nachvollziehbarkeit und Kollisionsfreiheit. Für den Betreiber relevant: Abnahmefähige, qualitätsgesicherte Informationslieferungen zum Übergang in den Betrieb.
BIM ist im FM-Kontext weniger 3D-Visualisierung als strukturiertes Informationsmanagement über den Lebenszyklus. ISO 19650 und VDI 2552 definieren dafür Rollen, Prozesse und Datenräume.
Während der Planung/Ausführung entsteht das Project Information Model (PIM). Zur Übergabe wird ein Asset Information Model (AIM) erzeugt, das nur die für Betrieb, Instandhaltung, Energie, Hygiene und Compliance relevanten Informationen enthält.
Das AIM ist strukturiert entlang einer Betreiberklassifikation: Standort > Gebäude > Ebene > Raum > Anlage > Komponente > Mess-/Wartungspunkt. Es enthält u. a. Hersteller-/Seriendaten, Gewährleistungsfristen, Ersatzteile, Prüfzyklen, normative Referenzen, Kritikalität, Energiekennwerte.
Datenformate und Klassifikationen
IFC und COBie: IFC (bevorzugt IFC4) dient der geometrisch-semantischen Übergabe, COBie der tabellarischen Übergabe betriebsrelevanter Daten (Räume, Anlagen, Komponenten, Wartungspläne, Ersatzteile, Dokumente). Beide sollten vertraglich als verbindliche Lieferobjekte festgelegt werden.
Klassifikation: Einheitliche Codes (z. B. DIN 276/DIN 277 für Kosten/Flächen, eCl@ss/ETIM/Uniclass für TGA-Komponenten) erleichtern Ausschreibung, Betrieb und Analytik. Für RLT, Kälte, Dampf, medizinische Gase sind bereichsspezifische Attributsets zu definieren (z. B. Volumenstrom, Reinheitsklasse, Redundanzstufe).
Qualitäts- und Abnahmeprozesse
Prüfregeln und Informationsabnahmen (Model Checking) werden früh definiert: Vollständigkeit, Konsistenz, Dublettenfreiheit, Attributhomogenität, referenzierte Dokumente (Betriebsanleitungen, Prüfpläne).
Tagging und Verortung: Eindeutige Asset-IDs (machine-readable, z. B. QR/RFID), konsistent im Modell, am physischen Objekt und im CAFM/CMMS. Mapping-Tabellen und Schnittstellen (IFC/COBie -> CAFM) sind Teil des Übergabeprozesses.
Plain Language Questions (PLQ): Betreiberrelevante Fragen (z. B. „Welche OP-Räume sind an RLT-Anlage X?“, „Welcher Filtertyp ist verbaut und wann fällig?“) lenken die Informationsanforderungen und Prüfungen.
CAFM/CMMS-Integration gemäß GEFMA 444/460ff
CAFM/CMMS-Systeme sind das Rückgrat des digitalen Betriebs. GEFMA 444 beschreibt Qualitätskriterien und Funktionsbereiche von CAFM-Systemen, die GEFMA-460ff-Reihe konkretisiert Prozesse und Leistungsmodelle.
Prozess- und Leistungsmodelle
Kernprozesse: Instandhaltung (zeit-/zustands-/risikobasiert), Störungs- und Eskalationsmanagement, Prüf- und Rechtskataster (BetrSichV/TRBS), Flächen- und Belegungsmanagement (DIN 277), Energiemanagement (VDI 3807), Vertrags- und Gewährleistungsmanagement, Dokumentenmanagement, Reinigungs- und Hygienemanagement, Arbeitssicherheit und Fremdfirmensteuerung.
SLA/KPI-Logik: Prioritäts- und Kritikalitätsklassen, Reaktions-/Behebungszeiten, Verfügbarkeitsziele, MTBF/MTTR, Hygiene- und Energie-KPIs; Bonus-/Malus-Mechanismen; revisionssichere Messung und Reporting.
Stammdatenqualität und Datenmodell
Master Data Management (MDM): Eindeutige IDs, stabile Hierarchien, standardisierte Attributkataloge, Versionsführung. Qualitätsdimensionen: Vollständigkeit, Korrektheit, Aktualität, Konsistenz, Eindeutigkeit; DQ-Metriken und Stewardship-Rollen.
TGA-Datenmodell: Anlagen- und Komponentenstrukturen mit Wartungsobjekten, Messpunkten, Ersatzteilen; Zuordnung zu Räumen/Versorgungszonen; Kritikalitäts- und Redundanzkennzeichnung (N, N+1, N+2).
Medizintechnik-Schnittstelle: Verknüpfung mit dem Geräte- und Prüfwesen der Medizintechnik. Mapping der UDI (Unique Device Identification) nach MDR auf Raum/Medien-/Versorgungspunkte; klare Abgrenzung der Betreiberpflichten (Medizinprodukt vs. Infrastruktur). Gemeinsame Ticket- und Änderungsprozesse für grenzüberschreitende Störungen.
Integration und Interoperabilität
Schnittstellen: Import von BIM/AIM (IFC/COBie), Austausch mit GA/GLT/SCADA (BACnet, OPC UA), Energiemanagement (Zähler, Submetering via M-Bus/Modbus/MQTT), ITSM (Tickets/CMDB), DMS (Pläne/Protokolle).
Ereignisgetriebene Instandhaltung: Alarme und Trends aus der GA erzeugen Tickets mit Kontext (Anlage, Messpunkt, Grenzwertverletzung, Vorschlag für FDD/FMEA-Maßnahme).
Mobile Prozesse: Offline-fähige Apps für Wartung/Prüfung, Scan der Asset-ID, Checklisten, Fotodokumentation, digitale Freigaben.
Governance und Betrieb
Rollen: Prozessverantwortliche/r CAFM, Datenstewards je Gewerke, Systemverantwortliche/r Integrationen, Key User, BI/Reporting.
Änderungsmanagement: Aufnahme neuer Assets, De-/Reklassifizierung, Versionswechsel in Plänen; 4-Augen-Prinzip, Audit-Trail.
Kennzahlenkultur: Standardisierte Dashboards für Verfügbarkeit, Compliance, Energie, Hygiene; monatliche Review-Boards mit FM, Medizintechnik, IT, Hygiene.
IoT/OT und Cybersicherheit
Gebäudeautomation und technische Netze sind heute cyber-physische Systeme. Schutzkonzepte müssen an den Besonderheiten der OT ausgerichtet sein.
IEC 62443 als Referenzrahmen
Zonen-/Conduits-Konzept: Gruppierung von OT-Komponenten zu Sicherheitszonen (z. B. RLT/OP-Zone, Energie-/USV-Zone, Gasversorgung) mit definierten Security Levels; Conduits als kontrollierte Kommunikationspfade.
Risiko- und SL-Definition: Schutzbedarfsanalyse (Sicherheitsziele Verfügbarkeit/Integrität/Vertraulichkeit), Festlegung von Security Level Targets (SL-T) pro Zone; Ableitung technischer/organisatorischer Maßnahmen (z. B. Authentisierung, Netzwerksegmente, Whitelisting).
Technische Anforderungen: Entsprechend IEC 62443-3-3/4-2 (u. a. SR1–SR7: Identifikation/Authentisierung, Use Control, Systemintegrität, Datenvertraulichkeit, Restriktion von Datenflüssen, zeitliche Synchronisation, Ereigniserkennung/Antwort).
Architektur und Betrieb
Netzsegmentierung: Trennung IT/OT, Subnetze pro Gewerk, DMZ für Fernzugriff, Jump-Hosts, MFA; bevorzugt BACnet/SC oder tunnelfähige, TLS-gesicherte Protokolle; Firewall-/Filterregeln strikt nach Minimalprinzip.
OT-Asset-Inventory: Vollständige, kontinuierlich aktualisierte Inventarisierung (Hersteller, Modell, Firmware, IP, Protokolle, Standort, Kritikalität). Passive Discovery/NetFlow/Span-Port-Analysen bevorzugt; aktive Scans nur kontrolliert.
Patch- und Vulnerability-Management: Risiko- und ausfallarme Patchfenster, Test in Referenzumgebungen, Backout-Pläne; wenn nicht patchbar: Kompensationsmaßnahmen (Netzwerkisolation, Application Whitelisting, Härtung, physischer Zugriffsschutz). Vulnerability-Scans zyklisch und zonenverträglich.
Fernzugriff und Lieferanten: Zeitlich begrenzte, überwachte Sessions über Jump-Server, Protokollierung, Aufzeichnung; Lieferantenaccounts streng reglementieren; NDA/Sicherheitsauflagen vertraglich festlegen.
Backup/Restore und Konfigurationsmanagement: Gesicherte, offline/immutable Backups von Steuerungsständen, Parametrierungen und Visualisierungen; regelmäßige Restore-Tests; Konfigurationsbaselines und Change-Logs.
Zeit- und Ereignissynchronisation: NTP-gesicherte Zeitquellen, korrelierbare Logs für Forensik und Incident-Response.
Monitoring und FDD: Netz- und Protokollmonitoring (BACnet, Modbus), Anomalieerkennung (z. B. ungewöhnliche Broadcasts, Who-Is/ I-Am-Fluten), korreliert mit Anlagenzustand (FDD) für frühzeitige Erkennung technischer und sicherheitsrelevanter Abweichungen.
Verknüpfung mit ISO/IEC 27001
Governance: Einbindung der OT in das unternehmensweite ISMS (Scope-Erweiterung, Risikobehandlung, Kontrollen, Lieferantenmanagement).
Policies/Prozesse: Asset-Management, Access-Control, Kryptographie, Betriebssicherheit, Logging, IR/BCP, Compliance; OT-spezifische Ausprägungen dokumentieren.
Awareness und Übungen: OT-spezifische Schulungen, Tabletop- und Live-Übungen (z. B. Ausfall GA, Ransomware in BMS), Lessons Learned in Maßnahmenkatalog überführen.
VIII B3S Gesundheitsversorgung: Relevanz für FM/OT
Der vom BSI anerkannte Branchenstandard (B3S) für die Gesundheitsversorgung konkretisiert KRITIS-Anforderungen und ist für viele Kliniken maßgeblich – mit direkter Relevanz für FM/OT.
Geltungsbereich und Schnittstellen
B3S adressiert organisatorische und technische Maßnahmen für kritische Prozesse. FM/OT ist betroffen, weil Ausfälle von Energie, RLT, Kälte, medizinischen Gasen, Notstrom/USV unmittelbar versorgungsrelevant sind.
Abhängigkeiten zu gematik/TI: Klinische Informationssysteme und TI-Dienste (KIM, ePA) sind IT-seitig verortet; FM/OT muss Koexistenz sicherstellen (gemeinsame Netzinfrastruktur, Energie/USV, Raum-/Klima-Anforderungen für IT-Zentralen, Zutritt/Überwachung).
Pflichten und Nachweise
Stand der Technik: Umsetzung geeigneter organisatorischer/technischer Schutzmaßnahmen, die regelmäßig evaluiert werden.
Systeme zur Angriffserkennung: Nach IT-SiG 2.0 verpflichtend für KRITIS-Betreiber; OT ist einzubeziehen (OT-fähige IDS/Monitoring).
Anzeigepflichten: Erhebliche IT-Störungen und Sicherheitsvorfälle sind an das BSI zu melden; klare Kriterien, Meldewege, 24/7-Erreichbarkeit und Evidenzsicherung (Logs, Konfigs, Forensik) sind vorzuhalten.
Audits/Wirksamkeitsprüfungen: Periodische Prüfungen gegen B3S; OT-relevante Kontrollen (Zone/Conduit, Asset-Inventory, Patch-/Vuln-Management, Backup/Restore, Fernzugriffe).
Logging, Monitoring und OT-SOC
Log-Quellen: GA/GLT, SPS/Controller, Engineering-Stationen, Firewalls, Remote-Access-Gateways, Server/VMs, Zeitsynchronisation.
Zentrale Auswertung: SIEM mit OT-Protokollunterstützung; Use-Cases für Betriebs- und Sicherheitsereignisse (z. B. Parameteränderung RLT-OP, unautorisierter WriteProperty, Ausfall Redundanzaggregat, Netzwerkscan in OT).
OT-SOC-Betriebsmodell: 24/7-Überwachung abgestuft (intern, hybrid, MSSP), klare Rollen (FM/OT-Analysten, IT-Sec, Medizintechnik), Playbooks/Runbooks für häufige Szenarien, Kopplung an Incident- und Change-Management.
Interoperabilität und Daten-Governance
Interoperabilität ist Voraussetzung, um Silos zu vermeiden und Mehrfachpflege zu reduzieren. Daten-Governance stellt sicher, dass Daten nutzbar, vertrauenswürdig und konform sind.
Integrationsstandards und -muster
Planen/Bauen: IFC (Geometrie/Semantik), COBie (Betriebsdaten), BCF für Issue-Management.
Betreiben: BACnet (bevorzugt BACnet/SC), OPC UA für gewerkeübergreifende Kopplung und semantische Modellierung, Modbus/M-Bus für Zähler, MQTT/Sparkplug B für IoT-Publish/Subscribe, REST/GraphQL für Anwendungsintegration.
Datenplattform: Ereignis- und API-gesteuerte Architektur (Event Bus), ETL/ELT in ein Data Warehouse/Lakehouse für Analytik (Energie, FDD, Predictive Maintenance).
Master- und Metadatenmanagement
Datenhoheit: Benennung von Data Ownern (z. B. Leiter FM für TGA-Assets, IT für Netzwerk-Assets, Medizintechnik für Geräte), Data Stewards je Gewerk.
Metadaten/Kataloge: Einheitliche Begriffs- und Attributkataloge, Datenherkunft (Lineage), Qualitätsregeln und Abnahmekriterien je Schnittstelle.
Lebenszyklus/Versionierung: Änderungsprozesse für Stammdaten (Neubau, Umbau, Rückbau), archivierte Stände, Gültigkeitszeiträume; automatisierte Abgleiche (Delta-Checks) zwischen AIM, CAFM und GA.
Datenqualität und -schutz
Qualitätssicherung: Automatisierte Validierungen (Pflichtfelder, Wertebereiche, Referenzintegrität), Stichtagsprüfungen, Stichproben-Audits vor/bei Übergaben.
Personendaten: DSGVO-konforme Gestaltung von Zutritts-, Video- und Logdaten; Datenminimierung, Rollen-/Berechtigungsmodelle, Löschkonzepte; Pseudonymisierung, wo analytisch nötig.
Aufbewahrung: Regulatorisch begründete Fristen für Prüf-/Wartungsnachweise, Logdaten (B3S/BSIG), Bau-/Planunterlagen; sichere, manipulationsgeschützte Ablage.
Beschaffungs- und Vertragsgestaltung
Digitale Lieferobjekte: AIA/EIR, Daten-/Schnittstellen-Spezifikationen, Mapping-Tabellen, Test-/Abnahmekriterien, Schulungs- und Betriebsdokumente vertraglich fixieren.
Open-by-Default: Bevorzugung offener Protokolle/Standards, Exportfunktionen ohne Vendor Lock-in; Vertragsklauseln für Datenzugang, Lizenzrechte und Supportlaufzeiten.
Service-Levels für Daten: SLAs zu Datenqualität, Aktualität, Verfügbarkeit von Schnittstellen/APIs und Reaktionszeiten bei Störungen im Datenaustausch.
Phase 1: Grundlagen schaffen
Governance aufsetzen: Digitalisierungsleitbild, Rollen (Data Owner/Stewards), ISMS-Scope-Erweiterung auf OT, Regelwerksmonitoring.
Inventarisieren: OT-Asset-Inventory, CAFM-Stammdatenbereinigung, Flächen-/Anlagenhierarchien harmonisieren.
AIA/EIR definieren: Betreiberseitige Informationsanforderungen erarbeiten; Attributkataloge und Klassifikationen festlegen.
Phase 2: Integration und Sicherheit
BIM->CAFM-Brücke: Pilotprojekt für IFC/COBie-Import ins CAFM/CMMS, Tagging-Konzept ausrollen.
OT-Security: Zonen-/Conduits-Design, Netzsegmentierung, Fernzugriffsplattform, Logging/SIEM-Anbindung; Patch-/Vuln-Prozess starten.
Energiemonitoring: Submetering-Architektur (M-Bus/Modbus/MQTT), EnPI/SEC-Dashboards, FDD-Basisregeln für RLT/Kälte.
Phase 3: Analytics und Automatisierung
Predictive Maintenance: Use-Cases mit qualifizierter Sensorik, Datenclearing, Algorithmenvalidierung; KPI-Bindung an MTBF/MTTR/Verfügbarkeit.
OT-SOC: Betriebsmodell definieren, Use-Cases priorisieren, Playbooks testen, B3S-konforme Evidenzketten etablieren.
Lebenszyklusintegration: Änderungs-/Abnahmeprozesse (MOC) digitalisieren; Rückführung von As-Built/As-Maintained in AIM/CAFM.
Quick-Wins
Standardisierte Alarmevents aus GA automatisch in Tickets überführen.
Kritikalitätsklassifikation und Wartungspläne harmonisieren, Dubletten bereinigen.
Fernzugriff auf OT über Jump-Server mit Aufzeichnung und MFA; Abschaltung unsicherer Protokolle.
Einführung von QR-Asset-Tags für schnelle Vor-Ort-Identifikation und mobile Checklisten.
Anspruch
Digitalisierung im Krankenhaus-FM ist kein Einzelprojekt, sondern ein Programm, das BIM-Informationsmanagement, CAFM/CMMS-Prozesse, OT-Security nach IEC 62443 und B3S-konforme Überwachung in einem interoperablen Daten- und Governance-Rahmen verbindet. Wer Informationsanforderungen früh festschreibt (AIA/EIR), Stammdaten professionell führt, offene Standards nutzt und die OT in das ISMS integriert, schafft die Basis für sichere, effiziente und auditfähige Smart-Hospital-Betriebsmodelle – und macht die technische Infrastruktur resilient gegenüber regulatorischen, ökonomischen und cyberphysischen Herausforderungen.
Ausgangslage und Zielkonflikte im Klinikbetrieb
Krankenhäuser zählen zu den energieintensivsten Nichtwohngebäuden. Rund-um-die-Uhr-Betrieb, hohe Luftmengen in hygienekritischen Bereichen, Medienversorgung (Dampf, Kälte, Druckluft, medizinische Gase) sowie IT- und Diagnostiklasten führen zu hohen Grundlasten. Der Dekarbonisierungsdruck steigt: rechtliche Vorgaben, steigende Energiekosten, Versorgungssicherheitsfragen und Corporate-Climate-Ziele treffen auf den Zwang, Hygiene und Resilienz nicht zu gefährden. Energie- und Regelungsoptimierung muss deshalb immer regelwerkskonform und risikobasiert erfolgen: Hygiene und Patientensicherheit sind harte Nebenbedingungen, Energieeffizienz wird innerhalb dieser Grenzen maximiert.
Betriebs- und Regelungsoptimierung (DIN EN 15232-1/EN 15220-1)
Gebäudeautomation (GA) ist der größte kurzfristige Hebel. DIN EN 15232-1 ordnet Funktionen Klassen zu (A–D) und zeigt deren Einfluss auf die Gebäudeenergieperformance. Ziel ist der systematische Ausbau hin zu „A“-Funktionalitäten, ohne klinische Anforderungen zu kompromittieren.
Adaptive Regelstrategien
Bedarfsgerechte Lüftung (DCV) mit CO2-/VOC-/Partikel- und Belegungsfühlern dort, wo hygienisch zulässig (Verwaltung, Funktionsdiagnostik, Normalstationen). In OP/ICU gelten DIN 1946-4 und hausinterne Hygienevorgaben: Reduzierter Nachtbetrieb ist möglich, wenn Raumklassen, Druckstufen und Freigabeverfahren eingehalten sind (z. B. Absenkbetrieb außerhalb der OP-Betriebszeiten mit definierter Hochfahrlogik).
Gleitende Sollwerte: Außentemperaturgeführte Vorlauftemperaturen, dynamische Taupunktregelung der Entfeuchtung, bedarfsabhängige Kaltwassertemperatur (so weit kondensations-/hygienetechnisch zulässig), Druckregelung nach Führungsraum/-zone statt statischer Stufen.
Variable Volumenströme und Drehzahlregelung: VSD an Ventilatoren/Pumpen (Affinity Laws) liefern überproportionale Einsparungen; Differenzdruckregelung nahe Verbraucher-„kritischem Strang“ reduziert Reserveverluste.
Nacht-/Bedarfsbetrieb
Absenkbetriebe mit klaren Rückkehrzeiten und Vorlaufstrategien: definierte Vorheiz-/Vorkühlphasen, um OP-/ICU-Bereiche vor Nutzung in Spezifikation zu bringen; Vermeidung von „durchlüften in Lastspitzen“.
Selektives Abschalten per Kalender/Belegung: Zonenweise Abschaltung von RLT- und Raumregelkreisen in nicht belegten Bereichen; automatische Reaktivierung bei Zutritt/Anforderung.
Warmhalte-/Frostschutzstrategien mit minimaler Energie: Nutzung baulicher Speichermassen, intelligente Fensterkontaktlogik; Verriegelungen gegen Energieverschwendung (gleichzeitiges Heizen/Kühlen).
Regelgüte und FDD
Systematische BMS-Funktionsprüfung: Totzonen, Windup, falsche Fühlerkalibrierung, falsch montierte Fühler (z. B. Rücklauf statt Mischtemperatur) sind typische Effizienzbremsen.
Fault Detection and Diagnostics (FDD): Regeln für erkennbare Fehlermodi (parallel Heizen/Kühlen, ständig offene Bypässe, fehlende Nachtabsenkung, deaktivierte WRG, zu hohe Außenluftanteile) und automatische Ticket-Erzeugung im CAFM/CMMS.
Wärmerückgewinnung (WRG)
Höhere WRG-Grade senken Heiz-/Kühllasten. In hygienekritischen Bereichen bevorzugt Systeme ohne Stoffübertragung (Kreislaufverbundsystem, Plattenwärmetauscher), um Keim-/Geruchsübertragungen zu vermeiden; bei Rotationswärmetauschern strenge Leckage-/Bypass-Kriterien.
Hydraulik und Erzeuger
Hydraulischer Abgleich, drehzahlgeregelte Primär-/Sekundärpumpen, ΔT-Optimierung an Kälte-/Heizkreisen; Kondensationstemperatur- und Verdampfungstemperatur-„Reset“ bei Kälteanlagen nach Außentemperatur/Teillast.
Kaskadensteuerung von Erzeugern (Kessel, Wärmepumpen, Kälte) nach Wirkungsgradoptimum; Sperrzeiten für ineffiziente „Mindererzeuger“ in Teillast.
Monitoring und Benchmarking (VDI 3807; Submetering, EnPI/SEC)
Ohne Messung keine Steuerung. VDI 3807 liefert Systematik und Vergleichskennwerte für Energiecontrolling in Gebäuden.
Submetering-Architektur
Messkonzept nach Verbrauchergruppen: Strom (RLT, Kälte, IT, Medizintechnik, Beleuchtung), Wärme (Heizung, Dampf, WRG-Nachheizung), Kälte (Kältemaschinen, freie Kühlung), Dampf (AEMP, Küche), Druckluft, medizinische Gase (sofern energetisch relevant), Wasser (Trink-/Prozesswasser).
Hierarchische Zählerstruktur: Hauptzähler – Unterzähler – Endnutzungszähler; eindeutige IDs, Kalibrier-/Eichmanagement, Datenqualität (Plausibilitätsprüfungen, Zeitstempel, Ausfall-Handling).
Kommunikationsstandards: M‑Bus/Modbus für Zähler, BACnet/OPC UA für GA-Daten, MQTT für IoT-Nachrüstsensorik; Daten im CAFM/EMS aggregieren.
EnPI/SEC und Normalisierung
Energy Performance Indicators (EnPI) pro Endnutzung und Gebäude: kWh/m² NGF, kWh/Belegungstag, kWh/OP‑Stunde, kWh/Scan (MRT/CT), kWh/Bett; Auswahl EnPI abhängig vom Prozess.
Normalisierung: Heizgradtage (HGT) und Kühlgradtage (KGT), Belegungs- und OP-Programm, Geräteauslastung (z. B. MRT‑Betriebsstunden), Sonderbetrieb (Pandemie, Bauzustände). Ziel: vergleichbare Perioden und aussagefähige Trendanalysen.
Baseline und CUSUM: Statistisch robuste Baselines (mindestens 12–24 Monate), Cumulative Sum zur Visualisierung von Einspar- oder Mehrverbräuchen gegenüber erwarteten Werten.
Benchmarking und Zielwerte
VDI‑3807‑Vergleichswerte dienen als Orientierung, ersetzen aber nicht die objektspezifische Zielableitung. Heterogene Klinik-Campi erfordern Cluster-Benchmarks (Funktionsgebäude vs. Verwaltung, Neubau vs. Altbau).
KPI‑Systematik: Zielwerte je Endnutzung und EnPI, Ampellogik, Abweichungsmanagement im Monatsreview; Verknüpfung mit Maßnahmenlisten, Verantwortlichkeiten und Fristen.
Mess- und Verifizierungsprozesse
M&V bei Maßnahmen: Vorher-/Nachher-Messfenster, Witterungs- und Programmanpassung; dauerhafte Post‑Metering‑Kontrolle für Rebound‑Erkennung.
Daten-Governance: Datenqualität (Vollständigkeit, Plausibilität), Versionierung, manipulationssichere Speicherung; klare Rollen (Energy Manager, Data Steward).
Kühlwasserhygiene (VDI 2047-2): Hygienerisiken vs. Energieeffizienz
Verdunstungskühlanlagen und Rückkühlwerke sind sowohl Energie- als auch Hygienetreiber. VDI 2047‑2 gibt Vorgaben zur hygienegerechten Planung, Errichtung, Inbetriebnahme, Überwachung und Instandhaltung.
Hygienerisiken und Pflichten
Legionellen- und Biofilmbildung in warmen, nährstoffreichen Wasserkreisläufen; Risiken für Patienten, Mitarbeitende und Umfeld.
Betreiberpflichten: Anlagenregistrierung (regional je nach Vorgabe), Gefährdungsbeurteilung, Betriebsbuch, regelmäßige Inspektionen/Probenahmen, Maßnahmenpläne bei Grenzwertüberschreitung, Schulungsnachweise des Personals.
Energie-Hygiene-Zielkonflikte
Niedrige Rücklauftemperaturen erhöhen Effizienz der Kältebereitstellung, können aber mikrobiell günstige Temperaturfenster fördern; umgekehrt kann zu hohe Desinfektionsmitteldosierung Korrosion und Wirkungsgradverluste bedingen.
Driftabscheider mit hohem Abscheidegrad senken Emissionen, erhöhen aber den Druckverlust; die Auslegung muss Gesamtsystemwirkungsgrad und Hygiene simultan berücksichtigen.
Betriebsweise: Kontinuierliche Umwälzung, Dead-Leg-Vermeidung, definierte Stillstands- und Wiederanfahrprozeduren (z. B. thermische/chemische Desinfektion) verhindern Hygieneereignisse und ineffiziente Warmstarts.
Technische und betriebliche Maßnahmen
Side‑Stream‑Filtration, automatische Absalzung/Leitfähigkeitsregelung, Online‑Überwachung (Leitfähigkeit, pH, Temperatur, Bioindikatoren), geeignete Werkstoffe.
Regelmäßige Reinigung/Inspektion von Füllkörpern, Becken, Sprühverteilern; Dokumentation im CAFM/CMMS mit Grenzwertmanagement und Eskalationslogik.
Integration ins Energiemanagement: Kopplung von Hygienedaten mit Energie-KPIs, um Nebenwirkungen sichtbar zu machen; Optimierung von Absalzraten und Frischwasser-/Energieeinsatz.
Abwärmenutzung und Wärmeversorgung
Krankenhausareale bieten vielfältige Quellen niedrig- bis mitteltemperierter Abwärme. Ihre Nutzung ist Schlüssel zur Dekarbonisierung und zur Senkung von Netzlasten.
Abwärmequellen und -senken
Bildgebung und IT: MRT/CT, Angiographie sowie Serverräume liefern konstante Abwärmeprofile; zentrale Kälteanlagen geben Kondensationswärme ab.
RLT‑Anlagen: Hohe Luftvolumenströme ermöglichen signifikante Wärmerückgewinnung; in hygienekritischen Zonen mit Kreuzkontaminationsschutz.
Prozesswärme: AEMP, Küche, Wäscherei; zeitlich und temperaturseitig heterogen.
Wärmepumpen und Temperaturniveaus
Niedertemperatur‑Netze (NT): 4./5.‑Generation‑Netze mit Vorlauftemperaturen im Bereich 10–40 °C erschließen Abwärme ganzjährig; Wärmepumpen heben auf Nutzungsniveau (Warmwasser/Heizung).
Hochtemperatur‑Bedarf (HT): Spitzenlasten, AEMP und Altbausysteme erfordern höhere Temperaturen; HT‑Wärmepumpen oder Hybridlösungen (z. B. Wärmepumpe + Spitzenlastkessel) sichern Versorgung.
Systemtrennung: Hygienische und betriebliche Anforderungen (z. B. Trinkwasserhygiene) machen Plattenwärmetauscher und getrennte Kreisläufe notwendig.
WRG und Lüftung
In Nicht‑OP‑Bereichen sind Rotationswärmetauscher energetisch vorteilhaft; in kritischen Bereichen Kreislaufverbundsysteme/Plattenwärmetauscher zur Vermeidung von Stoffübertragung. Bypass-Strategien zur Sommerentlastung und Frostschutzmanagement sind auszutarieren.
Wärmerückgewinnung aus Fortluft kann in NT‑Netze eingespeist und zeitlich/örtlich entkoppelt (Pufferspeicher) werden.
Kälte/Wärme‑Kopplung
Abwärme der Kälteanlagen als Wärmequelle für Wärmepumpen („Kälte‑Wärme‑Kopplung“); Kondensationsniveau und Lastgänge sind abzustimmen, ggf. saisonale Speicher ergänzen.
Freie Kühlung (Dry Cooler, Grundwasser/Boden, wo zulässig) reduziert Kompressionsanteile und hebt Jahresarbeitszahlen; Regelung priorisiert freie Kühlung.
Fern-/Nahwärme und Netzintegration
Fernwärme kann Brückenlösung und Redundanz sein; CO2‑Faktor der Netze ist lokal zu prüfen. Einspeisung von Niedertemperatur‑Abwärme in Nahwärmenetze (Campus) steigert Gesamtnutzungsgrad.
Spitzenlast-/Notfallkonzepte: N+1‑Redundanz, Blackout‑Fähigkeit, Brennstofflogistik; Wärmepumpen sind in Notstromstrategie zu berücksichtigen (Anlaufströme, Lastmanagement).
Speicher und Lastmanagement
Thermische Speicher (Heiz-/Kältespeicher, Phasenwechsel) entkoppeln Erzeugung und Bedarf; Lastverschiebung senkt Spitzen und Netzbezugskosten.
Demand‑Response‑Fähigkeit: Teilnahme an netzdienlichen Programmen, soweit Versorgungssicherheit/hygienische Stabilität nicht berührt werden; klare Grenzen definieren.
Der Recast der EU‑Gebäuderichtlinie (EPBD) verschärft die Anforderungen an Nichtwohngebäude. Für Kliniken sind insbesondere folgende Punkte relevant:
Gebäudepässe und Datentransparenz
Einführung/Weiterentwicklung von Gebäude- und Renovierungspässen: strukturierte, lebenszyklusbezogene Datensammlung (Hüllzustand, TGA, Energiekennwerte, Sanierungspfad) als Grundlage für Investitionsplanung und Nachweisführung.
Digitale Dokumentation: Schnittstellen zu CAFM/EMS; Aktualitätspflicht bei Umbauten/Anlagentausch.
Mindeststandards für die schlechtesten Gebäude
Mindestenergie‑Performance‑Standards (MEPS) für Nichtwohngebäude mit Fokus auf die energetisch schwächsten Segmente; nationale Umsetzung definiert Fristen und Grenzwerte. Kliniken müssen Transformationspfade entwickeln, die bauliche/tga‑seitige Maßnahmen und Betriebsoptimierung kombinieren.
Priorisierung: „No‑Regret“-Maßnahmen (GA‑Optimierung, WRG‑Nachrüstung, Hydraulik, Dämmung technischer Anlagen), dann Systemwechsel (Wärmepumpe/NT‑Netze), flankiert durch Hüllmaßnahmen, wo machbar.
Automations- und Regelungsanforderungen
Ausbau von Gebäudeautomation/BACS in Nichtwohngebäuden mit signifikanten Anlagengrößen; Pflicht zur Nachrüstung bestimmter Automationsfunktionen und Monitoring. Für Bestandskliniken bedeutet dies: evaluieren, welche GA‑Funktionen verpflichtend sind, und Migrationspfade (inkl. Cybersecurity) planen.
Erneuerbare und Dekarbonisierung
Zunehmende Anforderungen an den Einsatz erneuerbarer Energien, Absenkung der Emissionsintensität, Vorbereitung auf „Zero‑Emission Buildings“ im Neubau und ambitionierte Pfade im Bestand. Kliniken profitieren von Vorreiterprogrammen, Förderungen und Carbon‑Accounting‑Transparenz.
Governance, Umsetzungspfad und Wirtschaftlichkeit
Dekarbonisierung im Krankenhaus gelingt, wenn Technik, Prozesse und Daten zusammengeführt werden.
Governance und Rollen
Energy Governance Board: FM, Medizintechnik, Hygiene, IT, Einkauf, Klinikbetrieb. Festlegung von Zielen, Budget, Prioritäten; Freigabe von Betriebsmodi in hygienekritischen Bereichen.
Rollen: Energy Manager (EnPI, Roadmap), GA/OT‑Architekt (Funktionen, Cybersecurity), Hygiene (Freigaben Nacht-/Bedarfsbetrieb), Controlling (M&V, Wirtschaftlichkeit), Einkauf (Leistungsbilder, SLA/KPI).
Maßnahmenpriorisierung
Stufe 1 – Betriebsoptimierung: GA‑Funktionen auf Klasse A heben, WRG‑Nutzung optimieren, Hydraulik, FDD, Nacht-/Bedarfsbetrieb, Leckage‑ und Bypass‑Beseitigung, Submetering. Typisch: zweistellige Einsparungen ohne Komfort-/Hygieneverlust.
Stufe 2 – Systemeffizienz: Hocheffizienz‑Ventilatoren/Pumpen, Antriebe, Kältemaschinen‑Retrofits, Temperatur‑Reset‑Strategien, Speicher.
Stufe 3 – Systemwechsel und Netze: Wärmepumpen, NT‑Netze, Kälte‑Wärme‑Kopplung, Fern-/Nahwärmeinbindung, Hüll- und Lüftungsumbauten mit hygienekonformer WRG.
Beschaffung und Vertragsmodelle
Leistungsbilder mit Energie‑KPIs (GEFMA/VDMA), Bonus/Malus auf verifizierte Einsparungen, M&V‑Klauseln; Lebenszykluskosten (TCO) als Vergabekriterium.
Offene Protokolle/Standards vertraglich festschreiben; Datenzugang und Exportrechte sichern (Vermeidung von Lock‑in).
Risiko- und Change‑Management
Hygienefreigaben und Testzyklen bei geänderten Betriebsmodi; Back‑out‑Pläne.
Cybersecurity by Design bei GA‑Nachrüstungen (IEC 62443, Segmentierung, Patch‑Prozesse).
Betriebsunterbrechungen minimieren: Nacht-/Wochenendfenster, Ersatzflächen, Schrittfolgen.
Wirtschaftlichkeit und Finanzierung
Kombination aus Niedrig‑CAPEX‑Quick‑Wins und CAPEX‑intensiven Strukturmaßnahmen erhöht internen Zinsfuß des Gesamtprogramms.
Fördermittel/Flexible Finanzierung (Contracting, Grüne Anleihen) prüfen; Carbon‑Preise und Versorgungssicherheitsnutzen einpreisen.
Ganzheitliche Bewertung: Nebeneffekte auf Resilienz (z. B. Blackout‑Fähigkeit), Hygiene (z. B. WRG‑Systemwahl), Betriebskosten (Wartung, Chemikalien in Kühlkreisläufen).
Anspruch
Energie- und Dekarbonisierungsstrategien im Krankenhaus müssen technisch präzise, hygienekonform und resilienzorientiert sein. Die größten kurzfristigen Potenziale liegen in der Gebäudeautomation nach DIN EN 15232‑1, in adaptiven Betriebsmodi und in einem belastbaren Monitoring nach VDI 3807. Mittelfristig entscheidet die intelligente Kopplung von Wärme, Kälte und Abwärme – inklusive Wärmepumpen und Niedertemperaturnetzen – über die CO2‑Bilanz. Der EPBD‑Recast macht Transparenz, Automationsfunktionen und Transformationspfade zur Pflicht. Erfolgreich sind diejenigen Häuser, die Energie, Daten, Hygiene und Cybersecurity in einem integrierten FM‑Programm zusammenführen, Maßnahmen messbar machen und stetig nachjustieren – mit dem Ziel, Patientensicherheit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz gleichzeitig zu gewährleisten.
Rolle und Zielsystem der TGA im Krankenhaus
Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) bildet die technische Lebensader des Krankenhauses. Sie stellt sicher, dass Funktionsbereiche wie OP, ICU/ITS, AEMP, Labore und Radiologie mit konditionierter Luft, zuverlässiger Stromversorgung (inkl. USV und Notstrom), Kälte, Wärme, Dampf, Druckluft und medizinischen Gasen versorgt werden.
Zielgrößen sind:
Verfügbarkeit und Redundanz gemäß Kritikalität (N/N+1/N+2),
hygienegerechter Betrieb (insb. RLT, Trink- und Kühlwasser),
Energieeffizienz ohne Kompromisse bei Patientensicherheit,
Compliance mit Betreiberpflichten und Normen,
transparente, auditfeste Nachweise und wirtschaftliche Lebenszykluskosten.
Instandhaltungsstrategien nach DIN 31051/EN 13306
DIN 31051 und EN 13306 stellen die Terminologie und Bausteine der Instandhaltung bereit: Wartung (präventive Maßnahmen zur Verzögerung des Abbaus), Inspektion (Feststellung des Ist-Zustands), Instandsetzung (Wiederherstellung der Soll-Funktion) sowie Verbesserung.
Zeitbasierte Instandhaltung
Feste Intervalle gemäß Hersteller, Normen, Erfahrungswerten (z. B. jährliche RLT-Inspektion in OP/ICU, periodische USV-Batterietests, sicherheitstechnische Prüfungen).
Vorteile: einfache Planbarkeit, rechtssicher. Nachteile: potenziell über- oder unterwartet.
Zustandsbasierte Instandhaltung (Condition-Based Maintenance, CBM)
Messgrößen und Grenzwerte steuern Eingriffe (z. B. Lager-Schwingungen an Ventilatoren, Δp an Filtern, Isolationswiderstände, Wirkungsgradkennzahlen an Kälteanlagen).
Vorteile: bedarfsgerecht, geringere Stillstände. Voraussetzung: zuverlässige Sensorik und Datenqualität.
Risikobasierte Instandhaltung (Risk-Based Maintenance, RBM)
Kritikalitätsanalyse (Ausfallwahrscheinlichkeit x Auswirkungsgrad auf Patientenversorgung, Sicherheit, Compliance, Kosten) priorisiert Maßnahmen und Redundanzprüfungen.
Methoden: FMEA/FMECA, RCM (Reliability Centered Maintenance), Bow-Tie-Analysen.
Ergebnis: differenzierte Strategien je Asset-Klasse (z. B. Run-to-Fail bei nichtkritischen Hilfsaggregaten; strikte präventive Prüfungen bei USV, Notstrom, Gasversorgungszentralen).
Prüf- und Nachweispflichten
BetrSichV/TRBS: Gefährdungsbeurteilung, Prüffristenermittlung, befähigte Personen, ZÜS-Prüfungen (z. B. Druckanlagen, Aufzüge).
Hygiene: RLT in OP/ICU (nach DIN 1946-4 inkl. Filter/Lecktest), Trinkwasser- und Kühlwasserhygiene (DVGW/VDI).
Elektrische Anlagen medizinischer Bereiche: DIN VDE 0100-710, wiederkehrende Prüfungen.
Medizinische Gase: DIN EN ISO 7396-1, Alarm- und Redundanztests, Qualitätssicherung.
Planungs- und Steuerungsprinzipien
Kritikalitätsklassen (A–C) je Asset, hinterlegt mit Verfügbarkeitszielen, zulässigen Downtimes, Testzyklen und Eskalationen.
Jahres- und Mehrjahrespläne mit klinikkompatiblen Wartungsfenstern (OP-Programme, Ersatzflächen).
Ersatzteil- und Obsoleszenzmanagement (Sicherheitsbestände für kritische Komponenten, Lieferzeiten, Second-Source-Strategien).
MOC/Änderungsmanagement: technische, hygienische und sicherheitsrelevante Freigaben vor/nach Änderungen, dokumentierte Funktions- und Sicherheitsprüfungen.
Leistungssystematik und Beschaffung (VDMA 24186; SLAs, KPIs; CAFM)
Für die Ausschreibung und Steuerung von TGA-Leistungen hat sich die VDMA 24186 als Referenz etabliert. Sie beschreibt Leistungsbilder für Inspektion, Wartung, Instandsetzung und betriebsnahe Dienstleistungen je Gewerk.
Ausschreibungsprinzipien
Leistungsbeschreibung nach VDMA 24186-Teilen je Gewerk (z. B. RLT, Kälte, Heizung, Elektrotechnik), ergänzt um anlagenspezifische Besonderheiten und Betreiberpflichten.
Trennung von Grundleistungen (Inspektion/Wartung inkl. Checklisten, Schmierpläne etc.), Bedarfsleistungen (Störungsbeseitigung, Instandsetzung) und Ersatzteile/Material.
Qualifikationsanforderungen: befähigte Personen, Schulungen (Hygiene, Elektro, Druckgeräte), OT-Security-Basics für Arbeiten an GA/Leitsystemen.
Schnittstellenregelungen: Abgrenzung zu Medizintechnik, IT, Hygiene, Bauunterhalt; Freigabeprozesse, Dokumentationsstandards.
Service-Level-Agreements und KPIs
Reaktions-/Behebungszeiten nach Kritikalität (z. B. A-Assets: 15 min Reaktion, 2 h Behebung/Workaround); 24/7-Bereitschaft.
Verfügbarkeit je Anlage/Zone (%), MTBF/MTTR, Anteil geplanter vs. ungeplanter Arbeiten, Schedule Compliance (% fristgerecht erledigt), Erstlösungsquote, Rückläuferquote, Energie-/Performance-KPIs (COP/EER, Δp-Profile, Leckage).
Hygiene-KPIs: fristgerechte Filterwechsel/Validierungen, Trinkwasserproben-Compliance, Abweichungsmanagement.
Daten-KPIs: Vollständigkeit und Qualität der Serviceberichte, Upload-Zeiten, Messdaten-Integrität.
Vertrags- und Governance-Bausteine
Bonus/Malus an verifizierte KPI-Ergebnisse gekoppelt; M&V-Regeln und Datenzugang festschreiben.
Pflichtenübertragung und Verantwortlichkeiten schriftlich regeln; Audit- und Zutrittsrechte, Sicherheitsauflagen (z. B. Arbeiten in OP-Zonen).
Cyber- und Datenschutzklauseln: Fernzugriffe, Log-Aufzeichnung, Account-Management, Geheimhaltung.
CAFM-Datenanforderungen
Asset-Register mit eindeutigen IDs, Hierarchien (Standort–Gebäude–Raum–Anlage–Komponente), Attributen (Hersteller, Typ, Seriennummer, Baujahr, Leistung, Medien), Kritikalität, Redundanzstatus, Gewährleistungsdaten.
Wartungs- und Prüfpläne je Asset, verknüpfte Checklisten (VDMA), Grenzwerte, Messpunkte, Probenahmepläne (Hygiene).
Digitale Serviceberichte mit strukturierter Datenerfassung (Fehlercode, Ursache, Maßnahme, Zeiten, Material, Fotos), automatisch dem Asset und Auftrag zugeordnet.
Schnittstellen zu GA/GLT/SCADA (BACnet/OPC UA), Zähler-/Energieplattform, DMS (Pläne, Abnahmen), ITSM/CMDB für Querschnittstickets.
Predictive Maintenance und Digitalisierung
Prädiktive Instandhaltung ergänzt Zeit- und Zustandsstrategien um datengetriebene Prognosen und Fehlererkennung. Sie ist kein Selbstzweck, sondern muss Verfügbarkeit erhöhen, Kosten senken und Compliance sichern.
Sensorik-Qualifizierung und Datenqualität
Geeignete Sensoren/Messpunkte definieren: Schwingung, Temperatur, Strom, Δp, Volumenstrom, Feuchte, Ölpartikel, Isolationswiderstand, Qualitätsparameter (z. B. Dampfqualität).
Metrologische Qualität: Kalibrierintervalle, Messunsicherheit, Einbaufehler vermeiden (Strömungsberuhigungsstrecken, Fühlerlage).
Datenqualität: Zeitstempel (NTP), Abtastraten, Ausfall-/Ausreißererkennung, Referenzintegrität (Asset-ID), Änderungslogs.
Algorithmusvalidierung und Betrieb
FDD-Regeln (wissensbasiert) als Basis: Erkennung typischer Fehlermodi (gleichzeitiges Heizen/Kühlen, Filter-Verblockung, ungünstige WRG-Betriebszustände, Ventilator-Überlast, Kältemaschine mit niedrigem ΔT).
ML-Ansätze: Supervised (wenn Ground Truth vorhanden, z. B. markierte Ausfälle), Unsupervised (Anomalien); Konzeptdrift überwachen, Re-Training planen.
Validierungsprotokolle: Precision/Recall, ROC, wirtschaftliche Wirkung (vermeidete Ausfälle, vermiedene Energie-/Hygieneabweichungen), Sicherheitsfreigaben vor automatisierten Aktionen.
Human-in-the-loop: Technikerfreigabe für Eingriffe; Rückmeldekanal zur Algorithmusverbesserung (Labeling).
Integration in CMMS/CAFM
Ereignisgesteuerte Aufträge mit Kontextdaten (Messwertverlauf, Grenzwertverletzung, vorgeschlagene Diagnose).
Priorisierung nach Kritikalität und prognostizierter Restlebensdauer (RUL); Ersatzteil-Trigger rechtzeitig setzen.
Dashboards: Asset-Health-Index, Ausfallprognosen, Backlog geordnet nach Risiko/Nutzen.
Failure Modes und Use-Cases kritischer Anlagen
RLT (OP/ICU): Filterverblockung (Δp-Anstieg), Leckagen (Druckdifferenzen), WRG-Leckage/Bypass, Sensor-Drift; KPIs: Verfügbarkeit der Raumklassen, Druckstabilität, Temperatur-/Feuchte-Compliance.
USV/Notstrom: Batteriedegradation (Impedanztests), Lüfter-/Kühlungsprobleme, Transfer-Schalter; regelmäßige Lasttests, Blackstart-/Inselbetriebsübungen. KPIs: Unterbrechungsfreie Umschaltungen, MTTR, Proof-of-Test-Quote.
Kälteerzeugung: Fouling (Wärmeübertrager), Kältemittelleckagen, Ölrückführung, Ventilator-/Pumpenausfälle; KPIs: COP/EER, ΔT an Verdampfer/Kondensator, Verfügbarkeit Kälteleistung.
Dampf/Heißwasser: Speisewasserqualität, Entgaserleistung, Sicherheitsventile; KPIs: Dampfqualität, Auslöseprüfungen, Brennstoffnutzung.
Verfügbarkeiten und Redundanz
Zielwerte: z. B. ≥ 99,9 % für OP-RLT, ≥ 99,99 % für USV-gesicherte IT-/MedTech-Lasten (je nach Hausdefinition).
Redundanztests: Geplante Umschaltungen auf Reserveaggregate (N+1/N+2) mit protokollierter Last; Failover-Zeiten messen, „schlafende“ Redundanzen vermeiden.
Wartungsstrategien für Redundanzsysteme: Rotationsbetrieb, Laufzeitangleichung, synchronisierte Wartungsfenster; „No Single Point of Failure“-Reviews.
Sicherheits- und Hygieneintegration
Predictive-Ansätze dürfen Hygiene- oder Safety-Grenzen nie überschreiten; Freigabe durch Hygiene/VEFK bei Regelungsänderungen.
Cybersecurity: Telemetrie aus der OT nur über segmentierte, überwachte Pfade; Zugriffskontrolle, Protokollierung, Patching nach IEC 62443.
Schnittstelle Medizintechnik (MPBetreibV/MDR) und Abgrenzung
Die Grenze zwischen Medizintechnik und TGA verläuft entlang des Medizinproduktebegriffs und definierter Übergabepunkte.
Betreiber- und Prüfpflichten
MPBetreibV/MDR regeln Betrieb, Instandhaltung, sicherheitstechnische Kontrollen (STK) und messtechnische Kontrollen (MTK) von Medizinprodukten (z. B. Beatmungsgeräte, Narkosegeräte, Monitoringsysteme).
TGA-seitige Pflichten betreffen Infrastruktur und Medienversorgung: medizinische Gase (bis zur Entnahmestelle), Stromversorgung/USV/Netzqualität, Raumlufttechnik, Raumdruckstufen, Temperatur-/Feuchtekonditionierung, Rein- und Reinstmedien (z. B. Reindampf).
Abgrenzung und Übergabepunkte
Gasversorgung: FM verantwortet Anlage gemäß DIN EN ISO 7396-1 (Erzeugung, Speichersysteme, Leitungen, Alarme) bis zur Steckdose; Medizintechnik verantwortet angeschlossene Medizinprodukte. Gemeinsame Alarm- und Testkonzepte erforderlich.
Strom/USV: FM liefert netz- und USV-Qualität gemäß VDE 0100-710; Medizintechnik überwacht geräteseitige Netzanbindung und führt STK/MTK durch.
RLT/Umgebung: FM stellt Raumklasse, Druck, Temperatur/Feuchte (DIN 1946-4) bereit; Medizintechnik stellt gerätespezifische Betriebsbedingungen sicher (z. B. Wärmelasten, EMV).
Kooperative Prozesse
Gemeinsame Validierungen (z. B. OP-Abnahme, AEMP-Prozesskette): RACI festlegen, Messkonzepte und Grenzwerte harmonisieren, Freigaben durch Hygiene/MT/FM.
Störungs- und Änderungsmanagement: Einheitlicher Ticketkanal, Kategorisierung nach Patientengefährdung; Eskalation 24/7; dokumentierte Rückwirkungen (Change Impact auf Geräte/Umgebung).
Datenintegration: Verknüpfung von Medizintechnik-Inventar (inkl. UDI) mit Raum-/Medienpunkten im CAFM; Transparenz über Abhängigkeiten (z. B. welches MRT an welcher Kälte-/USV-Schiene hängt).
Besondere Bereiche
Strahlentherapie/Nuklearmedizin: baulich-technischer Strahlenschutz, Klimastabilität, Energiequalität; Freigaben durch Strahlenschutzbeauftragte.
Reinmedien: Reindampf/RO-Wasser für AEMP/Labore mit klaren Qualitätsparametern, Prüfzyklen und Verantwortlichkeiten an den Schnittstellen.
Rollen und Gremien
Technische Leitung/TGA-Manager, VEFK, Leiter Medizintechnik, Hygiene, IT/OT-Security, Energie; regelmäßiges „Operations Board Technik“ mit KPI-Review und Freigaben.
Data Stewardship je Gewerk; CAFM/CMMS-Verantwortung zentral verankern.
KPI- und Review-Systematik
Monats- und Quartalsberichte: Verfügbarkeiten, MTBF/MTTR, KPI-„Rotliste“, Energie- und Hygieneabweichungen, Root-Cause-Analysen, Maßnahmenstatus.
Auditkalender: BetrSichV-/ZÜS-Prüfungen, Hygiene-Validierungen, Notstrom-/USV-Tests, B3S-/ISMS-Kontrollen; Lessons Learned in Standards überführen.
Standardisierung und Wissensmanagement
Technische Standards/Anlagentemplates (Parametrierung, Checklisten, Grenzwerte), Schulungspläne, Onboarding für Dienstleister, Sicherheits- und Hygienebriefings.
Ersatzteil- und Obsoleszenzkataster, strategische Bevorratung kritisch langer Lieferzeiten.
Wirtschaftlichkeit
TCO-Betrachtungen und Capex/Opex-Abwägungen bei Retrofit/Erneuerungen; Nutzenquantifizierung prädiktiver Maßnahmen (vermeidete Ausfälle, Energie, verlängerte Lebensdauer).
Leistungsorientierte Verträge mit transparentem M&V sichern nachhaltige Effekte.
Anspruch
Ein modernes TGA-Management kombiniert normbasierte Instandhaltung, leistungsfähige Beschaffungs- und Steuerungsmodelle, datengetriebene Predictive-Ansätze und eine klare Schnittstellenorganisation zur Medizintechnik. So werden Verfügbarkeit, Hygiene und Energieeffizienz gleichzeitig gesteigert – bei hoher Compliance- und Auditfähigkeit.
Bedeutung für Patientensicherheit und FM
Hygiene ist im Krankenhaus kein Zusatzkriterium, sondern ein integraler Bestandteil der Versorgungssicherheit. Raumluft- und Trinkwasserhygiene, die Qualität von Reinigungs- und Desinfektionsprozessen sowie der kontrollierte Betrieb kritischer TGA-Komponenten beeinflussen direkt das Risiko nosokomialer Infektionen. Für das Facility Management (FM) bedeutet dies: technische, organisatorische und dokumentarische Maßnahmen müssen lückenlos ineinandergreifen, normkonform sein und sich mit klinischen Prozessen synchronisieren. Die folgenden Abschnitte fassen die einschlägigen Anforderungen zusammen und übersetzen sie in FM-relevante Betriebs- und Nachweiskonzepte.
Raumlufttechnik in OP und ICU (DIN 1946-4)
DIN 1946-4 definiert Anforderungen an die Raumlufttechnik (RLT) in Räumen des Gesundheitswesens, insbesondere OPs und Intensivbereichen.
Zentrale Bausteine:
Raumklasse 1a: Operationsräume mit turbulenzarmer Verdrängungsströmung (TAV) und definiertem Schutzbereich unter der TAV-Decke; höchste Anforderungen an Partikel- und Keimfreiheit.
Raumklasse 1b: Operationsräume ohne TAV, mit Mischströmung; erhöhte Anforderungen, aber geringer als 1a.
Raumklasse 2: Übrige Behandlungsräume mit geringeren hygienischen Anforderungen.
ICU/ITS: Patientenzimmer und Sonderisolationsräume je nach Indikation als Überdruckräume (Schutzisolation) oder Unterdruckräume (Infektionsisolation) auszulegen; Türschleusen und definierte Druckstufung.
Druckstufen und Luftvolumenströme
Sichere Druckhierarchien mit stabilen Differenzdrücken (typisch 10–15 Pa) zwischen Schutz- und Umfeldbereichen; ständige Überwachung mit Alarmierung bei Grenzwertverletzungen.
Zuluft- und Abluftvolumenströme nach Raumnutzung und belegungsabhängig, soweit normativ zulässig; Nacht- und Absenkbetrieb nur nach freigegebenen Betriebsprogrammen.
Temperatur- und Feuchteführung
Einhaltung definierter Sollbereiche in OP/ICU; dynamische Regelung mit Priorität Patientensicherheit. Absenkungen sind in OP-Ruhebetrieb möglich, sofern Hochfahren mit Validierung vor Freigabe erfolgt.
Validierung und Betriebsverantwortung
Erstvalidierung vor Inbetriebnahme, danach regelmäßige Wiederholungsprüfungen und anlassbezogene Re-Validierungen (z. B. nach Umbauten, Filterwechseln, Regelungsänderungen).
FM steuert Prüfpläne, Nachweisführung und Eskalationen; Hygiene gibt Freigaben und bewertet Abweichungen gemeinsam mit FM/OP-Organisation.
Filter nach EN 1822 und Lecktests
Die Endfilter der Zuluft in hochsensiblen Bereichen sind gemäß EN 1822 (EPA/HEPA/ULPA) auszulegen, typischerweise HEPA H13 oder H14 in OP-Räumen und Isolationsbereichen.
Auswahl und Einbau
Filterklassen passend zur Raumklasse; strömungsgünstiger, dichtsitzender Einbau in Endstufen oder TAV-Elementen. Herstellerfreigaben und Dichtheitsklassen dokumentieren.
Bypass-Vermeidung durch geeignete Dichtungen, definierte Anzugsmomente, eindeutige Einbaulage.
Integritätstests
Werksseitige Scan-Tests gemäß EN 1822; in-situ-Lecktests nach Inbetriebnahme und regelmäßig wiederkehrend bzw. anlassbezogen (z. B. nach Filterwechsel, Störung). Partikelprüfungen (z. B. PAO/DOP) mit Nachweis der Grenzwerte im Schutzbereich.
Ergänzend Luftkeimmessungen und Strömungsvisualisierung (z. B. Rauchtests) zur Beurteilung des Schutzbereichs unter TAV-Decken.
Hygieneinspektionen und Reinigung
Regelmäßige Hygieneinspektionen der RLT-Anlagen (u. a. RLT-Geräte, Kanäle, Tropfenabscheider, WRG-Komponenten). Reinigung nach festgelegten Verfahren und Intervallen; korrosions- und biofilmgefährdete Komponenten besonders beachten.
Kondensatableitungen und Tropfenschalen sauber, mit Geruchsverschluss und regelmäßiger Desinfektion; stehendes Wasser vermeiden.
Validierungsumfang
Messungen: Luftvolumenströme, Luftwechselraten, Temperatur-/Feuchteverteilung, Differenzdrücke, Filterintegrität, Reinheitsmessungen im Schutzbereich. Dokumentation in prüffähigen Protokollen.
Funktionsprüfung der Regelung: Nacht-/Absenkbetrieb, Umschaltlogiken, Alarme und Redundanzfunktionen.
REHVA/CIBSE-Best Practices im deutschen Kontext
Klare Trennung von Zu- und Abluftströmen, Minimierung von Umluftanteilen im OP-Betrieb; sichere WRG-Konzepte ohne Stoffübertragung für kritische Zonen.
Erhöhte Frischluftanteile in Ausbruchssituationen, wo normativ vertretbar; Sicherheitsabschaltungen für Umluft bei kontaminationsverdächtigen Ereignissen.
Wartungsfreundliche Auslegung: Zugang zu Filterstufen, Mess- und Probenahmepunkten, ausreichende Einbau-/Hygienedistanzen.
Trinkwasserhygiene (DVGW W 551, VDI/DVGW 6023)
Trinkwasser ist ein zentrales Hygienemedium. Planung, Betrieb und Überwachung unterliegen strengen Vorgaben.
Temperaturbänder und Zirkulation
Warmwasser: Speicheraustritt in der Regel ≥60 °C, Zirkulation ≥55 °C; Kaltwasser <25 °C, besser <20 °C. Kurze Aufheizzeiten, lückenlose Zirkulation, thermische Entkopplung von Kalt- und Warmwasser.
Dämmung, Zirkulationshydraulik und Einregulierung verhindern Rückkühlung bzw. Erwärmung unerwünschter Zonen.
Stagnationsvermeidung und hygienegerechter Betrieb
Totstränge vermeiden, selten genutzte Entnahmestellen identifizieren und in Spülpläne integrieren; automatisierte Spülarmaturen in wenig genutzten Bereichen.
Bauliche/organisatorische Änderungen (Umzüge, Umbauten) sofort in Betriebs- und Spülkonzepte übertragen; temporäre Stilllegungen mit dokumentierter Wiederinbetriebnahme (Spülung, Beprobung).
Probenahme- und Prüfkonzepte
Risikobasierte Probenahmepläne gemäß W 551/TrinkwV mit festen Entnahmestellen (zentral, peripher) und Intervallen; Untersuchung auf Legionella spp. und andere Parameter nach Risikoprofil.
Standardisierte Entnahme (geschultes Personal, sterile Technik), Kühlkette und Laborlogistik; Befundlauf mit klaren Eskalationsstufen.
Maßnahmen bei Grenzwertüberschreitungen
Sofortmaßnahmen: Nutzungsbeschränkungen, Duschverbote, Filtersysteme (Point-of-Use) in Risikobereichen; Information an Hygieneteam und ggf. Gesundheitsamt.
Sanierungsstrategien: Thermische Desinfektion, chemische Desinfektion (z. B. Chlordioxid), hydraulische Optimierung, Austausch kontaminierter Komponenten, Redesign problematischer Stränge.
Wirksamkeitskontrolle: Nachuntersuchungen, Trendanalysen, Anpassung des Betriebs.
Legionellenprävention: Technik, Betrieb, Nachweis
Legionellen vermehren sich in warmem, stagnierendem Wasser und können schwere Pneumonien verursachen.
Prävention basiert auf:
Systemdesign: Temperaturhaltung, kontinuierliche Zirkulation, vermeidbare Toträume, hygienegerechte Werkstoffe, feinporige Endfilter bei erhöhtem Risiko.
Betrieb: Regelmäßige Spülungen, Temperaturmonitoring an kritischen Punkten, schnelle Reparatur von Isolations- und Dämmeinbußen, saisonale Anpassungen.
Monitoring und Reaktion: Frühwarnindikatoren (Temperaturdrifts, Stagnationszähler), risikogewichtete Beprobung, eindeutige Maßnahmenkaskaden bei Befundklassen.
Reinigungs- und Desinfektionsqualität (RKI/KRINKO, DGKH)
Flächen- und Umfeldhygiene ergänzt technische Hygiene. Sie muss risikoadaptiert, standardisiert und überprüfbar sein.
Risikobereichsdifferenzierung
Hochrisiko: OP, Eingriffsräume, AEMP-Reinbereiche, ICU/Isolierbereiche, onkologische Stationen.
Mittleres Risiko: Allgemeinstationen, Funktionsdiagnostik.
Basishygiene: Verwaltungs- und Verkehrsflächen.
Je Bereich differenzierte Reinigungs- und Desinfektionsfrequenzen sowie Mittelwahl.
Standardisierung und Qualifikation
Standardarbeitsanweisungen (SOP) je Bereich, Vier-Farben-System zur Kreuzkontaminationsvermeidung, klare Reihenfolge der Arbeitsschritte.
Schulungen, Unterweisungen und praktische Prüfungen; Qualifikationsnachweise dokumentieren.
Wirksamkeitsnachweise und Qualitätssicherung
Mittelwahl nach VAH-gelisteten Desinfektionsmitteln; Wirkbereiche und Einwirkzeiten beachten.
Prozesskontrollen: Sichtprüfungen, Fluoreszenzmarker („Glow-Test“) zur Prozessgüte, ATP-Biolumineszenz als schnelle Indikatorprüfung; mikrobiologische Abklatsch- oder Abstrichproben stichprobenartig in Hochrisikobereichen.
Kennzahlen: Flächenleistung, Fehlerquote, Nachreinigungsrate, Befundabhilfezeit; regelmäßige Audits durch Hygiene/DGKH-Standards orientiert.
Schnittstelle Soft FM – Technik – Hygiene
Koordination bei technischen Ereignissen (z. B. Bauarbeiten, Wasserschäden, Filterwechsel): erhöhte Reinigungs-/Desinfektionsprogramme, Raumfreigaben durch Hygiene.
Dokumentation im CAFM: Touren, Zeiten, Mittel, Ergebnisse der QS-Checks; Rückverfolgbarkeit bei Ausbruchsanalysen.
VIII Nosokomiale Infektionsrisiken und internationale Leitfäden (ECDC/HCID)
ECDC-Leitfäden zu Healthcare-Associated Infections (HAI) und High-Consequence Infectious Diseases (HCID) liefern Rahmenprinzipien, die auf den deutschen Kontext übertragbar sind.
Kernprinzipien
Infektionspräventions- und -kontrollprogramme (IPC) mit klaren Verantwortlichkeiten, Surveillance, Schulungen und Audits.
Raumluft und Druckhaltung als IPC-Bausteine: Unterdruckisolation bei airborne precautions (z. B. TB, hochkontagiöse Atemwegsinfektionen), Überdruckschutz für immunsupprimierte Patientinnen/Patienten.
Wasserhygiene und Sanitärräume als bekannte Vektoren für Pseudomonas/Legionellen; kontrollierte Nutzung in Hochrisikobereichen.
Übertragbarkeit auf Deutschland
Verzahnung mit KRINKO-/RKI-Empfehlungen und dem Infektionsschutzgesetz (IfSG), Einbindung des Krankenhaushygienikers.
Übungen und Preparedness: Tabletop- und Live-Drills für HCID-Szenarien (z. B. Anfahrt, Schleusen, Entsorgung), technische Belastungsproben (Unterdruckstabilität, Failover der RLT).
Ereignismanagement: Meldeschienen, Probenlogistik, Quarantänezonen; Datenintegration (Logfiles, Sensorik) für forensische Auswertung.
Governance und RACI
Klarer Verantwortungsrahmen: FM führt technische Hygieneprogramme, Hygiene validiert und gibt frei, Klinikbetrieb koordiniert Belegung und Sondermaßnahmen. RACI-Matrizen für OP- und Isolationsbereiche, Trinkwasserereignisse, Bau-/Umbauphasen.
Prüf- und Maßnahmenpläne
Jahrespläne für RLT-Validierungen, Filterwechsel, Hygieneinspektionen; Trinkwasserprobenahmepläne; Reinigungs- und Desinfektionskalender. Verknüpfung mit klinischen Programmen zur Vermeidung von Zielkonflikten.
Daten- und Dokumentationsmanagement
CAFM/CMMS als führendes Register: Anlagen-, Raum- und Zonenstammdaten, Prüf- und Wartungspläne, Probenahmestellen, Grenzwerte, Befunde, Freigaben. Mobile Erfassung vor Ort (Fotos, Messwerte, Signaturen).
KPI- und Dashboarding: Raumklassen- und Druckcompliance, Filterintegrität, Proben-Compliance, Befundfristen, QS-Ergebnisse Reinigung; Ampellogik und Eskalationen.
Change- und Störungsmanagement
Freigabeprozesse bei Regelungs- und Betriebsänderungen (z. B. Nachtabsenkung), dokumentierte Rückkehrbedingungen in klinischen Bereichen.
Störungen mit hygienischem Impact (z. B. Druckverlust, Temperaturabweichungen, Rohrbrüche) werden priorisiert, mit 24/7-Eskalation und standardisierten Kommunikationslinien.
Anspruch
Krankenhaushygiene ist ein interdisziplinärer Dauerauftrag, der technische Exzellenz, prozessuale Disziplin und durchgängige Dokumentation verlangt. DIN 1946-4, EN 1822, DVGW W 551 und VDI/DVGW 6023 setzen den technischen Rahmen; RKI/KRINKO und DGKH definieren hygienische Prozesse und Nachweise; ECDC-/HCID-Leitfäden schärfen die Resilienz gegenüber Ausbruchsszenarien. FM ist die Schaltstelle, die RLT- und Wasserhygiene, Reinigungsqualität und klinische Anforderungen verbindet, Zielkonflikte transparent macht und mit geprüften Validierungen, Monitoring und klaren Freigaben Patientensicherheit und Compliance sicherstellt. Wer Governance, Mess- und Prüfkonzepte sowie Daten- und Nachweisketten robust etabliert, reduziert nosokomiale Risiken, vermeidet Betriebsstörungen und schafft die Basis für einen sicheren, effizienten und auditfesten Klinikbetrieb.
Einordnung und normativer Rahmen
Medizinische Gasversorgungsanlagen und weitere kritische Medien (Dampf, Rein-/Reinstwasser) sind versorgungskritische Infrastrukturen des Krankenhauses. Ihr Ausfall gefährdet unmittelbar Patientensicherheit und Klinikkontinuität. Für Planung, Errichtung, Betrieb und Instandhaltung medizinischer Gase ist DIN EN ISO 7396-1 leitend; ergänzend greifen Druckgeräte- und Arbeitsschutzvorgaben (BetrSichV/TRBS) sowie hygienische und pharmazeutische Qualitätsanforderungen (z. B. Pharmakopöe für Sauerstoff und medizinische Druckluft). Für Rein- und Reinstmedien sind einschlägige Normen/Leitlinien zur Dampf- und Wasserqualität (z. B. EN 285 für Sterilisationsdampf, ISO 15883-Reihe für AEMP-Prozesse, Pharmakopöe für Purified Water/WFI) maßgeblich. Die Betreiberverantwortung liegt beim Krankenhaus; Delegation ist möglich, entbindet aber nicht von der Kontrollpflicht.
Versorgungsquellen und Redundanz
Sauerstoff: Flüssigsauerstofftank (LOX) mit Verdampfern als Primärquelle; alternativ/ergänzend Druckflaschenbatterien oder PSA-Systeme (Sauerstoff 93) als Redundanz bzw. Spitzenlast-/Notversorgung. Umschalteinrichtungen mit automatischer Prioritätslogik.
Medizinische Druckluft: Ölfreie Kompressoren in N+1-Kaskade, mehrstufige Aufbereitung (Vor-/Feinfilter, Adsorptionstrockner, Aktivkohle/Endfilter) zur Erreichung der medizinischen Qualität.
Instrumentenluft (typ. höherer Druck) und Stickstoff: für Antriebe/Instrumente bzw. spezielle Anwendungen; getrennte Netze.
Medizinisches Vakuum: Vakuumpumpen (N+1) mit bakterieller Abscheidung/Filtration zur Umwelt- und Anlagenhygiene.
AGSS (Anästhesiegas-Absaugsysteme): Getrenntes System mit ausreichender Förderleistung in OP-/Anästhesiebereichen.
Netz- und Zonenstruktur
Ringleitungen mit Sektionierung: Zonenventilstationen (AVSU) pro Bereich/Etage/Funktionszone, druckspezifische Unterverteilungen, klare Beschilderung und Zugänglichkeit.
Gas-/anschlussspezifische Stecksysteme und Verwechslungsprävention: nicht austauschbare Kupplungen, Farbcodierung, eindeutige Kennzeichnung entlang der gesamten Strecke (Quelle bis Entnahmestelle).
Werkstoffe und Sauberkeit: Entfettete Kupferleitungen, kontrollierte Montage/Schweißprozesse, partikel- und fettfreie Installation mit dokumentierter Endreinigung.
Druck- und Qualitätsparameter
Druckniveaus werden quellen- und verbrauchsabhängig definiert (z. B. patientennahe medizinische Druckluft typischerweise niedriger als Instrumentenluft; Vakuum mit konstantem Unterdruckbereich). Druckkonstanz und ausreichende Spitzenlastfähigkeit sind nachzuweisen.
Qualitätsanforderungen: Sauerstoffreinheit gemäß Pharmakopöe; medizinische Druckluft frei von Öl/Partikeln mit definiertem Feuchtegehalt; Vakuum hygienisch abgesichert; CO2/Distickstoffmonoxid gemäß spezifizierter Reinheit.
Alarmsysteme
Lokale Bereichsalarme (z. B. vor OP-Trakten) für Über-/Unterdruck, Reinheits- und Ausfallmeldungen; zentrale Masteralarme in der technischen Leitstelle/GLT; redundante Signalpfade und 24/7-Überwachung.
Integration in GA/OT: Zustände und Trends (Drücke, Reinheiten, Kompressorzustände, Tankfüllstände) werden kontinuierlich erfasst, mit Grenzwerten hinterlegt und bei Abweichungen in das Störungsmanagement (CAFM/CMMS) überführt.
Qualitätsüberwachung
Sauerstoff: Reinheitsüberwachung an Quelle und stichprobenartig an Entnahmestellen; Verdampferabtauung und Vereisungsmanagement bei LOX.
Medizinische Druckluft: Online/periodische Messung von Taupunkt, Partikeln, Öl-/HC-Traces sowie CO/CO2; Wartung/Wechsel von Filtern und Adsorbentien nach belastungsabhängigen Intervallen.
Vakuum: Filterwechsel, visuelle Inspektion der Sammelbehälter/Leitungen, mikrobiologische Schutzkonzepte zur Vermeidung von Kontaminationen in Richtung Pumpen/Abgas.
AGSS: Funktionsprüfung der Absaugleistung und Dichtheit, regelhafte Inspektion der Endstellen.
Wiederkehrende Prüfungen (auszugsweise)
Dichtheits- und Drucktests von Leitungsabschnitten (anlassbezogen und periodisch je Risikoklasse); Endstellenprüfung (Durchfluss, Dichtheit, Gasartprüfung) stichprobenartig bzw. nach Plan.
Alarmierungs- und Umschalttests: Funktionsprüfungen der Zonen- und Masteralarme, Simulation von Quellen-/Reglerausfällen, dokumentierte Umschaltung auf Reservebänke/Redundanzaggregate.
Qualitätsprüfungen: Periodische Beprobung medizinischer Druckluft und Sauerstoff an repräsentativen Punkten; Nachweise zu Grenzwerten/Trends.
PSA-Systeme: Adsorberzustand, Ventil- und Dichtheitsprüfungen, Sensor- und Kalibrierpläne; Validierung der Produktqualität (Sauerstoff 93) gemäß Risiko- und Freigabokonzept.
LOX-Anlagen: Sicht-/Sicherheitsprüfungen der Tankanlage, Armaturen, Sicherheitsventile; Frost-/Eislast-Management an Verdampfern, Freihaltung Sicherheitszonen.
Anlagenbezogene Instandhaltung
Kompressoren: Öl-/Filtermanagement (bei ölfreien dennoch Ansaugfiltration), Lager/Vibration, Kühlsysteme; Redundanzrotation zur Gleichverteilung der Laufzeiten.
Trockner/Filterzüge: Bypass- und Differenzdrucküberwachung, Adsorptionsmittelwechsel, Desinfektions- und Spülkonzepte bei Kontaminationsverdacht.
Vakuumpumpen: Dichtungen, Kühlung, Schalldämpfer, bakterielle Vorabscheider; Kondensatmanagement.
Leitungsnetz: Korrosions-/Mechanikinspektionen in Technikschächten, Kennzeichnungspflege, AVSU-Bewegungsprüfung.
Dampf
Anwendungen: AEMP-Sterilisation, Befeuchtung, Prozesswärme. Unterscheidung zwischen Kessel-/Betriebsdampf und Reindampf (für sterile Anwendungen).
Qualitätskriterien: Für Sterilisationsdampf u. a. Trockenheitsgrad, Nichtkondensierbare Gase und Überhitzung in engen Toleranzen (z. B. nach EN 285); regelmäßige Probenahmen und Prüfungen.
Anlagentechnik: Wasseraufbereitung (Entsalzung/Enthärtung), Speisewasserqualität, Entgaser; Kondensatableitung (Fallen), Rückführung; Korrosionsschutz und Vermeidung von Additiven in Reindampfsystemen.
Betrieb/Validierung: IQ/OQ/PQ der Sterilisationskette (AEMP), periodische Requalifizierung, Temperatur-/Druck- und Durchdringungsnachweise mit Loggern; klare Schnittstellen FM–AEMP–Hygiene.
Rein- und Reinstwasser
Anwendungen: AEMP (Endspülung/Reinigungsprozesse), Labore, ggf. Apotheke/Herstellung. Qualitätsstufen: Filtriertes/enthärtetes Wasser, demineralisiertes Wasser, Purified Water, ggf. WFI in Sonderfällen.
Aufbereitung: Vorfiltration, Enthärtung, Umkehrosmose (RO), EDI/Deionisation, UV-Desinfektion; Speichersysteme mit Hot-Water-Sanitization oder chemischer Sanitization; Verteilung als Ring (Loop) mit hygienischer Geschwindigkeit und minimierten Totstrecken.
Werkstoffe: 1.4404/316L Edelstahl elektropoliert oder hygienisches Kunststoff (z. B. PVDF) je nach Qualitätsstufe; tote Räume vermeiden, Gefälle und Entleerbarkeit sicherstellen.
Monitoring: Leitfähigkeit/Widerstand, TOC, Temperatur, mikrobiologische Parameter; festgelegte Entnahmestellen und Prüfintervalle; Abweichungsmanagement mit Ursachenanalyse (Biofilm, Temperaturschwankungen).
Schnittstellen: AEMP-Prozessvalidierung (ISO 15883), Labor SOPs; FM verantwortet Anlagenqualität und Stabilität, Fachbereiche verantworten prozessseitige Freigaben.
Schnittstellen zu Funktionsbereichen
OP/Anästhesie/ICU: Hohe Abhängigkeit von O2, MedAir, VAC und AGSS; Zonenventilstationen leicht zugänglich, Bereichsalarme sichtbar; geplante Abschaltungen nur mit klinischer Freigabe, Ersatzflächen und Notfallplan.
AEMP: Dampf- und Wasserqualität als Teil der Prozessvalidierung; die technische Freigabe (FM) ist Voraussetzung für hygienische Freigaben.
Radiologie/Intervention: CO2/N2 für spezielle Anwendungen; Raumkonditionierung und Gasversorgung eng mit Geräteherstellervorgaben abstimmen.
Labor/Apotheke: Rein- und Reinstwasser, ggf. Stickstoff; Probenahme- und Freigabeketten mit QS der Fachbereiche synchronisieren.
Redundanz- und Notfallstrategien
N+1/N+2 für Erzeuger (Kompressoren, Vakuum), Doppelzuführungen zu kritischen Bereichen, alternative Versorgungswege (z. B. mobile Verdampfer/Flaschenracks).
Umschalt- und Blackout-Tests in realistischen Lastszenarien; Protokollierung von Umschaltzeiten und Druckstabilität.
Lieferketten- und Bestandsmanagement
Mindestfüllstände/Bestände (LOX, Flaschen, Adsorbentien, Filter, Dichtungen) mit Frühwarnschwellen; vertraglich gesicherte Lieferzeiten, Eskalationskontakte und 24/7-Logistik.
Szenarienplanung (Pandemie-/Spitzenlast-O2): Temporäre Kapazitätserweiterungen (zusätzliche Verdampfer, mobile Booster), Lastmanagement (Priorisierung, Leckagejagd), baurechtliche Abstimmung.
Sicherheit und Compliance
Gefährdungsbeurteilungen (z. B. LOX-Tankumfeld, Explosions-/Brandlasten, Vereisung), Zutritts- und Arbeitserlaubniskonzepte (Hot Work), Ex-Zonenbewertung falls relevant.
OT-/Alarm-Resilienz: Redundante Sensorik/Kommunikation, lokale Anzeigen an AVSUs, Fallback-Betriebsmodi bei GLT-Ausfall; Logging/Forensik für B3S/ISMS.
Rollen
FM als Betreiber der Infrastruktur (Quelle bis Entnahmestelle), benannte verantwortliche Personen je Medium; enge Kooperation mit Hygiene, AEMP-Leitung, Anästhesie/OP-Management, Labor/Apotheke.
Befähigte Personen und qualifizierte Dienstleister; dokumentierte Pflichtenübertragung, Schulungen und Eignungsnachweise.
Prozesse und Dokumentation
Prüf- und Wartungspläne mit Fristen und Checklisten; anlassbezogene Requalifizierung (Umbau, Störung).
Lückenlose Nachweisketten: Mess-/Laborberichte, Alarm- und Umschaltprotokolle, Freigaben, Mängelverfolgung und Wirksamkeitskontrollen im CAFM/CMMS.
Änderungsmanagement (MOC) mit technischen, hygienischen und sicherheitsrelevanten Freigaben; klare Kommunikation an klinische Bereiche.
Anspruch
Medizinische Gase sowie Dampf und Rein-/Reinstwasser erfordern eine strikt normkonforme, redundanz- und qualitätsgesicherte Architektur, ein eng getaktetes Prüf- und Instandhaltungsregime und eine belastbare Governance über Fachbereichsgrenzen hinweg. Wer Qualität, Alarmierung, Redundanz und Dokumentation integriert und regelmäßig testet, sichert Versorgung, Patientensicherheit und Auditfähigkeit – auch unter Spitzenlasten und in Ausnahmesituationen.
Einordnung: Resilienz als Kernaufgabe des Krankenhaus-FM
Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, Störungen zu antizipieren, abzufedern, den Betrieb aufrechtzuerhalten und schnell wiederherzustellen. Für Krankenhäuser ist dies versorgungskritisch: Ausfälle von Strom, USV/Notstrom, RLT, Kälte, Dampf, Wasser oder Gas wirken direkt auf OP, ICU/ITS und AEMP. Resilienz ist daher keine nachgelagerte IT- oder Sicherheitsfrage, sondern integraler Bestandteil des technischen Betriebsmodells, verankert in Governance, Technik-Redundanzen, Betriebsprozessen, Übungen und Nachweisketten.
NIS2 und deutsches NIS2-Umsetzungsgesetz
Geltungsbereich: Erweitert die Pflichten für „wesentliche“ und „wichtige“ Einrichtungen, zu denen Gesundheitseinrichtungen zählen. Auch FM/OT-relevante Dienste (Energie, Gebäudeautomation, Mediensysteme) sind einzubeziehen.
Pflichten: Risikomanagementmaßnahmen (u. a. Notfallvorsorge, Lieferkettenmanagement), Vorfallsmanagement mit Meldepflichten und forensischer Sicherung, Managementverantwortung, regelmäßige Wirksamkeitskontrollen.
Meldungen: Frühmeldung bei erheblichen Vorfällen, strukturierte Folge- und Abschlussberichte mit Ursachen, Wirkung und Maßnahmen; 24/7-Meldefähigkeit organisatorisch und datenmäßig sicherstellen.
BSIG/IT-SiG 2.0 und KRITIS-Verordnung
Betreiber Kritischer Infrastrukturen müssen den „Stand der Technik“ bei Informationssicherheit umsetzen, Systeme zur Angriffserkennung betreiben und erhebliche Störungen dem BSI melden.
Schwellenwerte der KRITIS-Verordnung definieren, wann eine Klinik Betreiberstatus erlangt; dennoch sind B3S-Anforderungen auch unterhalb der Schwellen als Best Practice angezeigt.
B3S Krankenhaus (BSI-anerkannter Branchenstandard)
Konkretisiert die Anforderungen für Gesundheitsversorger. Relevanz fürs FM: OT-Asset-Management, Zonen-/Conduits, Backup/Restore, Patch- und Vulnerability-Management, Logging/Monitoring, Notfall- und Wiederanlaufpläne sowie Übungen.
Evidenz: Reifegrad- und Wirksamkeitsnachweise, regelmäßige Audits; die technische Dokumentation (Protokolle, Logs, Testberichte) ist Teil der Compliance.
Business Continuity und Incident Response im FM
Ein belastbares BC/IR-Framework verbindet Risikoanalyse, Planwerke, Übungen und kontinuierliche Verbesserung.
Business-Impact-Analyse (BIA)
Identifikation kritischer Prozesse/Assets (OP-RLT, USV/Notstrom, Kälte für Bildgebung/IT, Dampf/AEMP, Gase) mit RTO/RPO und tolerierter Downtime/Degradation.
Abhängigkeitsmatrix: Strom → USV → GA/OT, Kälte → OP/IT, Wasser → AEMP/Stationen, Gas → ICU/OP; Single Points of Failure und Interdependenzen (IT/OT, Telekommunikation) sichtbar machen.
Kontinuitäts- und Notfallpläne
Technische Runbooks: Umschalt- und Inselbetriebsverfahren, manuelle Betriebsmodi, Lastabwurfsequenzen, Minimalprogramme (z. B. OP-Notfallbetrieb).
Organisatorische Pläne: Rollen (Einsatzleitung Technik, Hygiene, OP-Management, IT-Sec), Kommunikationsmatrix (intern/extern, Träger/Behörden/BSI/Versorger), Ersatzflächen und Evakuierungslogik für Funktionsbereiche.
Versorgungsszenarien: Blackout, Wasserverunreinigung, Kälteausfall im Sommer, Sauerstoffspitzenlast, OT/IT-Cyberangriff, Hochwasser/Hitze.
Incident Response (IR) in FM/OT
Detektion: OT-fähiges Monitoring/IDS, Alarm- und Ereignismanagement in der Leitstelle, korrelierte GA-/Netz- und Sicherheitsereignisse.
Triage und Eindämmung: Isolieren betroffener Zonen/Conduits, Rückfall auf lokale Steuerungen, Trennen unsicherer Fernzugriffe.
Wiederherstellung: Konfigurations- und Software-Backups, definierte Wiederanlaufreihenfolgen, Integritätsprüfungen; Post-Incident-Review mit Maßnahmenplan.
Notstrom- und USV-Strategien (DIN VDE 0100-710, IEC 60364-7-710)
Elektrische Anlagen in medizinischen Bereichen folgen strengen Vorgaben. Ziel ist das sichere Überbrücken von Netzstörungen bis zum Inselbetrieb.
Lastklassifizierung und Netzstruktur
Medizinische Bereiche der Gruppe 2 (OP, ICU) verlangen besondere Schutzmaßnahmen, u. a. Isolationsüberwachung (IT-Systeme/IPS) und Sicherheitsstromversorgung.
Lastklassen: lebenswichtige, wichtige und sonstige Verbraucher; definierte Einspeisepfade (USV, Sicherheitsstrom, Normalnetz), selektive Schutz- und Umschalteinrichtungen.
USV-Design und Betrieb
Topologien: Doppelwandler/Online-USV für hochkritische Lasten (IT/MedTech), Line-Interactive/Modular-USV für weniger kritische Anwendungen; Redundanz N+1.
Autarkiezeiten: Auslegung nach RTO der Notstromaggregate und Umschaltzeit; typisch 10–30 Minuten für IT/MedTech, risikobasiert festzulegen.
Wartung: Batteriediagnostik (Impedanz/Kapazität), Temperaturmanagement, regelmäßige Entladetests; Lüfter/Filterreinigung, Bypass-Tests; Ersatzteil- und Batterielogistik.
Notstromaggregate und Inselbetrieb
Dimensionierung: Kritische Lasten + Anlaufströme, Selektivität und Kurzschlussleistung; Reserve N+1/N+2 für besondere Häuser.
Start- und Übernahmezeiten minimieren; automatische Netzersatzanlagen (NEA) mit vordefinierter Lastzuschaltung (gestaffelt, um Einbruch zu vermeiden).
Blackout-/Inselbetrieb: Lastabwurfpläne (priorisierte Verbraucher), manuelle Übersteuerung möglich, Synchronisation und sichere Rückschaltung auf Normalnetz.
Prüf- und Testzyklen
Regelbetrieb: Wöchentliche Startproben (trocken), monatliche Lasttests (realer Teil-Lastbetrieb oder Lastbank), jährliche Volltests inkl. Umschaltung unter kontrollierten Bedingungen.
USV-Tests: Quartalsweise Funktionstests, jährliche Kapazitäts-/Autarkietests, Batteriemusterwechsel nach Hersteller/Erfahrung.
Dokumentation: Lückenlose Protokolle (Startzeiten, Frequenz/Spannung, Temperatur, Fehlermeldungen), Abweichungsmanagement.
Kraftstoff- und Wartungslogistik
Kraftstoffqualität: Lagerfähigkeit (Dieselalterung, Biodiesel-Anteile), Additivierung, periodische Probenahme/Polishing; Mindestvorräte für definierte Autarkiezeiten (z. B. 48–72 h) und gesicherte Lieferketten mit 24/7-Verträgen.
Ersatzteile/Verbrauchsmaterial: Filter, Riemen, Kühlmittel, Öle; präventive Wechselintervalle synchronisiert mit Testzyklen.
Umwelt- und Sicherheitsauflagen: Auffangwannen, Lecküberwachung, Brandschutz, Zugangs- und Arbeitserlaubnisverfahren.
Versorgungsnetz-Resilienz: Abhängigkeiten, SPOF und Redundanzen
Resilienz entsteht aus redundanter Architektur, kluger Topologie und geübten Umschaltprozessen.
Strom
Doppelte Einspeisung vom Versorger, Ring- oder Zweispeisenetz auf dem Campus, selektive Schutztechnik; getrennte Verlegewege und räumliche Trennung kritischer Verteilungen.
Single Points of Failure (SPOF) identifizieren: Hauptverteilungen, Transformatoren, Schaltanlagen; redundante Schaltfelder oder modulare Ersatzkapazitäten vorsehen.
Wärme/Kälte/Dampf
Erzeuger-Redundanz (N+1/N+2), hydraulisch entkoppelte Stränge, Bypass-/Notkühloptionen; alternative Erzeuger (Wärmepumpe + Spitzenlastkessel).
Kälteverteilung als Ring, redundante Pumpenstränge, Notkühler für IT/MedTech (freie Kühlung, mobile Kälte).
Wasser/Abwasser
Redundante Einspeisepunkte oder Notverbindungen, Speicherkapazitäten (Technik-/Löschwasser), mobile Versorgungskonzepte; Notfallprozesse bei Kontamination (Filter, UV, Tankwagen).
Abwasserhebevorrichtungen mit Redundanz, Rückstauklappen, Hochwasser-/Wetterresilienz (Pumpwerke).
Gase/Medien
Doppelte Versorgungsquellen (LOX + Flaschen/PSA), redundante Kompressor-/Vakuumkaskaden, Zonenventilstationen; mobile Überbrückungskits.
Monitoring auf Leckage/Abweichungen; geübte Umschaltprozesse.
Technische Tests
Redundanzrotationen (RLT, Pumpen, Kälte), Funktionsnachweise von automatischen Umschaltungen (elektrisch/hydraulisch/gas), Failover unter Last.
Druck-/Dichtheitstests in Mediennetzen; Unterdruck-/Überdruck-Stabilitätstests in Isolationsbereichen.
Organisatorische Übungen
Blackout-Tabletops mit OP-/ICU-Beteiligung, Wasserstörungsszenarien mit Hygiene/Gesundheitsamt, Ransomware-OT-Drills mit IT-Security/OT-SOC.
Schichtwechsel- und Rufbereitschaftsübungen; Kommunikationswege (Fallback analog) testen.
Dokumentation und Evidenz
CAFM/CMMS als Register für Tests, Befunde, Abweichungen, Maßnahmen; Versionierte Runbooks/Playbooks, Checklisten, Kontakt- und Lieferkettenlisten.
Reporting an Gremien (Technikboard, Klinikumsvorstand) und für Audits (B3S/ISMS, Behörden); Lessons-Learned-Tracker mit Fristen.
ISMS/OT-Security
OT in den ISMS-Geltungsbereich; Zonen-/Conduits, Fernzugriffskontrollen, Backups, Log-Korrelation; OT-SOC-Use-Cases für Betriebs- und Sicherheitsereignisse.
Hygiene
Freigaben für Ersatzbetriebsmodi (z. B. geänderter RLT-Betrieb), Priorisierungen bei Wasserereignissen; Informationskaskaden in Hochrisikobereichen.
VIII Quick-Wins und Prioritäten
Kritikalitätsmatrix und Redundanz-Atlas für Strom/Kälte/Gas/Wasser aktualisieren; SPOF-Liste mit Maßnahmenplan.
Lastabwurf- und Inselbetriebs-Runbooks standardisieren, im Leitstand verfügbar, vierteljährlich üben.
Kraftstoffmanagement professionalisieren (Qualitätsprüfung, Polishing, Mindestvorräte, Lieferverträge).
USV-Batteriemanagement mit digitalem Zustandstracking; Lastbank-Tests für NEA jährlich.
OT-Backups offline/immutable; Fernzugriffe nur über Jump-Server mit Aufzeichnung; Alarme in CAFM/IR-Prozesse integrieren.
Anspruch
Resilienz in Krankenhäusern entsteht durch das Zusammenspiel von normkonformer Technik (DIN VDE 0100-710, IEC 60364-7-710, DIN EN ISO 7396-1), klaren BC/IR-Prozessen nach B3S/NIS2, redundanter Netztopologie und geübten Umschalt- und Wiederanlaufverfahren. FM trägt die operative Verantwortung: Abhängigkeiten verstehen, Redundanzen schaffen, Tests systematisieren, Evidenz sichern und Meldefähigkeit herstellen. Wer Resilienz professionell als Programm führt und OT/ISMS, Hygiene und Klinikbetrieb integriert, minimiert Ausfallrisiken, beschleunigt die Wiederherstellung und sorgt dafür, dass die Versorgung auch in Krisen stabil bleibt.
Einordnung und Nutzen für das Krankenhaus-FM
Regulatorik und Standards liefern den verbindlichen Rahmen sowie den „Stand der Technik“ für Planung, Betrieb und Weiterentwicklung der Krankenhausinfrastruktur. Für FM-Verantwortliche sind sie zugleich Steuerungsinstrument, Auditmaßstab und Risikomanagement-Grundlage. Ein professionelles FM verankert diese Anforderungen in einem integrierten Managementsystem, übersetzt sie in Rollen, Prozesse, Nachweisketten und vertragliche Verpflichtungen und nutzt CAFM/CMMS als Nachweis- und Steuerungsplattform.
ISO 41001 (Managementsysteme für Facility Management)
Zweck: Aufbau eines systematischen, auditfähigen FM-Managementsystems mit Politik, Zielen, Rollen, Prozesslandkarte, Risiken/Chancen und Kennzahlensystem.
Nutzen: Klärt Verantwortlichkeiten, etabliert messbare Services (SLA/KPI), stärkt Compliance und kontinuierliche Verbesserung (PDCA). Kompatibel mit ISO 9001/14001/45001/27001/50001 für integrierte Managementsysteme.
Praxis: Scope definieren (Hard-FM mit TGA, Energie, Hygiene, KRITIS/OT), Rechts- und Normenregister pflegen, jährliche Managementbewertung, Auditprogramm.
ISO 41011 (Terminologie)
Gemeinsame Begriffswelt für FM-Prozesse, Rollen und Leistungen. Dient als Referenz für Verträge, Leistungsverzeichnisse, Schulungen und Datenmodelle.
DIN EN 15221-Reihe (europäische FM-Grundlagen; vielfach in der Praxis verankert)
15221-1/2: Begriffe und Servicevereinbarungen (SLA, KPI, Leistungsabgrenzungen).
15221-3: Qualitätsmanagement und Kennzahlen im FM.
15221-4/5: Taxonomien und Prozessmodelle für FM-Leistungen.
15221-6/7: Flächen-/Arbeitsplatzmanagement und Benchmarking.
Praxis: Nach wie vor hilfreich zur Strukturierung von Leistungsbildern, KPI-Systemen und Vertragswerken; in Deutschland häufig in Kombination mit GEFMA-Regelwerken genutzt.
Nationale Ergänzungen und Leitfäden
GEFMA 444 (CAFM-Qualitätskatalog) und 460ff (Prozess- und Leistungsmodelle) für digitale Prozessführung und Datenanforderungen.
Verknüpfung mit DIN 276/277 (Kosten/Flächen) und BIM-Standards (ISO 19650/VDI 2552) zur konsistenten Informationslogistik von Planung bis Betrieb.
MPBetreibV (Medizinprodukte-Betreiberverordnung) / MDR
Betreiberpflichten: Einweisungen, Instandhaltung, sicherheitstechnische (STK) und messtechnische Kontrollen (MTK), Gerätebuchführung.
FM-Schnittstelle: Infrastrukturverantwortung (RLT, Strom/USV, medizinische Gase, Reinmedien), Abgrenzung zu Medizinprodukten; gemeinsame Validierungen (OP, AEMP) und Freigaben.
Strahlenschutzgesetz/-verordnung (StrlSchG/StrlSchV)
Genehmigungen, Organisation (Strahlenschutzverantwortliche/-beauftragte), baulich-technische Abschirmung, Überwachungs- und Prüfpflichten.
FM-Schnittstelle: Projekt- und Betriebsfreigaben bei Umbauten, Röntgen-/Therapieanlagen, Lüftung/Abwärmeführung, Zutritts- und Meldekonzepte.
DGUV-Regelwerk (Unfallversicherungsträger)
DGUV Vorschrift 3 (Elektrische Anlagen und Betriebsmittel): Wiederkehrende Prüfungen, Organisation der Elektrosicherheit (VEFK), Arbeitsverfahren (Schaltberechtigungen).
DGUV Regeln/Informationen: Sichere Instandhaltung, Arbeiten in kontaminierten Bereichen, Heißarbeiten, Druckgeräte/Heber; Einbindung in Gefährdungsbeurteilungen und Arbeitsfreigaben.
B3S Krankenhaus / KRITIS / IT-SiG/BSIG
B3S konkretisiert „Stand der Technik“ für Gesundheitsversorger, inkl. OT/GA: Asset-Management, Zonen-/Conduits, Patch-/Vulnerability-Management, Logging/Monitoring, Angriffserkennung, Notfall- und Wiederanlaufpläne.
KRITIS-Verordnung: Betreiberpflichten ab Schwellenwerten; Melde- und Nachweispflichten an das BSI; NIS2/NIS2-Umsetzungsgesetz erweitert den Adressatenkreis und Managementpflichten.
FM-Schnittstelle: Leitstelle/GLT, Notstrom/USV, Kälte, RLT, Gase als kritische Dienste; OT in ISMS/BCMS einbeziehen, Evidenzkette (Logs, Testprotokolle) sicherstellen.
Elektrotechnik (VDE/DKE)
VDE 0100-710 / IEC 60364-7-710: Elektrische Anlagen in medizinischen Bereichen (Gruppe 2); Sicherheitsstromversorgung, Isolationsüberwachung, Selektivität, Schutzmaßnahmen.
VDE 0105-100: Betrieb elektrischer Anlagen (Schaltregeln, Instandhaltung, Qualifikation).
Praxis: Prüf-/Wartungspläne, USV- und NEA-Konzept, Dokumentations- und Freigabeketten; klare Rolle der Verantwortlichen Elektrofachkraft.
Gase und Medien
DIN EN ISO 7396-1: Medizinische Gasversorgung (Planung, Betrieb, Redundanzen, Alarme, Qualitätsanforderungen).
EN 285/ISO 15883 (AEMP/Prozesskette Sterilisation/Aufbereitung) für Dampf und Reinigungsprozesse; Qualitäts- und Validierungsvorgaben für Reindampf/Reinwasser.
Wasser und Lüftung (DVGW/VDI/DIN)
DVGW W 551, VDI/DVGW 6023: Trinkwasserhygiene (Temperaturbänder, Zirkulation, Stagnations- und Spülkonzepte, Beprobung).
DIN 1946-4: Raumlufttechnik in OP/ICU (Raumklassen, Druckstufen, Validierung); EN 1822: HEPA/EPA-Filterprüfung; VDI 2047-2: Kühlwasserhygiene.
VDI 6022 (allg. Raumluft-Hygiene) ergänzend für nicht-klinische Bereiche.
Digitalisierung/Interoperabilität
ISO 19650/VDI 2552: BIM-Informationsmanagement, AIA/EIR, CDE, AIM.
GEFMA 444/460ff: CAFM-Funktionalitäten, Prozessmodelle, Datenqualitätsanforderungen.
IEC 62443 / ISO/IEC 27001: OT-/Informationssicherheitsrahmen; BACnet/SC, OPC UA, MQTT als Betriebs- und Integrationsstandards.
gematik und nationale IT-Leitfäden
gematik-Spezifikationen zur Telematikinfrastruktur (TI) betreffen primär IT, wirken jedoch in das FM hinein (Raum-/Klima-/USV-Anforderungen, Zutritt/Sicherheit für TI-Komponenten).
BSI-Leitfäden (ICS/OT, KRITIS) liefern methodische Vorgaben für Netzsegmentierung, Angriffserkennung und Meldeverfahren; FM/OT sollte diese in Betriebs- und Notfallhandbücher übernehmen.
Rechts- und Normenregister
Standort-/anlagenbezogen, mit Geltungsbereich, Pflichten, Prüffristen, Rollen und Nachweisen. Regelwerksmonitoring und Change-Überführung (Versionen, Gültigkeit) verpflichtend.
Integriertes Managementsystem
ISO 41001 als FM-Rückgrat, verzahnt mit ISO 27001 (ISMS/OT), ISO 50001 (Energie), ISO 9001 (Qualität), ISO 45001 (Arbeitssicherheit). Einheitliche Risikomethodik, gemeinsame Audit- und Managementbewertungen.
Prozess- und Vertragsverankerung
SLA/KPI nach DIN EN 15221 und GEFMA, normbasierte Leistungsbilder (VDMA 24186), Sicherheits- und Hygiene-Anforderungen als Vertragsbestandteile (z. B. DIN 1946-4, DIN EN ISO 7396-1, VDE 0100-710, DVGW W 551).
Datenpflichten: Digitale Lieferobjekte (IFC/COBie), Mess- und Protokolldaten, Log- und Audit-Trails; Eigentum und Zugriff auf Daten vertraglich sichern.
CAFM/CMMS als Evidenzplattform
Prüf- und Wartungspläne, Gefährdungsbeurteilungen, ZÜS-Berichte, Hygiene- und Wasserbefunde, OT-/ISMS-Logs; Versionierung, Aufbewahrungsfristen, Berechtigungskonzepte (DSGVO).
Erfolgskriterien
Klare RACI-Matrizen, konsistentes Normen-Mapping, offene Schnittstellen/Standards, gelebte Dokumentation, regelmäßige Wirksamkeitsprüfungen.
Stolpersteine
Unklare Abgrenzung FM–Medizintechnik–IT, lückenhafte Daten-/Nachweisketten, selektive Anwendung von Normen ohne Prozessintegration, Vendor Lock-in ohne Datenzugang.
Anspruch
Regulatorik und Standards sind keine „Papierübung“, sondern das operative Betriebssystem des Krankenhaus-FM. Wer ISO- und DIN-/VDI-/VDE-/DVGW-Anforderungen in ein integriertes Managementsystem überführt, sie in Verträge und digitale Prozesse einschreibt und Evidenz professionell führt, schafft Rechtssicherheit, Resilienz und Effizienz – und erhöht messbar die Patientensicherheit im klinischen Alltag.Zukunftsperspektiven
Einordnung: 3–5 Jahre Krankenhaus-FM im Wandel
Die nächsten Jahre sind von der Konvergenz aus KI-gestützter Betriebsführung, OT-Sicherheit, Dekarbonisierung und strengeren Berichtspflichten geprägt. Für das Krankenhaus-FM bedeutet dies: vom reaktiven Instandhalten zur prädiktiv-preskriptiven Steuerung, von Insel- zu Plattformarchitekturen, von punktueller Optimierung zu standardisierten, auditfähigen Programmen. Resilienz, Hygiene und Patientensicherheit bleiben harte Nebenbedingungen und definieren die Grenzen jeder Automatisierung.
Technologie- und Methodentrends
KI im Betrieb: von FDD zu Prescriptive Maintenance
Anomalieerkennung (un-/semi-supervised) über GA-/Zähler-/Schwingungsdaten identifiziert früh Fehlzustände und Drift. Nächster Schritt: Prescriptive Maintenance, die konkrete Interventionsvorschläge mit Risiko-/Kostenwirkung priorisiert.
Hybride Modelle (physikbasiert + ML) und Digital Twins für RLT, Kälte, Dampf und Mediennetze erlauben Szenariorechnungen (Lastspitzen, Hygiene-/Druckstabilität, Blackout) und „Was-wäre-wenn“-Entscheidungen.
KI-gestützte Regelungsoptimierung bis hin zu unter Aufsicht lernenden Reglern (reinforcement learning with safety constraints) – nur mit strikter Freigabelogik, Rollback und Nachweisführung.
Virtuelle Sensorik und Edge-Analytik
Virtual Metering/NILM zur Auflösung von Endverbräuchen ohne dichte Zählernetze.
Edge-AI für schnelle Detektion (z. B. Pumpen-/Ventilator-Vibration), reduzierte Latenzen und geringere Netzlast; Cloud für Model-Training und Flottenmanagement.
Generative KI als Technik-Copilot
Wissensassistenz (RAG über Handbücher, Pläne, Störhistorien) für Entstörung, SOP-Erstellung und Schulung; sprachgesteuerte Ticket-Erfassung mit automatischem Kontext (Asset, Messwerte).
Qualitätsanforderungen: Quellenbindung, Zitierfähigkeit, Rechte-/Berechtigungskonzepte, Protokollierung der Empfehlung vs. Entscheidung (Human-in-the-loop).
Interoperabilität und Semantik
Semantische Labeling-Standards (z. B. Project Haystack/Brick-Schema) ergänzen IFC/COBie und beschleunigen Integration/Analytik.
API-first-Architekturen, Event-Streaming (MQTT/Kafka) und Zero-Trust-Patterns für sichere, skalierbare Datenflüsse zwischen OT, CAFM, EMS und BI.
OT-Sicherheit der nächsten Stufe
NIS2-getriebene „Zero Trust“-Modelle für OT: streng segmentierte Zonen/Conduits, gehärtete Fernzugänge mit Recording, Software Bill of Materials (SBOM) und kontinuierliches Schwachstellenmanagement.
Reife OT-SOC-Use-Cases koppeln Betriebs- und Sicherheitsanomalien (z. B. WriteProperty an SPS + gleichzeitige Druckabweichung an RLT-OP).
Energie- und Anlagentechnik
Hochtemperatur-Wärmepumpen, CO2-Kälte mit Wärmerückgewinnung, 5.‑Generation-Nahwärme/-kälte, thermische Speicher, Microgrid-Readiness (PV, Speicher) – mit Fokus auf Hygiene- und Resilienzkompatibilität.
Inline-Qualitätsmonitoring (Temperatur-/Leitfähigkeit/TOC) in Wasser-/Reinwasser-Loops; smarte Spülarmaturen und automatisierte Stagnationsprävention.
Hygiene- und Serviceautomatisierung
Computer Vision/Fluoreszenzvalidierung zur QS von Reinigungsleistungen in Hochrisikobereichen; autonome Reinigungs-/Transporthilfen in Nicht-OP-Zonen.
Kontinuierliches RLT-Performance-Monitoring (Druck-, Partikel-, Strömungsprofile) mit Alarmschwellen nahe den Freigabekriterien.
Auswirkungen auf Prozesse, Rollen und Kompetenzen
Prozessbild: von präventiv zu prädiktiv-preskriptiv
Standardprozesse (Wartung, Störung) werden ereignisgetrieben; Tickets enthalten Ursachenhypothesen, RUL/Restlebensdauer, Energie- und Hygienewirkung.
Change- und Release-Management erweitert sich um Modell- und Regelungsänderungen (MLOps/ControlOps) mit Hygiene- und VEFK-Freigabe, Test-/Rollback-Plänen und Audit-Trails.
Governance und Compliance
AI Governance: Modelleigentum, Datenherkunft, Validierung, Bias-/Drift-Checks, Versions- und Entscheidungsprotokolle; Integration in ISMS/BCMS.
Daten-Governance als Pflichtfunktion: Data Owner/Stewards je Gewerk, DQ-KPIs, Semantikpflege, Lebenszyklusführung (AIM↔CAFM↔GA).
Rollenprofile
Energy & Analytics Lead: verantwortet EnPI/SEC, FDD/Analytics-Backlog, M&V.
OT-Security Architect/Engineer: Zonen-/Conduit-Design, Patch-/Vuln-Prozesse, OT-SOC-Use-Cases.
Reliability/Asset Manager: RCM/FMECA, Verfügbarkeitsziele (MTBF/MTTR), Ersatzteilstrategien.
BIM/AIM-Manager und Datenarchitekt: Informationsanforderungen, semantische Modelle, Schnittstellen.
AI/Automation Engineer: Modellbetrieb, Regelungsoptimierung, Sicherheits- und Hygiene-Gates.
Fortbestehend zentral: VEFK, Hygiene, Strahlenschutz, Medizintechnikleitung – mit stärkerer Daten- und Freigabekompetenz.
Investitions- und Transformationspfade
Phase 1: Fundament und Hygiene-/Resilienz-Safe-Guard
Stammdaten-/AIM-Qualifizierung, Submetering und KPI-Set nach VDI 3807, OT-Asset-Inventory; Netzsegmentierung (IEC 62443), sichere Fernzugänge, Backup/Restore-Disziplin.
EPBD-/Gebäudepass-Vorbereitung, Rechts-/Normenregister digital verankern; Quick-Wins in GA (Klasse A-Funktionen) und FDD-Regelbasis.
Phase 2: Analytics und Integrationen
FDD-Scale-out und Anomalieerkennung, semantische Tagging-Programme, CAFM/GA/EMS-Integrationen; OT-SOC in den Betrieb.
Energiepfad: Wärmerückgewinnung, Kälte-Wärme-Kopplung, Speicher; Pilot Hochtemperatur-Wärmepumpe mit hygienischer Bewertung.
Phase 3: Teilautomatisierung und Digital Twin
Closed-loop-Optimierungen mit Safety-Gates (Freigabe-/Rollback), Digital Twin für kritische Systeme (RLT-OP, Kälte, O2).
Microgrid-Readiness, Resilienztests (Blackout, Wasserereignisse) in Simulationsumgebungen vor Live-Übungen.
Beschaffung und Verträge
Outcome-/Performance-basierte Verträge (Verfügbarkeit, Energie, Hygiene-Compliance) mit M&V-Klauseln, Daten-/API-SLAs, Cyberauflagen.
„Open by Design“: Exportformate (IFC/COBie), offene Protokolle (BACnet/SC, OPC UA, MQTT), Vermeidung von Vendor Lock-in.
Finanzierung und Business Case
Portfoliologik: Mix aus niedriger CAPEX-Regelungsmaßnahmen (kurze Amortisation) und strukturellen Dekarbonisierungsinvestitionen (mittlere Laufzeiten).
Förderkulissen (Dekarbonisierung, Digitalisierung, Resilienz) und Contracting-Modelle prüfen; Nebenwerte (Resilienz, Auditfähigkeit) quantifizieren.
Risiken
Datenqualität/Fragmentierung, Überautomatisierung ohne Hygiene-/Sicherheitsfreigaben, Cyberangriffsfläche, Modell-Drift, unrealistische ROI-Versprechen, Vendor Lock-in.
Anspruch
Das Krankenhaus-FM wird in den kommenden 3–5 Jahren zum daten- und KI-gestützten Orchestrator kritischer Infrastrukturen. Wer Informationsanforderungen beherrscht, OT sicher macht, Analytics mit Hygiene- und Resilienzanforderungen verbindet und outcome-basiert beschafft, erzielt messbare Mehrwerte: höhere Verfügbarkeiten, niedrigere Emissionen und Kosten, schnellere Wiederherstellung im Ereignisfall – bei zugleich gestärkter Audit- und Rechtskonformität. Die Transformation ist kein Sprint, sondern ein sequenziertes Programm mit klarem Datenfundament, robusten Prozessen und qualifizierten Teams.
