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Alternde Gesellschaft und dessen Wirkung auf Krankenhäuser

Facility Management: Kliniken und Krankenhäuser » Krankenhaus » Gesundheitssektor » Alternde Gesellschaft

Alternde Gesellschaft und dessen Wirkung auf Krankenhäuser

Demografischer Wandel und Versorgungsrealität

Die Gesundheitssysteme sind in den kommenden Jahrzehnten durch eine fortschreitende Alterung der Bevölkerung geprägt. Der Anteil älterer und hochbetagter Menschen steigt kontinuierlich; parallel nimmt die Prävalenz geriatrisch relevanter Krankheitsbilder wie Demenzen, degenerativer muskuloskelettaler Erkrankungen und kardiometabolischer Multimorbidität zu. Für die Versorgungspraxis bedeutet dies eine wachsende Zahl von Patientinnen und Patienten mit komplexen und häufig wechselwirkenden Einschränkungen: kognitive Defizite, Frailty, Mobilitäts- und Sinneseinschränkungen, Polypharmazie sowie erhöhte Vulnerabilität gegenüber nosokomialen Infektionen.

Diese demografische Verschiebung erzeugt eine „Double Burden“: Einerseits steigt die absolute Zahl der Behandlungsfälle, andererseits ändern sich die Anforderungen an die Versorgungsumgebung. Akutkliniken sehen sich vermehrt mit längeren Verweildauern, erhöhter Sturz- und Delirgefährdung, besonderen Anforderungen an die Hygiene (z. B. bei immunsupprimierten oder multimorbiden Personen) sowie ausgeprägten Schnittstellenbedarfen zur Rehabilitation und Langzeitpflege konfrontiert. Demenzspezifische Versorgungssettings (z. B. geschützte Bereiche, Orientierungshilfen, reizarm gestaltete Stationen) gewinnen ebenso an Bedeutung wie organisatorische Antworten im Aufnahmemanagement, in der Betten- und Transportlogistik sowie im Entlass- und Transfermanagement.

Diese Entwicklungen betreffen nicht nur medizinische Kernprozesse. Sie sind in hohem Maße durch die gebaute und betriebene Umwelt des Krankenhauses vermittelt. Facility Management (FM) im Krankenhaus – verstanden als integrierte Steuerung baulicher, technischer, infrastruktureller und unterstützender Dienstleistungen – wird damit zu einem zentralen Hebel, um Sicherheit, Qualität, Effizienz und Patientenerlebnis in einer alternden Gesellschaft zu gewährleisten.

Demografischer Wandel im Gesundheitssektor und FM-Antworten

Relevanz und Implikationen für das Klinik-Facility-Management

Die spezifischen Bedürfnisse geriatrischer und demenziell erkrankter Patientengruppen übersetzen sich in konkrete Anforderungen an Hard FM (Gebäude, technische Infrastruktur) und Soft FM (infrastrukturelle Services). Im Bereich der Infrastruktur rücken barrierefreie, demenzsensible und sichere Raumkonzepte in den Fokus: klare Wegeführung und Signaletik, kontrast- und farbsensible Gestaltung, rutschhemmende Bodenbeläge, ausreichende und blendfreie Beleuchtung, Handläufe und ergonomische Sanitärbereiche. Sicherheit erfordert sturzpräventive Maßnahmen, angepasste Alarmsysteme, evacuationsfähige Konzepte für mobilitäts- und kognitiv eingeschränkte Personen sowie Zutritts- und Ortungsstrategien, die Schutzbedarfe mit Datenschutzanforderungen in Einklang bringen.

Hygiene gewinnt angesichts erhöhter Infektionssuszeptibilität und häufigerer invasiver Maßnahmen an Gewicht. Sie umfasst eine norm- und richtlinienkonforme Raumluft- und Wasserhygiene, qualitätssichernde Reinigung und Desinfektion, die sterile Aufbereitung von Medizinprodukten sowie die prozesssichere Speisenversorgung (z. B. konsistenzadaptierte Kostformen, HACCP‑konformes Hygienemanagement). Technische Gebäudeausrüstung (TGA) muss thermischen und akustischen Komfort für fragile Patientengruppen ebenso gewährleisten wie verlässliche Luftwechsel, Druckstufenkonzepte und Monitoringsysteme. Prozessseitig sind durchgängige, altersgerechte Abläufe (z. B. bei Aufnahme, Diagnostik, Transport, OP‑Zuweisung, Entlassung) zu gestalten, die kognitive Belastung reduzieren, Wartezeiten minimieren und das Delirrisiko senken.

Insgesamt steht das Klinik‑FM vor der Aufgabe, baulich‑technische und organisatorische Lösungen mit einem stringenten Governance‑, Risiko‑ und Qualitätsmanagement zu verbinden. Dazu gehören die systematische Anwendung einschlägiger Normen und Leitlinien, die Qualifizierung von FM‑ und Klinikpersonal in alters- und demenzsensiblen Themen sowie der zielgerichtete Einsatz von Digitalisierung (z. B. Sensorik, RTLS, Automatisierung) zur Erhöhung von Sicherheit und Effizienz.Grundbegriffe und Grundlagen

Geriatrische Patientinnen und Patienten sind keine homogene Gruppe; sie vereinen vielfältige Gesundheitszustände, funktionale Fähigkeiten und soziale Kontexte. Für das Klinik‑Facility‑Management (FM) ist es daher entscheidend, zentrale Subgruppen und

  • Höheres Lebensalter und Hochaltrigkeit: In der Versorgungspraxis wird häufig ab 65 Jahren von älteren, ab 80 Jahren von hochbetagten Menschen gesprochen. Mit zunehmendem Alter steigen Wahrscheinlichkeit und Schweregrad funktioneller Einschränkungen, die direkt in Anforderungen an Barrierefreiheit, Orientierung und Sicherheit übersetzen. Gleichzeitig wächst die Sensibilität gegenüber thermischen, akustischen und visuellen Reizen – mit Folgen für Raumklima, Beleuchtung und Lärmschutz.

  • Demenz: Demenz ist ein Syndrom mit progredienten kognitiven Defiziten (Gedächtnis, Exekutivfunktionen, Orientierung), häufig begleitet von Verhaltens- und psychologischen Symptomen. Für das FM resultieren daraus besondere Schutz- und Orientierungsbedarfe: klare Wegeführung, gut unterscheidbare Zielpunkte (Landmarken), kontrastreiche und blendarme Beleuchtung, vereinfachte Signaletik (Piktogramme), vermeidbare Reizüberflutung und sichere, nicht stigmatisierende Zutritts- bzw. Schutzkonzepte. Aufenthaltsbereiche mit Möglichkeit zu Bewegung, Tagesstrukturierung und sozialer Interaktion wirken delirogen armer Umgebung entgegen.

  • Frailty (Gebrechlichkeit): Frailty beschreibt eine reduzierte physiologische Reserve und Stressresistenz mit erhöhter Sturz‑, Delir- und Komplikationsanfälligkeit. Typische Merkmale sind ungewollter Gewichtsverlust, Erschöpfung, reduzierte Gehgeschwindigkeit und Schwäche. Für die gebaute Umgebung bedeutet dies: rutschhemmende, matte Bodenbeläge; durchgehende Handläufe; sitz‑ und aufstehfreundliche Möblierung; ausreichende, blendfreie Beleuchtungsstärken (insb. nachts/Übergangsbereiche); kurze, barrierearme Wege und ergonomisch gestaltete Sanitärbereiche mit Haltegriffen.

  • Multimorbidität und Polypharmazie: Mehrere chronische Erkrankungen treten häufig zusammen auf (z. B. kardiovaskulär, metabolisch, muskuloskelettal, pulmonal), begleitet von komplexen Medikamentenregimen. Dies erhöht Anfälligkeit für Infektionen, orthostatische Dysregulation, Sturzereignisse und Delire. FM‑relevant sind dadurch robuste Hygiene- und Raumluftkonzepte, minimierte Weglängen und Wartezeiten, gut organisierte Transport‑ und Bettenlogistik, medien- und stromsichere Infrastruktur für Monitoring sowie lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit (z. B. bei Sterilgut, Speisen, Wasserhygiene).

  • Mobilitäts- und Sinneseinschränkungen: Seh‑ und Hörminderungen, Gangunsicherheit, Hilfsmittelbedarf (Rollator, Rollstuhl) prägen die Interaktion mit der Umgebung. Konsequenzen sind u. a. Türbreiten und Wendeflächen gemäß Barrierefreiheitsanforderungen, visuelle Kontraste (Boden/Wand/Tür/Handlauf), reduzierte Blendung und Nachhallzeiten, rutschhemmende Oberflächen, taktile Orientierungshilfen und gut erreichbare, höhenvariable Bedienelemente (z. B. Klingeln, Desinfektionsspender).

Aus diesen Profilen lassen sich übergreifende Bedürfnisse ableiten

Sicherheit (Sturz‑, Brand‑, Infektionsschutz), Orientierung und Autonomie, sensorisch ausgewogene Reizgestaltung, Komfort (thermisch, akustisch, visuell), Hygiene auf hohem und nachweisbarem Niveau, sowie soziale Teilhabe und Würde durch geeignete Aufenthalts‑ und Begegnungsräume.

Die Nutzung von Krankenhausgebäuden durch ältere, multimorbide und kognitiv eingeschränkte Patientinnen und Patienten verschärft klassische Spannungsfelder des FM:

  • Komfort: Thermischer Komfort verlangt stabile Temperaturen, geringe Zugluft und ausreichende Luftfeuchte; akustischer Komfort erfordert niedrige Lärmpegel und kurze Nachhallzeiten (besonders nachts); visueller Komfort entsteht durch ausreichende, blendarme Beleuchtung und klare Kontraste. Möblierung muss ergonomisch und mobilitätshilfenkompatibel sein. Aufenthaltszonen fördern soziale Interaktion und reduzieren Unruhe. Ein delirpräventives Umfeld (Tageslicht, Orientierungshilfen, Reduktion unnötiger Reize) unterstützt klinische Ergebnisse.

  • Sicherheit: Sturzprävention beginnt mit rutschhemmenden Böden, durchgehenden Handläufen, schwellenarmen Übergängen, Nacht‑Orientierungslicht und gut erreichbar angeordneten Bedienelementen. Leit‑ und Orientierungssysteme minimieren Verirren und Wegverluste. Brandschutz und Evakuierung müssen auf eingeschränkte Mobilität und Kognition ausgelegt sein (z. B. horizontale Evakuierung, technisch unterstützte Alarmierung, Evakuierungshilfen, übungsgestützte Szenarien). Zutritts‑ und Ortungssysteme (RTLS) sind so zu gestalten, dass Schutzbedarfe (z. B. Weglauftendenz) und Selbstbestimmung in Balance bleiben.

  • Hygiene: Ältere, multimorbide Menschen sind infektionsvulnerabel. Konsequenzen sind die konsequente Qualitätssicherung von Raumluft (z. B. definierte Luftwechsel, Filterkonzepte), Trinkwasser (z. B. stagnationsarme Installationen, Temperaturführung, Monitoring), Flächenhygiene (prozessorientierte Reinigung/Desinfektion nach festgelegten Leistungsprofilen), Speisenhygiene (HACCP‑basiert) sowie die sichere Aufbereitung von Medizinprodukten (validierte Prozesse, Rückverfolgbarkeit). Material‑, Wäsche‑ und Abfallflüsse sind strikt zu trennen und zeitlich/baulich so zu organisieren, dass Kreuzkontaminationen vermieden werden.

  • Betriebsdurchführung im laufenden Krankenhaus: Umbauten, Revisionen und Störungsbeseitigungen müssen unter Aufrechterhaltung der Patienten‑ und Betriebssicherheit erfolgen. Staub‑, Lärm‑ und Keimschutz, temporäre Umleitungen, Zonierungen und Kommunikationsmanagement sind zu beherrschen. Redundanzen und Notfallvorsorge (Strom, Wasser, Klima, IT) sichern die Resilienz.Demografische Entwicklung und Auswirkungsfelder

Der DACH‑Raum durchläuft eine demografische Transformation, deren Tempo und Tiefe für die Krankenhausversorgung präzedenzlos sind. Drei makrodemografische Tendenzen sind besonders relevant:

  • Alterung der Bevölkerung: Der Anteil der über 65‑Jährigen steigt bis Mitte des Jahrhunderts deutlich; die Gruppe der Hochaltrigen (80+) wächst am stärksten. Für Deutschland wird ein Anteil 65+ im Bereich knapp unter einem Drittel erwartet, parallele Entwicklungen zeigen sich in Österreich und der Schweiz. Die 80+‑Kohorte wird sich in vielen Regionen bis 2040 nahezu verdoppeln.

  • Verschiebung der Krankheitslast: Mit höherem Alter verschiebt sich das Krankheitsbild von akuten zu chronisch‑degenerativen Erkrankungen, verbunden mit Multimorbidität, funktionellen Einschränkungen und Polypharmazie.

  • Regional differenzierte Dynamik: Ländliche Räume und strukturschwächere Regionen altern schneller und verlieren gleichzeitig Pflege‑ und Gesundheitsfachkräfte. Dies verschärft Versorgungsengpässe und erhöht die Anforderungen an ein robustes Facility‑Management (FM).

Für Krankenhäuser bedeutet dies steigende Fallzahlen älterer Menschen, eine höhere Belegungsdichte mit längeren Verweildauern und eine Veränderung der klinischen und infrastrukturellen Bedarfsprofile über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude und Anlagen hinweg.

Die demografische Alterung geht mit einer doppelten Last („Double Burden“) einher:

  • Chronische Erkrankungen: Herz‑Kreislauf‑, Stoffwechsel‑ und muskuloskelettale Erkrankungen sowie chronisch obstruktive Lungenerkrankungen nehmen im Alter zu. Multimorbidität (zwei und mehr chronische Leiden) betrifft die Mehrheit der 65+‑Bevölkerung und ist bei Hochaltrigen die Regel. Dies erhöht Anfälligkeit für Komplikationen, verlängert diagnostische und therapeutische Prozesse und steigert Anforderungen an Monitoring, Logistik und Hygiene.

  • Demenz und kognitive Einschränkungen: Bereits heute leben im DACH‑Raum weit über zwei Millionen Menschen mit Demenz; Projektionen deuten bis 2050 auf einen Zuwachs um 50–80 %. In Akutkliniken tritt Demenz häufig als Nebendiagnose auf, zudem ist das Delirrisiko in der hospitalisierten geriatrischen Population hoch. Kognitive Beeinträchtigungen modifizieren praktisch jeden Prozessschritt – von der Aufnahme über die Diagnostik bis zur Entlassung – und verlangen demenzsensible Umgebungen und Abläufe.

Die Kombination beider Trends führt zu komplexeren, länger dauernden und risikoreicheren Behandlungsverläufen, die in besonderer Weise von der Qualität der gebauten und betriebenen Umgebung abhängig sind.

Um den Bedarfen älterer und kognitiv eingeschränkter Menschen gerecht zu werden, entwickeln sich differenzierte Pflegesettings, die jeweils eigene Anforderungen an Flächen, Technik und Abläufe stellen:

  • Akutgeriatrie: Spezialisierte Stationen für ältere, multimorbide Patientinnen und Patienten mit strukturierter geriatrischer Diagnostik (CGA) und interprofessioneller Therapie. Typisch sind höhere Ein‑/Zweibettzimmeranteile, kurze Wege, großzügige und sichere Sanitärbereiche, Therapieräume auf Station, wohnliche Aufenthaltszonen und eine sturzpräventiv gestaltete Umgebung.

  • Demenzsensible Stationen und geschützte Bereiche: Architektonische und organisatorische Maßnahmen fördern Orientierung (Farben, Kontraste, Landmarken), Sicherheit (balancierte Zugangs‑/Austrittssysteme), Tagesstruktur (licht‑ und tagesrhythmusorientierte Konzepte) und soziale Teilhabe (Gemeinschaftsbereiche, Bewegungsräume). Geschützte Einheiten benötigen ausgefeilte Zutritts‑ und Alarmkonzepte ohne Stigmatisierung.

  • Gerontopsychiatrie/Psychiatrie: Für Verhaltenssymptome, Delirmanagement oder gerontopsychiatrische Behandlungen sind deeskalationsfähige, robuste und zugleich wohltuende Umgebungen erforderlich. Sichtbeziehungen, Rückzugsmöglichkeiten, kontrollierbare Reize, sichere Möblierung und flexible Sicherheitszonen spielen eine zentrale Rolle.

  • Geriatrische Rehabilitation: Entweder als frührehabilitative Einheiten in Akuthäusern oder als nachgelagerte Rehakliniken. Erforderlich sind großzügige Therapiezonen (Physio‑, Ergo‑, Logopädie), Übungsflächen (Treppen, Gehparcours), wohnortnahe Entlass‑ und Transferlogistik sowie gut vernetzte Material‑ und Hilfsmittelbereitstellung.

Zwischen den Settings sind nahtlose Übergänge essenziell: Das Entlass‑ und Transfermanagement, die sichere Kommunikations‑ und Transportlogistik (inkl. Verlegung zwischen Einrichtungen) und die verlässliche Versorgung mit Sterilgut, Medikamenten und Hilfsmitteln sind entscheidende Erfolgsfaktoren.

Die demografische Entwicklung beeinflusst Kapazitäts- und Flächenbedarfe in mehrfacher Hinsicht:

  • Verweildauer und Bettenumschlag: Ältere Patientinnen und Patienten haben im Mittel längere Verweildauern als jüngere. Dies senkt den Bettenumschlag und erhöht den Bedarf an Bettentagen pro Fall.

  • Einbettzimmerquote: Ein höherer Anteil an Einbettzimmern verbessert Infektionsprävention, Privatsphäre und Delirprävention. International ist ein Trend zu hohen Einbettanteilen (50–100 %) erkennbar; in DACH wird vielerorts auf 50–70 % und darüber hinaus umgebaut.

  • Hygiene‑ und Isolationskapazität: Der Bedarf an isolationsfähigen Zimmern (Einbettzimmer mit Schleuse, ggf. Druckdifferenz‑Regime) steigt. Flexibel umrüstbare Zimmer (Normalbetrieb/Isolationsbetrieb) erhöhen die betriebliche Resilienz.

  • Therapie‑ und Aufenthaltsflächen: Geriatrie und Demenzversorgung benötigen spürbar mehr Therapie‑, Aufenthalts‑ und Bewegungsflächen direkt auf der Station (z. B. 6–10 m² Therapienutzfläche pro Bett als Planungsrichtwert, zusätzlich 1,5–2 m² Aufenthaltsfläche pro Bett).

  • Verkehrs- und Nebenflächen: Größere Wendekreise, durchgehende Handläufe, Abstellflächen für Mobilitätshilfen und Hilfsmittel, erweiterte Lager‑ und Reinigungsräume sowie Schleusenflächen für Hygieneprozesse führen zu höheren Flächenquoten je Bett im Vergleich zu Standardstationen.

Beispielrechnungen: Bettenumschlag und Bettenbedarf

Zur Quantifizierung dienen etablierte Kennziffern. Bettenbedarf B ergibt sich aus Fällen (F), Verweildauer (LOS), Auslastung (A) und 365 Betriebstagen:

B = (F × LOS) / (365 × A)

  • Beispiel 1: 20‑Betten‑Akutgeriatrie mit 85 % Auslastung und mittlerer Verweildauer von 14 Tagen. Jährlich verfügbare Bettentage: 20 × 365 × 0,85 = 6.205. Fallkapazität: 6.205 / 14 ≈ 443 Fälle/Jahr. Eine internistische Vergleichsstation mit LOS 7 Tagen hätte bei gleicher Bettenzahl ≈ 886 Fälle/Jahr. Das zeigt den kapazitiven Druck längerer Verweildauern.

  • Beispiel 2: 500‑Betten‑Haus mit 85 % Auslastung und 20.683 Fällen/Jahr (mittlere LOS 7,5 Tage). Steigt der geriatrische Fallanteil von 20 % (LOS 12 Tage) auf 30 % bei gleicher Gesamtfallzahl, erhöhen sich geriatrische Bettentage von 49.644 auf 74.460; das sind +24.816 Bettentage. Um dies bei 85 % Auslastung zu bewältigen, wären rund 80 zusätzliche Betten erforderlich – alternativ entsprechende Effizienz‑ und LOS‑Reduktionen, eine Umwidmung von Mehrbett‑ zu Einbettzimmern mit höherer Auslastungssteuerung oder Erweiterungen der Übergangspflege.

Diese Modellrechnungen verdeutlichen

Kleine Veränderungen im Mix und in der Verweildauer haben große Auswirkungen auf die physische Kapazität und die betriebliche Planung.

Mit der gestiegenen Pflegeintensität und dem höheren Assistenzbedarf (Mobilisation, Ernährung, Delirprävention, Kommunikation) steigt der Personalbedarf in der Pflege und in den unterstützenden Services:

  • Pflegezeitbasierte Abschätzung: Der direkte Pflegezeitbedarf pro Patiententag (PPD) liegt in der Geriatrie typischerweise über dem internistischen Durchschnitt. Angenommen werden 270 Minuten PPD in der Geriatrie gegenüber 210 Minuten auf einer allgemeinen Station. Für die 20‑Betten‑Station aus Beispiel 1 (6.205 Patiententage/Jahr) ergibt die Differenz von 60 Minuten PPD einen Mehrbedarf von 6.205 Stunden/Jahr. Bei 1.600 produktiven Stunden pro FTE entspricht dies rund 3,9 zusätzlichen FTE in der direkten Pflege – zusätzlich zu Grundbesetzung, Nacht‑/Wochenendfaktoren und Funktionszeiten. Insgesamt resultiert häufig ein zweistelliger FTE‑Mehrbedarf je geriatrischer Station.

  • Unterstützende Bereiche: Reinigung/Desinfektion (höhere Frequenzen, differenzierte Leistungsprofile), Speisenlogistik (konsistenzadaptierte Kost, Begleitassistenz), Transportdienste (sichere Patientenwege), Physiotherapie/Ergotherapie (höhere Präsenz auf Station) und AEMP‑Logistik (höhere Fallkomplexität) müssen proportional mitwachsen. Personal‑ und Schichtmodelle sind an geriatrische Spitzenlastkurven (morgendliche Grundpflege, Therapiefenster) anzupassen.

Für das FM sind diese Kennziffern Grundlage der Service‑Level‑Definition (SLA), der Personaldisposition und der Qualifikationsplanung (Geriatrie‑, Demenz‑ und Hygienekompetenzen).

Ältere, multimorbide Patientinnen und Patienten sind überproportional von Infektionen und multiresistenten Erregern betroffen; Demenz erschwert zudem Compliance in Hygieneschritten. Planerisch und betrieblich ergeben sich daraus:

  • Einbett‑ und Isolationskapazität: Ein hoher Einbettanteil erleichtert Basishygiene und Delirprävention. Zusätzlich sind isolationsfähige Zimmer mit Schleuse und aufrüstbaren technischen Komponenten (z. B. Druckdifferenzsteuerung, eigenständige Sanitärbereiche) erforderlich. Orientierungswerte aus Praxisprogrammen liegen – abhängig von Versorgungsauftrag – bei 10–20 % isolationsfähigen Betten je Haus, ergänzt durch flexible Umrüstbarkeit weiterer Einheiten.

  • Modellrechnung Isolation: Aus Beispiel 2 resultieren 74.460 geriatrische Bettentage/Jahr. Geht man konservativ von 10 % isolationspflichtigen Bettentagen aus, entstehen 7.446 Isolations‑Bettentage. Bei 85 % Auslastung erfordert dies im Mittel rund 24 Isolationsbetten – oder eine äquivalente Anzahl flexibler Einbettzimmer, die temporär als Isolationszimmer betrieben werden können.

  • Betriebliche Konsequenzen: Isolationszonen benötigen erweiterte Reinigungs‑ und Desinfektionsleistungen, gesteuerte Materialflüsse (Zutritt/Abgabe), klare Wegführung und Schulung des Personals. Bauliche und organisatorische Redundanzen sind vorzusehen, um Ausfälle von Zimmern durch Sanierungen/Schließungen kompensieren zu können.

Praxisnahe Ableitungen für geriatrie‑

  • Barrierefreiheit plus Demenzsensibilität: DIN 18040 konform planen und um demenzspezifische Orientierungshilfen erweitern; Dokumentation der Abweichungen und Kompensationsmaßnahmen im Brandschutz/Gebäudebetrieb.

  • Hygiene auf hohem Schutzniveau: Kombinierte Anwendung von DIN 1946‑4, VDI 6022, DIN EN 806/1717 und DVGW W 551; abgestufte Isolationskonzepte (baulich/organisatorisch) unter Einbindung KRINKO; prozesssichere Reinigung nach DIN 13063.

  • Sichere Aufbereitung: AEMP‑Prozesse strikt nach DIN EN 285, ISO 17665, ISO 15883 validieren; Personalqualifikation und Rückverfolgbarkeit sicherstellen; Last‑ und Medienüberwachung mit CAPA‑Logik.

  • Resiliente IT/OT‑Infrastruktur: ISMS nach ISO/IEC 27001, OT‑Security nach IEC 62443; Einbindung in KRITIS‑Compliance; Redundanz‑ und Notfallkonzepte (Strom/Wasser/IT) mit regelmäßigen Tests.

  • Betreiberpflichten im Umbau: MLAR‑konforme Leitungsführung, brandschutztechnische Abschottungen, Bauhygiene‑Freigaben, Temporärmaßnahmen (Wegeführung, Filter/Unterdruck, Staubschutzwände) und Behördenkommunikation.

Eine demenzsensible Architektur verbindet Sicherheit mit Autonomieerhalt. Ziel ist eine kognitiv „lesbare“ Umgebung, die Orientierung fördert und Stressoren minimiert.

  • Raumorientierung und Wegeführung

  • Überschaubare, logisch sequenzierte Grundrisse mit klaren Blickachsen; Vermeidung von Sackgassen.

  • Rundläufe („Loop-Layouts“) für Mobilitätsdrang mit gut sichtbaren Bezugspunkten; Aufenthaltsnischen als „Anker“.

  • Eindeutige Adressbildung für Zimmer und Funktionsräume (z. B. individuelle Memory-Boxen, persönliche Elemente an der Zimmertür).

  • Trennung rein/unrein und Besucher-/Patientenströme ohne komplexe Kreuzungen.

Farb- und Materialkonzept

  • Kontrastierende, aber ruhige Farbwelten zur Differenzierung von Boden/Wand/Tür/Handlauf; starke Muster und Glanzgrade vermeiden (optische Irritationen, „Stolperfallen“).

  • Türen zu Personal- und Technikräumen visuell zurücknehmen; relevante Türen (Sanitär, Aufenthaltsräume) kontrastreich kennzeichnen.

  • Bodenbeläge mit homogener, matter Oberfläche, rutschhemmend, fugenarm und reinigungsrobust; keine dunklen Matten/Schwarzfelder, die als „Löcher“ wahrgenommen werden können.

Lichtkonzept (delirpräventiv, tagesrhythmusfördernd):

  • Hoher Tageslichtanteil, Blendung vermeiden (gleichmäßige Leuchtdichteverteilung, UGR niedrig).

  • Circadiane Lichtführung: morgens/ tagsüber höhere Beleuchtungsstärken und blauer Spektralanteil, abends warmweiß und gedimmt. Referenzwerte: Aufenthaltsbereiche tagsüber 300–500 lx (horizontal), Flure 200–300 lx; Nachtorientierung 5–20 lx bodennah.

  • Leuchtdichten zur Wegführung nutzen (markierte Handläufe, beleuchtete Türgriffe, Nachtlichtpfade zum Sanitärraum).

Signaletik und Informationsdesign:

  • Reduzierte, konsistente Piktogramme mit hohem Kontrast; klare, große Typografie.

  • Mehrkanalige Orientierung (visuell, taktil, ggf. akustisch), redundanzarm und stimmig zur Farbwelt.

  • „Wegweiser mit Zielcharakter“ (z. B. Cafeteria-Symbol plus Farbstreifen am Boden/Handlauf).

Zimmer- und Sanitärgestaltung:

  • Gut erkennbare Sanitärzugänge, WC-Sitz und Spülung farblich abgesetzt; Haltegriffe kontrastreich.

  • Spiegel sparsam und blendfrei; Möglichkeit, Spiegel temporär abzudecken (bei Verunsicherung).

  • Sichtbezüge ins Freie, persönliche Gegenstände sichtbar platzierbar, akustisch beruhigte Umgebung.

Außenräume:

  • Gesicherte, barrierefreie Gärten/Innenhöfe mit Rundwegen, Sitzgelegenheiten und Orientierungspunkten (Bepflanzung, Skulpturen).

  • Schwellenarme Übergänge, rutschfeste Beläge, Schattenplätze.

Kardinalfehler sind visuelle Überladung, unruhige Böden, Spiegel-/Glasirritationen, unklare Wegeführung sowie mangelnde nächtliche Orientierung.

Barrierefreiheit ist Basis und im geriatrischen Kontext über die Mindestanforderungen hinaus umzusetzen.

  • Erschließung und Wege

  • Stufenlose Zugänge, Rampen ≤ 6 % Neigung, Podeste; Türen lichte Breite ≥ 90 cm, Flure ≥ 1,80 m (Begegnungsfall mit Hilfsmitteln).

  • Wendekreise Ø ≥ 150 cm an Knotenpunkten; durchgehende, griffige Handläufe beidseitig, kontrastreich und mit Tastmarken an Treppenanfang/-ende.

Aufzüge und Treppen:

  • Aufzugskabinen für Bett/Trage (z. B. 1,40 × 2,40 m) mit beidseitigen Handläufen; Bedienelemente in 85–110 cm Höhe, taktil/visuell gut erkennbar; akustische Ansage.

  • Treppen mit geschlossenen Setzstufen, kontrastierenden An- und Austrittsmarkierungen, blendfreier Beleuchtung.

Patientenzimmer und Sanitär:

  • Bewegungsflächen neben Bett und im Sanitärraum ≥ 120 cm; bodengleich befahrbare Duschen, Haltegriffe am WC und in der Dusche; Duschsitz.

  • Armaturen leichtgängig, Verbrühschutz; Ablagen und Notrufanlagen aus Sitz- und Liegeposition erreichbar.

Bedienelemente und Ausstattung:

  • Schalter, Rufanlagen, Thermostate, Desinfektionsspender in 85–110 cm Höhe; klar beschriftet, kontrastreich.

  • Abstellflächen für Rollatoren/Rollstühle in Fluren und Zimmern; Kabel- und Schlauchmanagement trittsicher.

Prüf- und Auditpraxis:

  • Barrierefrei-Checks im Bestand (z. B. Begehungschecklisten, Nutzer:innen‑Feedback), priorisierte Mängelbeseitigung; Dokumentation von Abweichungen und Kompensationsmaßnahmen.

Sicherheitseinrichtungen: Sturzprävention, Handläufe, Beleuchtung, Evakuierung

  • Sturzprävention

  • Rutschhemmende Böden in Verkehrs- und Sanitärflächen; matte Oberflächen, keine Höhenversprünge; schwellenlose Übergänge.

  • Handläufe durchgehend, gut greifbar, mit ausreichendem Wandabstand; Ecken abgerundet, Möblierung standfest.

  • Sitzgelegenheiten in Fluren (alle 20–30 m), Aufsteh‑freundliche Sitzhöhen; Kabel‑/Schlauchfreiheit, klare Bodenfarbe an Kanten/Absätzen.

Beleuchtungssicherheit:

  • Gleichmäßige Beleuchtungsniveaus ohne harte Hell-Dunkel‑Kontraste; Blendfreiheit, insbesondere auf glänzenden Flächen.

  • Nachtlichtpfade mit bodennaher, warmweißer Beleuchtung (Sturzreduktion, Delirprävention); automatische Präsenzschaltung im Sanitär.

Evakuierungs- und Brandschutzkonzepte:

  • Horizontale Evakuierung als Primärstrategie mit kurzen Distanzen in sichere Brandabschnitte; ausreichende Rauchabschnitte und druckdichte Türen.

  • Sprachalarmierung (SAA) mit klaren, ruhigen Botschaften; visuelle Alarme ergänzend (Hörminderung).

  • Evakuierungshilfen (Stühle/Matratzen), geschulte Teams, dokumentierte und geübte Szenarien für mobilitäts- und kognitiv eingeschränkte Personen.

  • Leitungsführung, Abschottung und Rettungswegsicherheit gemäß MLAR und landesrechtlichen Vorgaben; Notstromversorgung für Sicherheitsbeleuchtung, Rufanlagen, Aufzüge mit Evakuierungsfunktion.

Zutritts- und Schutzkonzepte:

  • Zielgenaue Sicherung sensibler Bereiche (z. B. geschützte Demenzeinheiten) mit unaufdringlichen Zutrittssystemen; Fluchtwege bleiben frei, keine faktische Fixierung.

  • Integration von Monitoringsystemen (z. B. Bett‑Ausstiegssensoren) in Rufanlagen; Datenschutz und Würde wahren.

Raumlufttechnik und Klimatisierung

  • Planungs- und Betriebsprinzipien

  • Raumklassen, Luftwechsel, Druckstufen und Filtration entsprechend Gesundheitsbereich und Nutzung; hygienische Planung und Betrieb nach anerkannten Regeln.

  • Allgemeine Pflegebereiche: ausreichend Frischluftzufuhr zur Einhaltung der CO₂‑Zielwerte (typisch ≤ 1.000 ppm), behutsame Luftströmungen (Zugluft vermeiden), zuverlässige Temperatur- und Feuchteregelung.

Luftwechsel und Druckregime:

  • Isolationsräume mit Schleuse: Unterdruck (Infektionsisolation) bzw. Überdruck (Schutzisolation) mit stabilen Differenzen und Überwachung; definierte Luftwechselraten und Filterstufen.

  • Flexible Umrüstbarkeit (normal/isolationsfähig) durch modulare RLT‑Zonen, variable Volumenstromregler und Drucküberwachung.

Filtration und Hygiene:

  • Vor- und Feinfiltration mit angemessenen Abscheidegraden, Filtermonitoring (Druckdifferenz), planmäßiger Wechsel.

  • Hygieneinspektionen und ‑wartungen gemäß anerkannten Hygieneanforderungen; Kondensatableitung, Reinigbarkeit und mikrobiologische Kontrolle.

Thermischer Komfort

  • Orientierung an Komfortnormen und geriatriespezifischer Physiologie

  • Ältere Menschen haben oft geringere thermische Toleranz und höhere Wärmebedarfe; komfortable Raumtemperaturen in Patientenzimmern meist 22–24 °C, in Bädern ggf. höher.

  • Luftfeuchte 40–60 % zur Schleimhautprotektion (sofern hygienisch vertretbar); Vermeidung von raschen Temperaturwechseln.

Systemwahl und Regelung:

  • Kombination aus Strahlungswärme (Fußboden-/Wandheizung) und geregelter Lüftung; sommerlicher Wärmeschutz (Verschattung, Nachtkühlstrategien).

  • Nutzernahe Bedienelemente mit einfachen Einstellungen; Begrenzung extremer Setpoints.

Schallschutz und Akustik

  • Anforderungen

  • Niedrige Hintergrundpegel in Zimmern und Fluren; kurze Nachhallzeiten in Aufenthaltsbereichen und Patientenzimmern (sprachliche Verständlichkeit, Schlafqualität).

  • Schalldämpfende Materialien (Decken, Wände), leise TGA‑Komponenten (Ventilatoren, Pumpen), entkoppelte Installationen; Soft‑Close‑Beschläge.

  • Alarm- und Signalmanagement

  • Reduktion akustischer Alarme durch priorisierte, differenzierte Alarmierung (optisch/akustisch); Vermeidung „Alarmmüdigkeit“.

Gebäudeautomation und Betriebsoptimierung

  • GA/GLT als Sicherheits- und Qualitätsinstrument

  • Kontinuierliches Monitoring von Klima‑, Luft‑ und Wasserparametern; Alarmierung bei Grenzwertüberschreitung.

  • Zustandsorientierte Wartung (Predictive Maintenance) für Lüfter, Pumpen, Ventile; Energieoptimierung ohne Hygiene‑/Komforteinbußen.

Trinkwasserhygiene, Legionellenmanagement, Betriebssicherheit

  • Planung und Installation

  • Stagnationsarme Netze (Ringleitungen/Zirkulation), dimensioniert nach realen Entnahmemustern; Werkstoffe mit geringer Biofilmneigung.

  • Schutz gegen Rückfließen gemäß DIN EN 1717; klare Trennung von Betriebsmedien (z. B. Heizungswasser/Trinkwasser).

Temperatur- und Durchflussführung:

  • Warmwasserbereitungs- und Verteiltemperaturen auf Legionellenkontrolle ausgelegt (z. B. ≥ 60 °C am Speicher, ≥ 55 °C an Entnahmestellen); Kaltwasser dauerhaft < 25 °C, besser < 20 °C.

  • Hydraulischer Abgleich der Zirkulation; regelmäßige Spülregime bei geringer Nutzung, bedarfsgesteuert über Ventile/Automatik.

Probenahme und Gefährdungsanalyse:

  • Festgelegte Probenahmepläne (Risikobereiche, repräsentative Entnahmestellen); qualifizierte Beprobung und Laboranalyse.

  • Maßnahmenpläne bei Grenzwertüberschreitung: Thermische Desinfektion, ggf. chemische Verfahren (unter Berücksichtigung von Werkstoffen), Ursachenanalyse (Hydraulik, Stagnation, Temperaturen).

Punktuelle Schutzmaßnahmen:

  • Temporäre Sterilfilter an Entnahmestellen in Hochrisikobereichen (z. B. Hämato‑Onkologie, Intensiv, geriatrische Hochrisiko‑Zonen) bei Ausbrüchen oder Sanierungen.

  • Dokumentation aller Eingriffe, Freigaben in Abstimmung mit Hygiene und Behörden.

Betriebssicherheit:

  • Redundante Erzeuger (Speicher/Erwärmer), Mess‑/Regeltechnik mit Plausibilitätsprüfungen; Leckage‑Monitoring.

  • Schulung von FM‑Teams zu hygienegerechter Armaturenpflege, Probenahme und Störfallmanagement.

Notwasserkonzepte und Versorgungsresilienz

  • Strategische Sicherstellung

  • Szenarienplanung für Versorgungsunterbrechungen (Störung, Kontamination, Netzausfall); Mindestmengenplanung pro Bett/Tag für Versorgung und Hygiene.

  • Redundante Einspeisepunkte und Abschalt-/Bypass‑Szenarien; Vorratsspeicher (technisch/hygienisch vertretbar) oder vertraglich geregelte Tankwagenversorgung.

Technische Optionen:

  • Mobile Aufbereitungsanlagen (Ultrafiltration, UV) als temporäre Maßnahme; Notentnahmestellen mit klarer Kennzeichnung.

  • Priorisierung von Funktionsbereichen und Aufrechterhaltung kritischer Prozesse (AEMP, OP‑nahe Bereiche) über definierte Notfallleitungen.

Betrieb und Kommunikation:

  • Alarmpläne, Informationsketten (intern/extern), Ersatzmaßnahmen für Patientenversorgung (Einwegprodukte, Wasserrestriktionen) in Abstimmung mit Hygiene.

  • Übungen und Nachbereitung (Lessons Learned), Aktualisierung der Notfallhandbücher.

Betriebssicherheit, Instandhaltung und Nachweisführung

  • Prüf- und Wartungsorganisation

  • Anlagenkataster für RLT, Wärme/Kälte, Trinkwasser, Aufzüge, Sicherheitsstrom, Brandmeldetechnik; definierte Prüfarten und ‑fristen.

  • Hygieneinspektionen RLT in festgelegten Intervallen; Trinkwasser‑Beprobung gemäß Plan; Dokumentation revisionssicher (CAFM/GLT).

Zustandsüberwachung und Daten:

  • Sensorik für Temperatur, Feuchte, CO₂, Druckdifferenzen, Volumenströme, Wasser‑Temperaturen und -Durchflüsse; Dashboards mit Alarming und Trendanalysen.

  • Nutzung von Predictive‑Analytics zur Früherkennung (z. B. Filterverblockung, Pumpenvibrationen, Temperaturdrift).

Änderungen und Umbauten im Betrieb:

  • Bauhygiene‑Konzepte (Staub-/Keimschutz, Unterdruckzonen, Schleusen), MLAR‑konforme Leitungsdurchführungen, Freigaben durch Hygiene/Brandschutz/Technik.

  • Requalifizierung nach Eingriffen (z. B. RLT‑Leistungsprüfung, Wasser‑Spül-/Probenpläne, Raumklima‑Abnahmen).

Schulung und Kultur:

  • Technisch‑hygienische Fachkunde der Teams, klare SOPs, „Permit‑to‑Work“ mit Hygiene‑ und Brandschutzfreigaben.

  • Meldekultur für Beinahe‑Ereignisse, strukturierte Ursachenanalyse (Root Cause), CAPA‑Verfolgung.

Anspruch

Hard‑FM‑Leistungen bilden die physisch‑technische Basis einer alters‑ und demenzsensiblen Versorgung. Demenzgerechte Architektur, konsequente Barrierefreiheit, sturz- und brandschutzsichere Ausstattungen, hygienegerechte RLT‑ und Trinkwassertechnik sowie resiliente Notwasser‑ und Betriebsstrategien greifen ineinander. Sie sind wirksam, wenn sie durch datenbasierte Betriebsführung, qualifizierte Teams und auditfeste Nachweisführung gestützt werden. So entsteht eine Umgebung, die Sicherheit, Hygiene und Komfort gleichermaßen gewährleistet – und damit einen messbaren Beitrag zu Ergebnisqualität, Patientenerlebnis und Resilienz des Krankenhauses leistet.

Betreiberpflichten für Medizintechnik nach MPDG/MPBetreibV

Der sichere Betrieb medizinischer Geräte im Krankenhaus ist ein kernverantwortlicher Bestandteil des Klinik-FM und des Medizintechnikmanagements. Die Betreiberpflichten ergeben sich im Wesentlichen aus dem Medizinprodukterecht der EU (MDR) und seiner nationalen Umsetzung (MPDG) sowie aus der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV).

  • Governance und Lebenszyklus

  • Geräte- und Anlagenkataster mit eindeutiger Identifikation (inkl. UDI, Seriennummer), Zustands- und Nutzungsdaten, Zubehör- und Softwarestand.

  • Beschaffung und Inbetriebnahme gemäß Herstellerangaben, Risikobewertung des Einsatzkontexts (z. B. geriatrische Stationen, Isolationsbereiche), Funktions- und Sicherheitstests vor Freigabe.

  • Betriebsdokumente: Gebrauchsanweisungen in erreichbarer Form, SOPs, Checklisten, Notfall- und Eskalationspfade.

Prüf- und Instandhaltungspflichten:

  • Instandhaltungsstrategie risikobasiert (präventiv, zustandsorientiert, korrektiv) nach Herstellerangaben; Fristenüberwachung im CAFM/Medizintechnik-CMMS.

  • Sicherheitstechnische Kontrolle (STK) und Messtechnische Kontrolle (MTK) für entsprechend gekennzeichnete Geräte; Nachweisführung, Sperrkonzepte bei Fristversäumnis oder Mängeln.

  • Änderungs- und Patchmanagement (Hard-/Software), Funktionsprüfungen nach Eingriffen, Requalifizierung bei Konfigurationswechseln.

Qualifikation, Nutzung, Vigilanz:

  • Anwenderschulungen und Unterweisungen (Erstinbetriebnahme, Refreshers), dokumentierte Einweisung der Nutzenden.

  • Meldesystem für Vorkommnisse (Vigilanz), Rückrufe/Field Safety Notices, CAPA-Management; Sperrung betroffener Geräte bis zur Abklärung.

  • IT-/OT-Sicherheit in Kooperation mit ISMS/OT-Security (z. B. Zugangs- und Netzwerkhärtung vernetzter Geräte).

Schnittstellen:

  • Enge Abstimmung mit Hygiene (z. B. Aufbereitungskonzepte, Flächendesinfektion), Pflege/Medizin (Anwendungsstandards), AEMP (Sterilgutkreislauf), Logistik (Verfügbarkeit), IT (Integration/Updates).

Geriatrische und demenziell erkrankte Menschen stellen erhöhte Anforderungen an Sicherheit, Usability und Verfügbarkeit lebenserhaltender und überwachender Systeme.

  • Verfügbarkeit und Redundanz

  • Sichere Energieversorgung (USV/Notstrom) für Monitore, Infusions-/Spritzenpumpen, Sauerstoffversorgung, Absaugung, Beatmungs-/CPAP-Geräte; Batteriemanagement mit definierten Wechselzyklen.

  • Stationsnahe Geräte-Depots mit Mindestbeständen; RTLS/Asset-Tracking zur Vermeidung von Suchzeiten und Unterbrechungen.

Usability und Human Factors:

  • Intuitive Bedienoberflächen, große, gut ablesbare Anzeigen; klare Alarmpriorisierung und -differenzierung (Reduktion unnötiger Alarme).

  • Mechanische Sicherungen gegen unbeabsichtigtes Bedienen (z. B. Tasten-/Türverriegelungen) bei Weglauftendenz oder kognitiver Desorientierung.

  • Ergonomische Halterungen, standsichere Rollgestelle, zugentlastetes Schlauch- und Kabelmanagement (Sturz- und Dekubitusprophylaxe).

Klinische Besonderheiten:

  • Fragile Haut und Weichteile: hautfreundliche Interfaces (Nasenbrillen, Masken), regelmäßige Lagewechsel, Polsterungen.

  • Polypharmazie und Delirrisiko: sichere Infusions- und Spritzenpumpen mit Bibliotheken (Drug Libraries), Doppelkontrolle bei Hochrisiko-Medikamenten.

  • Mobilitätsförderung trotz Technik: mobile Monitoringlösungen, kabelfreie oder kabelflexible Konzepte, sichere Transferprotokolle (Begleitung, Fixierung ohne Zwang).

Sicherheit im Umfeld:

  • Sauerstoff- und Brandrisiko: klare Rauchverbote, Kennzeichnung, Lager- und Leitungsprüfung; Schulung zu Brandlasten im Patientenumfeld.

  • Infektionsprävention: Geräte- und Flächendesinfektion gemäß Kompatibilität, definierte Aufbereitungswege für wiederverwendbare Komponenten (z. B. Atemschläuche, Sensoren).

Anspruch

Ein geriatrie- und demenzsensibles Medizintechnik- und AEMP-Management verbindet normkonforme Betreiberpflichten mit hoher Usability, Redundanz und lückenlos validierten Aufbereitungsprozessen. Lebenserhaltende Geräte müssen verlässlich, intuitiv und sicher in einer Umgebung funktionieren, die Sturz-, Delir- und Infektionsrisiken minimiert. Die AEMP stellt mit klaren Zonen, validierten RDG-/Sterilisationsprozessen und belastbarer Rückverfolgbarkeit die sterile Verfügbarkeit sicher. Digitale Werkzeuge (CMMS, AEMP-Software, RTLS) ermöglichen Transparenz und Effizienz; qualifizierte Teams und geübte Schnittstellen sichern die Umsetzung im Alltag. So wird technische Sicherheit zur klinischen Sicherheit – messbar in Qualität, Hygiene und patientenzentriertem Betrieb.

Rolle des Soft FM im geriatriesensiblen Krankenhaus

Soft-FM-Leistungen – Reinigung/Desinfektion, Speisenversorgung, Wäsche-/Abfalllogistik, Patienten- und Materialtransporte, Sicherheits- und Empfangsdienste – prägen das tägliche Erleben von Patientinnen und Patienten und stellen zugleich zentrale Hygienebarrieren dar. Mit zunehmender Alterung der Klientel verschieben sich die Anforderungen: mehr Reinigungs- und Desinfektionssensibilität, konsistenz- und nährwertadaptierte Ernährung, diskrete Schutz- und Überwachungssysteme sowie eine auf kognitive und sensorische Besonderheiten abgestimmte Dienstleistungserbringung. Soft FM wird damit zum Mitgestalter von Sicherheit, Würde und klinischen Outcomes.

Klinikreinigung und Desinfektion mit geriatrischem Fokus

  • Prozess- und Normenorientierung (DIN 13063)

  • Raumklassifizierung mit risikobasierten Leistungsprofilen (Unterhalts-, Zwischen-, Schlussreinigung; desinfizierende Reinigung in definierten Bereichen).

  • Standardoperationen (SOP) für Flächen, Sanitär, Kontaktpunkte; geregelte Häufigkeiten und Verfahren; Einwirkzeiten und Materialkompatibilität.

  • Qualifikation, Nachweisführung und kontinuierliche Verbesserung: Sichtprüfung, fluoreszierende Indikatoren/ATP-Schnelltests als begleitende Wirksamkeitskontrollen; Abweichungs- und CAPA-Management.

Geriatriespezifische Anforderungen:

  • Geräusch- und Reizarmut: leise Reinigungsverfahren, zeitlich auf Ruhephasen abgestimmte Einsätze; Vermeidung intensiver Gerüche (chemische Irritation, Delirtrigger).

  • Rutschprävention: Auswahl rutschhemmender Beläge und kompatibler Reinigungsmittel; kontrollierte Feuchtigkeitsabgabe (keine „nassen Bahnen“); Kennzeichnung und Absicherung bei unvermeidbarer Nässe.

  • Kontaktflächenfokus: Bettseitige Flächen, Nachttische, Rufanlage, Tür-/Fenstergriffe, Handläufe, Sanitärarmaturen; erhöhte Frequenzen in Hochrisikobereichen und bei Ausbrüchen.

  • Demenzsensibilität: sichtbare, aber nicht beunruhigende Präsenz des Reinigungspersonals; simple, wiedererkennbare Kennzeichnung; kurze, nachvollziehbare Interaktion.

Organisation und Schnittstellen:

  • Enge Kopplung an Isolations- und Entlassprozesse: Trigger aus dem KIS/Bettenmanagement starten Turnaround-Workflows (inkl. Isolationsfreigabe).

  • Bauhygienemanagement bei Umbau im Betrieb: Schleusen-/Zonenkonzepte, Staub-/Keimschutz, Freigaben vor Wiederbelegung.

  • Material- und Textilmanagement: klare Trennung rein/unrein, farbcodierte Systeme, definierte Wagenhygiene; Lagerung nahe am Einsatzort bei zugleich kontrollierter Kontaminationsprävention.

Qualität und KPI:

  • Zielwerte z. B. Turnaround-Zeit Normalzimmer ≤ 60 min, Isolationszimmer ≤ 120 min; Reinigungsqualitäts-Score ≥ definierter Schwelle; Abweichungsquote < Zielwert; Audit-Compliance > 95 %.

  • Korrelation mit Hygienefolgemetriken (z. B. Isolationsbereitstellungszeit, Ausbruchsdauer) im QM-Review.

Einsatz neuer Technologien

  • Roboterassistierte Bodenreinigung

  • Autonome bzw. semi-autonome Reinigungsgeräte für Flure/Standardflächen; Integration in Dienstpläne (Nacht-/Randzeiten) zur Lärmreduktion; telemetriebasierte Flächen- und Leistungsnachweise.

  • Nutzen: gleichmäßige Qualität, Entlastung schwerer Tätigkeiten (Ergonomie), dokumentierte Flächenabdeckung.

UVC-basierte Zusatzdesinfektion:

  • Indikation: ergänzende, validierte Raumdesinfektion in definierten Situationen (nach Ausbrüchen, Entlassung aus Isolationszimmern) als Add-on zur manuellen Reinigung.

  • Sicherheits- und Prozessrahmen: Zutrittsüberwachung, Raumfreimeldung, Abschattungskontrolle, standardisierte Programmläufe, Nachweisführung; Anwendung nur durch geschultes Personal nach Freigabe.

  • Grenzen: kein Ersatz für mechanische Reinigung; Material-/Schattenproblematik; sorgfältige Eignungsprüfung je Raumtyp.

Sensorik und digitale Qualitätssicherung:

  • ATP-/Fluoreszenz-Screenings als Stichprobe; CO₂/TVOC/Luftqualitätsdaten als Komfort-/Hygieneproxys in Aufenthaltsbereichen.

  • CAFM-gestützte Einsatzplanung, mobile Checklisten, Fotodokumentation, Echtzeit-Feedback an Stationen; Dashboards mit SLA-Status.

Chemie- und Verfahrenstechnologie:

  • Materialverträgliche, nachweislich wirksame Desinfektionsmittel mit klarem Wirkprofil; Training zur richtigen Anwendung und Vermeidung unnötiger Duft-/Reizstoffe.

  • Gezielte, validierte Verfahren für Sonderflächen (z. B. Matratzenoberflächen, Polster, Handläufe) im geriatrischen Umfeld.

Speisenversorgung: Diätetik für Geriatrie, HACCP und Essenslogistik

  • Ernährungsmedizinische Leitplanken

  • Zielgrößen: ausreichende Energie- und Proteinaufnahme (Sarkopenieprävention), Mikronährstoffdeckung, Dehydratationsprophylaxe; Berücksichtigung von Kau-/Schluckstörungen, Diabetes, Herz-/Niereninsuffizienz.

  • Konsistenzadaptation: Orientierung an standardisierten Stufen (z. B. IDDSI); passierte/soft bite-sized Kost, angedickte Getränke; sensorische Attraktivität (Farbe, Form) trotz Anpassung.

  • Demenzsensibilität: Essbiografien, bekannte Geschmacksprofile, Fingerfood-Optionen zur Förderung der selbstständigen Aufnahme; ruhige, strukturierte Essensumgebung.

HACCP- und Hygienemanagement:

  • Gefahrenanalyse entlang des gesamten Speisenflusses (Produktion, Transport, Ausgabe); definierte CCPs (Temperaturführung, Kühlkette, Regenerationszeit, Warmhaltezeiten).

  • Allergenkennzeichnung, Sonderkostprozesse, Kreuzkontaminationsprävention; Personalhygiene und Schulung.

  • Monitoring: Temperatur-Logger, Chargen- und Rückverfolgbarkeit, Abweichungsmanagement mit CAPA.

Produktions- und Distributionsmodelle:

  • Cook & Chill/Cook & Freeze: Flexibilisierung, konstante Qualität, bessere Personalsteuerung; sorgfältiges Regenerationsmanagement nahe am Patienten zur Wahrung der Textur/Konsistenz.

  • Cook & Serve: in ausgewählten Bereichen (z. B. Geriatrie-Station mit hoher Unterstützungsleistung) zur Maximierung der Frische und Akzeptanz – unter Berücksichtigung der Logistik- und Hygienerestriktionen.

Essenslogistik am Bett:

  • Zeitfensterabstimmung mit Pflege/Therapie (Einnahmeunterstützung, Medikamentengaben); kurze Wege und stabile Temperaturen (isolierte Tablettsysteme).

  • Unterstützungsangebote: Serviceteam hilft bei Anrichten/Schneiden; geeignete Hilfsmittel (rutschfeste Unterlagen, ergonomisches Besteck, hohe Tassen mit Deckel).

  • Feedbackschleifen: Erfassung von Restmengen, Gründen der Ablehnung (Geschmack, Temperatur, Konsistenz), Anpassung der Menüs; regelmäßiges Screening auf Mangelernährung (z. B. NRS) und diätetische Intervention.

KPI und Qualität:

  • Ausgabepünktlichkeit ≥ Zielwert; Temperatur-Compliance > 95 %; Restmengenrate ↓; Anteil protein-/energieangereicherter Kost bei Risikopatienten ↑; Patientenzufriedenheit Essen ↑.

  • Auditierung der HACCP-Prinzipien, Rückverfolgbarkeit und Mikrobiologie nach Plan.

Sicherheit und Überwachung: RTLS, Zutrittskontrolle, Sturzmelder

  • RTLS/Asset-Tracking

  • Ortung von mobilen Geräten (Pumpen, Monitore, Betten) zur Verfügbarkeitssicherung; Reduktion von Suchzeiten und Überbeständen; Integration in Helpdesk/Transportdisposition.

  • Patientenbezogene Anwendungen (auf geriatrischen/demenzsensiblen Einheiten) nur mit klarer Indikation, informierter Einwilligung bzw. rechtlicher Grundlage, datenschutzkonformer Ausgestaltung und klinisch definiertem Nutzen (z. B. Schutz bei Weglauftendenz).

Zutrittskontrolle:

  • Balancierte Sicherung geschützter Bereiche (Demenzstationen) mit unsichtbar wirkenden Maßnahmen: zonierte Zutrittsrechte, zeitgesteuerte Türen, Aufzugssperren; Flucht- und Rettungswege bleiben jederzeit sicher.

  • Besucher- und Dienstleistermanagement mit Registrierung und Identifikation; Sensibilisierung der Teams für diskrete, würdeschonende Interventionen.

Sensorgestützte Sturzprävention:

  • Bett-Ausstiegs-/Drucksensoren, Bewegungssensorik, tragbare Sturzmelder; Integration in Rufanlagen/Alarmsysteme mit abgestufter Priorisierung.

  • Alarmmanagement: Minimierung von Fehlalarmen, klare Zuständigkeiten, dokumentierte Reaktionszeiten; Nachschau-Protokolle.

  • Ergänzende Umfeldmaßnahmen: Beleuchtete Nachtwege, Handläufe, geeignete Sitzgelegenheiten; regelmäßige Umgebungsaudits durch FM und Pflege.

Datenschutz, Ethik, Akzeptanz:

  • Privacy by Design: Datensparsamkeit, Zweckbindung, transparente Kommunikation; Einbindung Angehöriger/Betreuung; Ethikgremien bei sensiblen Anwendungen.

  • Usability und Schulung: verständliche Alarm- und Bedienkonzepte; Training gegen „Alarmmüdigkeit“.

Qualifikation, Kommunikation und Schnittstellenmanagement

  • Schulungen Soft FM

  • Hygiene (flächen- und gerätenah), HACCP, Demenz-/Kommunikationskompetenz, Sturzprävention, Arbeitssicherheit; Onboarding und jährliche Refreshers; Wirksamkeitsnachweise durch Audits und KPI.

  • Technologiekompetenz: Robotik-/Sensorikbedienung, mobile Dokumentation, Datensicherheit im Umgang mit Endgeräten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit:

  • Service-Boards mit Pflege/Medizin/Ernährungsberatung/Hygiene; wöchentliche Taktung für Feinsteuerung (z. B. Menü-Feedback, Reinigungsprioritäten, Schutzbedarfe).

  • Klare SLA und Eskalationswege: Betten-Turnaround, Isolationsfreigabe, Essensausgabezeitfenster, Alarmreaktionszeiten; transparente Dashboards.

Wirkungsmessung und kontinuierliche Verbesserung

  • Zielsystem

  • Sicherheit: Sturzereignisse/1.000 Pflegetage, Alarmreaktionszeit, Zutrittsregelverstöße.

  • Hygiene: Reinigungsqualitäts-Score, Isolationsbereitstellungszeit, Abweichungsquote HACCP, Mikro-Kontaminationen im Rahmen des Monitorings.

  • Komfort/Erlebnis: Essenszufriedenheit, Ruhe-/Lärmpegelindikatoren, Beschwerdequote.

  • Effizienz: Turnaround-Zeiten, RTLS-bedingte Suchzeitreduktion, Robotik-Flächenleistung, Verschwendungs-/Restmengenraten.

PDCA und Innovation:

  • Regelmäßige Reviews, Ursachenanalysen nach Abweichungen, CAPA-Tracking, Pilotierung neuer Verfahren (z. B. verbesserte konsistenzadaptierte Menüs, leisere Reinigungsgeräte), skalierte Einführung nach Evaluation.

Anspruch

Soft-FM-Leistungen sind ein tragendes Element geriatriesensibler Versorgung: Sie sichern Hygiene, Ernährung, Sicherheit und Orientierung – und wirken unmittelbar auf klinische Ergebnisse, Patientenerlebnis und Betriebseffizienz. Die Kombination aus normgerechten Prozessen (u. a. DIN 13063, HACCP), demenz- und sturzpräventiver Dienstleistungserbringung, gezielter Technologieunterstützung (Robotik, UVC als Zusatz, RTLS, Sensorik) sowie qualifizierten, empathischen Teams macht den Unterschied. In einem integrierten Steuerungsrahmen mit klaren SLA, KPI und kontinuierlicher Verbesserung wird Soft FM vom „Hilfsdienst“ zum messbaren Qualitätsfaktor des Krankenhauses.

Rolle der Logistik in der geriatriesensiblen Versorgung

Krankenhauslogistik verknüpft Patientenwege, Bettensteuerung, Material- und Arzneimittelversorgung sowie Wäsche- und Abfallströme zu einem sicheren, hygienischen und effizienten Gesamtsystem. In der Geriatrie verschärfen sich die Anforderungen: mehr Begleitung und Zeitfensterdisziplin, spezialisierte Transportmittel, demenzsensible Kommunikation, erhöhte Hygieneanforderungen und lückenlose Anschlussversorgung. Logistik wird damit zum klinischen Enabler und Risiko-Puffer zugleich.

Patienten- und Bettenlogistik

  • Aufnahme und Triage

  • Geriatrisches Screening (u. a. Sturz- und Delirrisiko, Mobilitäts- und Sinneseinschränkungen, Demenzhinweise) bereits in der Notaufnahme; Kennzeichnung besonderer Bedarfe im KIS.

  • Eindeutige Identifikation, demenzsensible Ansprache, ruhige Wartezonen, Begleitservice ab der Tür (Freiwillige/Serviceassistenz).

Transportmittel und Ergonomie:

  • Stufenlos einstellbare, niedere Betten mit sicheren Seitensicherungen, Aufstehhilfen und Antidekubitus-Systemen; Rollstühle mit Kippschutz, Sitzkeilen, Fußstützen.

  • Transferhilfen (Rutschbretter, Lifter), rutschhemmende Socken/Schuhe; mobile Sauerstoff-/Absauggeräte, Monitoringsysteme mit sicherem Kabel-/Schlauchmanagement.

  • Bariatrie-fähige Ausstattung und Aufzüge; Wärme-/Kältemanagement (Decken, Wärmedecken) zur Delir- und Komplikationsprävention.

Intra-hospitaler Transport:

  • Standardisierte Checklisten (ABC, ID, Zuweisung, Isolationsstatus, Hilfsmittel, Schmerz/Unruhe, Medienträger) vor Abfahrt.

  • Wegeführung über sturzsichere, ruhige Routen; Fahrstuhl-Priorisierung für Patiententransporte; definierte Ruhe- und Wartezonen in Diagnostikbereichen.

  • Disposition über digitale Leitstände mit RTLS-Unterstützung (Ortung von Betten/Transportteams), Priorisierung nach klinischer Dringlichkeit und Vulnerabilität.

Bettenmanagement und Turnaround:

  • Zentrales Bettenmanagement mit Echtzeitstatus (belegt, entlassbereit, in Aufbereitung, gesperrt); Kopplung an Entlass-Trigger aus dem KIS.

  • Zimmeraufbereitung nach Leistungsprofil (Normal/Isolation): klar definierte Zeitziele, Material-Check, Funktionsprüfung (Rufanlage, Sanitär, Klima), Sichtfreigabe.

  • Matratzen- und Hilfsmittelflotte (Antidekubitus, Sensorik, Aufstehhilfen) mit RTLS; vorbeugende Wartung und Hygienekontrollen.

Entlassmanagement und Anschlussversorgung:

  • Frühzeitige Festlegung eines voraussichtlichen Entlassdatums; tägliche Abstimmung in Entlassrunden (Pflege, Sozialdienst, Logistik).

  • Organisation der Anschlussversorgung (geriatrische Reha, häusliche Pflege, Hilfsmittelbereitstellung, Transportdienst inkl. Trage-/Liegendfahrten).

  • Medikamenten- und Hilfsmittel-Startpakete, schriftliche laienverständliche Anleitungen, Termin-/Transporttickets; Übergabe an Angehörige/Betreuung.

Kennzahlen (Beispiele):

  • Transport-Reaktionszeit, Door-to-Diagnostik, Betten-Turnaround (Normal/Isolation), Anteil pünktlicher Entlassungen, Rate ungeplanter Verlegungen, Sturzereignisse während Transporten.

Material- und Apothekenlogistik

  • Bestands- und Distributionsmodelle

  • Kanban-/Zweibehältersysteme und par-gestützte Bestände auf Station; automatisierte Nachschubaufträge über Scans/RTLS-Verbrauchsmuster.

  • Trennung rein/unrein und Prozesszeiten, die Pflegeabläufe respektieren (z. B. keine Belieferung in Ruhezeiten).

Altersrelevante Verbrauchsmaterialien:

  • Inkontinenzprodukte in differenzierten Größen/Saugstärken; Hautschutz-/Barrierecremes, Wundversorgungsprodukte (Schaum, Hydrofasern, Silikon), Sturzpräventionshilfen (rutschhemmende Socken).

  • Schluckstörungen: Andickungsmittel, spülfreundliche Trinkschnäbel; Ernährung: protein-/energieangereicherte Ergänzungen, Fingerfood-Hilfen.

  • Hörgeräte-/Brillenbedarf (Batterien, Etuis), große Schrift und kontrastreiche Etiketten; Hilfsmittel (Greifhilfen, Antirutschmatten) in Stationsdepots.

Aseptische Arzneimittelversorgung:

  • Zubereitung parenteraler Nährlösungen, Antiinfektiva, Zytostatika in der Apotheke unter aseptischen Bedingungen; sichere Transportverpackung, Temperaturführung (Kühlkette).

  • Unit-Dose-/Verblisterungssysteme, Barcode Medication Administration (BCMA) zur Fehlerminimierung; automatisierte Ausgabeschränke (ADC) mit Zugriffsprotokollen.

  • Demenzsensibilität: große, klare Etiketten, Farbsysteme zur Tagesstruktur, Warnhinweise bei Hochrisiko-Medikamenten; Doppelkontrollen und Bibliotheken für Infusions-/Spritzenpumpen.

Transport und Einschränkungen:

  • Pneumatische Rohrpost für geeignete Medikamente/Proben; Ausschluss empfindlicher/gefährlicher Güter (z. B. bestimmte Zubereitungen, Blutprodukte) nach SOP.

  • Geschlossene, desinfizierbare Transportbehälter; zeitlich priorisierte Zustellung (z. B. TPN/Antiinfektiva); Rückführungslogistik für Kühl- und Gefahrgut.

Transport und Einschränkungen:

  • Pneumatische Rohrpost für geeignete Medikamente/Proben; Ausschluss empfindlicher/gefährlicher Güter (z. B. bestimmte Zubereitungen, Blutprodukte) nach SOP.

  • Geschlossene, desinfizierbare Transportbehälter; zeitlich priorisierte Zustellung (z. B. TPN/Antiinfektiva); Rückführungslogistik für Kühl- und Gefahrgut.

Sicherheit und Compliance:

  • Kontrolle von Verfalldaten/Chargen, Rückrufe, Dokumentation; sichere Entsorgung von Betäubungsmittelresten und Zytostatika.

  • Schnittstellen zu Pflege/Ärztlichen Diensten: Medikationsänderungen, Lieferfähigkeit, Substitutionslisten, Notfallbestände.

Kennzahlen:

  • Stockout-Rate, termingerechte Lieferung, Kühlketten-Compliance, Fehlmedikationsrate (prozessual), Zubereitungs-/Liegedauer aseptischer Produkte, ABC-/XYZ-Verbrauchsanalysen.

Wäsche- und Abfallmanagement

  • Wäschelogistik

  • Punkt-der-Entstehung-Handhabung: Sorten- und Infektionsstatus-getrennte Sammelsysteme; bei infektiöser Wäsche wasserlösliche Inlinern; sofortiger Verschluss.

  • Geschlossene, farbcodierte Wagen; getrennte Verkehrswege und Aufzüge (rein/unrein) sofern möglich; definierte Stellflächen auf Station.

  • Vertragliche/operative Standards mit Wäschereien (z. B. risikobasiertes Hygienemanagement), thermische/chemothermische Desinfektion; dokumentierte Prozesskontrollen.

  • Par-Level-Management: Bettwäsche, Schutzkleidung, Inkontinenzauflagen; Stationsdepots mit zyklischer Auffüllung; RTLS-/Barcode-gestützte Verlustreduktion.

  • Geriatriespezifika: weichere, hautfreundliche Textilien, saugstarke Unterlagen; häufigere Wechselintervalle bei Inkontinenz; Spezialbezüge für Antidekubitusmatratzen.

Demenzsensible Kennzeichnung:

  • Piktogramme und konsistente Farb-/Form-Codierung an Wäsche- und Abfallbehältern; große, kontrastreiche Beschriftungen zur Vermeidung von Fehlwürfen und Irritation.

  • Diskrete Gestaltung problembehafteter Zonen (z. B. Abfallsammelstellen) ohne „Gefahrensignal-Überladung“, um Unruhe zu vermeiden; zugleich klare Teamkennzeichnung.

  • Personalisierte Patientenwäsche: verlustarme Prozesse (Kennzeichnung/Beutel), Rückführungssysteme bei Langliegern.

Abfallmanagement:

  • Strikte Trennung: Restabfall, Wertstoffe, infektiöser Abfall, scharfe/stechende Gegenstände, pharmazeutische/zytotoxische Abfälle.

  • Punkt-der-Entstehung-Sicherung: stichfeste Sharps-Container am Bett; geschlossene Behälter für infektiösen Abfall; zeitnahe Abholung, kurze Verweilzeiten auf Station.

  • Geschlossene Transportwagen, definierte Routen und Zeiten; gesicherte Zwischenlager; Schulungen zu Befüllungsgrad, Verschluss, Kennzeichnung.

  • Reinigungs-/Desinfektionspläne für Wagen/Behälter; Dokumentation von Abweichungen und Korrekturmaßnahmen.

  • Spezielle Prozesse: Rücknahme abgelaufener/angebrochener Arzneimittel, Entsorgung von Gefahrstoffresten (z. B. Desinfektionschemikalien), auslaufsichere Verpackung (Spill-Response-Kits bereit).

Kennzahlen:

  • Wäsche-Rücklaufzeit, Verlustquote, Reklamationsrate (Verschmutzung/Beschädigung), Abfall-Fehlwurfquote, Anteil korrekt segregierter infektiöser Fraktionen, Wagenhygiene-Audit-Score.

Digitalisierung, Disposition und Transparenz

  • Leitstand und Dispatch

  • Zentrale Disposition für Patienten- und Materialtransporte mit Priorisierungslogik (Vulnerabilität, klinische Dringlichkeit, Zeitfenster).

  • RTLS-gestützte Ortung von Betten, Hilfsmitteln, Wagen; automatische Triggers (Entlassung, Isolation, OP-Ende) lösen Logistikworkflows aus.

Bestands- und Verbrauchsanalytik:

  • Verbrauchskurven, Saisonalitäten, Peaks (z. B. morgens Pflege/Visite) für Personal- und Routenplanung; prädiktive Nachschubsteuerung.

  • Dashboards für Pflege/Station: Lieferzeiten, Bestandsstatus, Turnaround, Eskalation bei SLA-Verletzung.

Qualität und Sicherheit:

  • Mobile Checklisten, Fotodokumentation, digitale Freigaben (Zimmer, Isolation, Abfallentsorgung); Audit-Trails.

  • Schnittstellen zu QM/Hygiene: Abweichungsmanagement, Ursachenanalysen, CAPA und Lessons Learned.

Resilienz- und Risikomanagement

  • Szenario-Planung

  • Ausfall von Aufzügen/RTLS/IT, Lieferengpässe, Hygieneausbrüche, Bauabschnittswechsel; definierte Umrouten, manuelle Fallback-Prozesse, Zusatzpersonalpools.

  • Sicherheitsbestände für kritische Güter (Ernährung, Inkontinenz, Antiinfektiva), Redundanz in Transportmitteln (manuell/automatisiert).

Arbeitssicherheit und Hygiene:

  • PSA-Standards je Schutzstufe (insb. bei Isolation, Zytostatika, infektiösem Abfall); Impfstatus/Unterweisungen; Post-Exposure-Prozesse.

  • Regelmäßige Übungen (Evakuierungs- und Transportdrills, Spill-Response), Auditierte Bauhygiene bei Umbaulogistik.

Anspruch

Eine geriatriesensible Krankenhauslogistik verbindet sichere, würdeschonende Patienten- und Bettenwege mit verlässlicher Material- und Arzneimittelversorgung sowie strikt getrennten, hygienisch kontrollierten Wäsche- und Abfallströmen. Demenzsensible Kommunikation und Kennzeichnung, ergonomische Transportmittel, digitale Disposition und klar definierte SLA/KPI schaffen Transparenz und Verlässlichkeit. Integriert in das klinische Entlass- und Anschlussmanagement trägt die Logistik maßgeblich zu Sicherheit, Hygiene, Komfort und Effizienz bei – und damit zur Ergebnisqualität in einer alternden Gesellschaft.

Rahmen: Risikogesteuertes FM im geriatrischen Setting

Risiko- und Qualitätsmanagement sind im Klinik-FM zwei Seiten derselben Medaille: Risiken systematisch erkennen, bewerten und behandeln; Qualität messen, steuern und verbessern. Für alternde und kognitiv vulnerable Patientengruppen gilt ein erhöhter Schutzbedarf: Sturz-, Demenz-, Hygiene- und Logistikrisiken sind dominant und verlangen integrierte, interdisziplinäre Steuerung. Methodisch stützt sich das FM auf FMEA (Failure Mode and Effects Analysis), HAZID (Hazard Identification), Gefährdungsbeurteilungen und ein KPI-basiertes Qualitätsmanagement (z. B. nach ISO 41001, mit Kennzahlen u. a. aus DIN 13080).

Methoden: FMEA und HAZID praxistauglich einsetzen

  • FMEA (prozessbezogen, präventiv)

  • Ziel: Schwachstellen in Prozessen/Anlagen identifizieren, Bewertungsdreiklang aus Auftreten (A), Bedeutung (B), Entdeckung (E), Bildung der Risikoprioritätszahl (RPZ = A × B × E), Priorisierung von Maßnahmen.

  • Vorgehen: Prozess zerlegen (SIPOC), potenzielle Fehlerarten (Failure Modes) je Prozessschritt erfassen, Ursachen und Auswirkungen (Effects) beschreiben, bestehende Kontrollen bewerten, Maßnahmen definieren, Wirksamkeit nachverfolgen.

HAZID (szenariobasiert, interdisziplinär)

  • Ziel: Gefahrenquellen frühzeitig erkennen (Bau, Betrieb, Umbau), Szenarien ableiten, Schutzziele definieren (Personen-, Anlagen-, Hygiene-, Informationssicherheit).

  • Vorgehen: Moderierter Workshop (FM, Hygiene, Pflege, Brandschutz, Medizintechnik, IT/OT), Checklisten/Leitfragen (z. B. „Was passiert, wenn…?“), Risikomatrix (Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensschwere), definierte Gegenmaßnahmen und Verantwortlichkeiten.

  • Beide Methoden werden zyklisch eingesetzt: initial, nach Änderungen (Umbau, neue Technik), nach Ereignissen (Beinahe/Schaden), und in jährlichen Management-Reviews.

Sturzrisiko

  • Typische Failure Modes: Rutschige/nasse Böden, fehlende Handläufe, unzureichende Nachtbeleuchtung; Kabel/Schläuche in Laufwegen; Betthöhen nicht angepasst; unbegleitete Transfers.

  • Ursachen: Unpassendes Reinigungsverfahren/Feuchtemenge, defekte/fehlende Sturzpräventionshilfen, mangelnde Koordination Transport/Pflege, unruhige Umgebung.

  • Wirkungen: Verletzungen, verlängerte Verweildauer, Haftungs- und Reputationsschäden.

  • Mitigation: Engineering: rutschhemmende, matte Beläge; durchgehende Handläufe; Nightlight-Pfade; kabel- und schlaucharmes Umfeld; höhenverstellbare Niedrigbetten; Antisturz-Socken.

  • Administrative: sturzsensible Reinigungs-SOP (Feuchteführung, Absicherung), Begleitpflicht-Regeln, Checklisten vor Transport/Transfer, Umfeld-Audits, gezielte Schichtplanung (Spitzenzeiten).

  • Digital: Bett-Ausstiegssensoren, Bewegungssensorik mit priorisierten Alarmen; RTLS-gestützte Begleitdisposition.

  • Kennzahlen (Leading/Lagging): Anteil Flächen mit Rutschhemmungsnachweis; Nachtlicht-Abdeckung; Sturzereignisse/1.000 Pflegetage; Sturzereignisse während Transporten; Reaktionszeit auf Sturzalarme.

Demenzrisiken (Desorientierung, Weglauftendenz, Delir)

  • Failure Modes: Verirren/Weglaufen; Agitation bei Reizüberflutung; Delir durch Schlafmangel, Dehydration, Unter-/Überstimulation.

  • Ursachen: Unklare Wegeführung, irritierende Bodenmuster/Spiegelungen; Lärm/Blendung; fehlende Begleitangebote; unzureichende Zutritts-/Aufzuglogik.

  • Wirkungen: Eigen-/Fremdgefährdung, Behandlungsabbrüche, Suchlagen.

  • Mitigation: Engineering: demenzsensible Signaletik, kontrastreiche Handläufe, reizarmes Lichtkonzept (circadian), geschützte Rundläufe, abgestimmte Tür-/Aufzugsteuerung.

  • Administrative: Kennzeichnung besonderer Bedürfnisse im KIS; Besuchs- und Aktivitätsfenster; Standardprozeduren „vermischte Person“; Angehörigenintegration.

  • Digital: diskrete RTLS-Schutzkreise mit Datenschutz-by-Design; Alarm-Playbooks; Delir-Screening gekoppelt an Umfeldmaßnahmen (Licht, Ruhe).

  • Kennzahlen: Weglaufalarme/Monat (echte/false); Delirinzidenz; nächtliche Lärmpegel > Ziel; Zeit bis Findung bei Vermissten-Alarmen.

Hygienerisiken (RLT, Wasser, Flächen/AEMP)

  • Failure Modes: Unterschrittene Luftwechsel/Druckdifferenzen; Legionellen-Grenzwertüberschreitung; unvollständige desinfizierende Reinigung; AEMP-Prozessversagen (RDG/Steri).

  • Ursachen: Wartungs-/Filterrückstände; Temperatur-/Zirkulationsfehler; Schulungsdefizite; nicht validierte Prozessänderungen; Bauarbeiten ohne Schutzkonzept.

  • Wirkungen: Nosokomiale Infektionen, Ausbrüche, Stations-/Bereichssperrungen.

  • Mitigation: Engineering: RLT-Monitoring (Luftwechsel, Δp, Filter-DP), Redundanzen; Trinkwasser-Temperaturführung, Spül-/Automatik; sterile Point-of-Use-Filter temporär.

  • Administrative: Hygieneinspektionen, Probenpläne, Bauhygiene-SOP (Schleusen, Unterdruck), Reinigungspläne nach DIN 13063, AEMP-Validierung (IQ/OQ/PQ).

  • Digital: Grenzwertalarme, Dashboards, Sperr-/Freigabeworkflows; Rückverfolgung AEMP/Chargen.

  • Kennzahlen: RLT-Compliance % (Luftwechsel/Δp in Range); Legionellen-Nachweisrate; Reinigungs-Qualitätsscore/ATP-Passrate; AEMP-Fehlerquote/Charge; Isolationsbereitstellungszeit.

Logistikrisiken (Bettenfluss, Material/Arznei, Abfall/Wäsche)

  • Failure Modes: Betten-Stockouts; verspätete Transporte; Stockouts bei Inkontinenz/Wundmaterial; Kühlkettenbruch; Fehlwürfe infektiöser Abfälle.

  • Ursachen: Fehlende Echtzeittransparenz; unzureichende Sicherheitsbestände; mangelhafte Trennung rein/unrein; unklare SLA.

  • Wirkungen: Warte-/Liegezeiten, Versorgungsunterbrechungen, Hygieneereignisse.

  • Mitigation: Engineering: RTLS für Betten/Geräte/Wagen; getrennte Transporte/Wege, gesicherte Zwischenlager.

  • Administrative: zentrales Bettenmanagement, par-gesteuerte Bestände/2‑Behälter, SLA/Servicefenster, qualifizierte Teams.

  • Digital: Leitstand, automatisierte Trigger (Entlass/Isolation), Temperatur-Logger.

  • Kennzahlen (DIN 13080-orientiert): Betten-Turnaround, Transport-Reaktionszeit, termingerechte Lieferquote, Stockout-Rate, Kühlketten-Compliance, Fehlwurfquote infektiöser Abfälle.

Sicherheitsmanagement: Notfall-, Evakuierungs- und Brandschutz

  • Notfall- und Krisenmanagement

  • Business Impact Analyse (BIA) für TGA/OT/Logistik; Notfall- und Wiederanlaufpläne (Strom/Wasser/RLT/IT); RTO/RPO-Definitionen für kritische Systeme.

  • Krisenstab mit klaren Rollen; Kommunikationsmatrix (intern/extern); Übungen (Stromausfall, Wasserverunreinigung, IT/OT-Ausfall, Ausbruchsszenario).

Evakuierungsplanung für mobilitäts- und kognitiv eingeschränkte Personen:

  • Primär horizontale Evakuierung in brand-/rauchfreie Abschnitte; kurze Distanzen, ausreichende Fluchtwegbreiten, druckdichte Türen, Rauchschutzdruckanlagen wo erforderlich.

  • Evakuierungsmittel: Stühle, Matratzen, Gleitmatten; Aufzug mit Evakuierungsfunktion nur nach Freigabe/Regelung.

  • Alarmierung: Sprachalarm (verständlich, mehrsprachig), optische Signale (Hörminderung), demenzsensibles Wording; Einbindung Angehöriger/Begleitpersonen.

  • Übungskonzept: Tag-/Nachtübungen, reduzierte Personaldecke, realistische Szenarien (Bett-pflichtig, Weglauftendenz), Nachbereitung mit CAPA.

Brandschutz im geriatrischen Kontext:

  • Prävention: Minimierung von Brandlasten in Patientenzimmern (Textilien, Deko), sichere O₂‑Handhabung; elektrische Sicherheit (Prüffristen, Mehrfachstecker).

  • Baulich/technisch: MLAR-konforme Leitungsabschottungen, funktionsgeprüfte Brandabschnitte, automatische Brandmelde-/Sprachalarmierung, Sicherheitsstrom, Löschmittel‑Eignung (keine Personengefährdung).

  • Organisatorisch: Heißarbeitsfreigaben, Brandwachen, Räumungshelferquoten, Schlüssel-/Zutrittsmanagement für Einsatzkräfte, klare Sammel-/Bereitstellflächen.

Qualitätssicherung: Systeme, Audits, Kontinuierliche Verbesserung

  • Managementsystem und Governance

  • FM-Managementsystem (z. B. ISO 41001) mit Prozesslandkarten, RACI, dokumentierten SOP; Verknüpfung mit Hygiene‑, Arbeitsschutz‑, Informationssicherheits‑ und Energiemanagement.

  • Auditprogramm: interne Audits (Prozess/Anlage/Schulung), Begehungen (Gemba), Lieferantenaudits (z. B. Wäscherei), Management-Review mit Ziel-/Maßnahmenbeschluss.

  • CAPA und Root Cause: Standardisierte Ursachenanalyse (5‑Why, Ishikawa), Evidenzbasierung, Wirksamkeitsprüfung; Lessons Learned und Wissensdatenbank.

  • Qualifikation: Pflichtschulungsquote (VDI‑6022‑Hygiene, AEMP‑Fachkunde, Evakuierung/Brandschutzhelfer, Gefahrstoffe, HACCP); Kompetenzmatrix je Team; Re‑Zertifizierungszyklen.

KPI-Systeme: Kennzahlen für Sicherheit, Hygiene, Logistik, Energie

  • Logistik (nach DIN 13080 orientiert): Betten-Turnaround (Normal/Isolation), Transport-Reaktions-/Durchlaufzeiten, Termintreue Material, Sterilgut‑Verfügbarkeitsrate, Stockout-Quote.

  • Hygiene: Reinigungsqualitäts-Score/ATP-Passrate; Isolationsbereitstellungszeit; RLT‑Compliance (% Zeit in Sollfenster Luftwechsel/Δp/Temp/Feuchte); Trinkwasser-Temperatur-Compliance (% Messpunkte in Range), Legionellen-Nachweisrate; AEMP‑Prozess-Fehler/1.000 Chargen.

  • Sicherheit/Notfall: Evakuierungs-Übungsquote und -Leistungswerte (Zeit bis Abschnittsräumung); Brandmeldeanlagen‑Verfügbarkeit; Alarmreaktionszeit; Sturzereignisse/1.000 Pflegetage; Weglaufalarme (real/false).

  • Komfort/Patientenerlebnis: Zeit-in-Range Raumkomfort (% Stunden 22–24 °C, 40–60 % r. F.); nächtliche Lärmpegelüberschreitungen; Beleuchtungslevel-Compliance; Essenszufriedenheit (Soft FM).

  • Energie/Nachhaltigkeit (ohne Hygiene-/Sicherheitskompromisse): Energieintensität (kWh/m², kWh/Bett); spezifische RLT‑Energie je m³; Wärmerückgewinnungsgrad; Leckagen/Filterdruckverlauf; Wasserverbrauch (l/Pflegetag), thermische Desinfektionsfahrten.

  • Schulung/Kompetenz: Pflichtschulungsquote gesamt und kritisch (AEMP, RLT‑Hygiene, Evakuierung); Zeit seit letzter Schulung; Audit‑Abweichungen je Team.

  • Datenquellen und Transparenz: GLT/GA, CAFM/CMMS, AEMP‑Software, RTLS, KIS‑Trigger, HACCP‑Logger, digitale Reinigungsnachweise.

  • Dashboards mit Ampellogik, Drill‑Down auf Station/Anlage/Schicht; Frühwarnindikatoren (Leading) vs. Ereignisse (Lagging).

Implementierung: Von der Analyse zur Wirkung

  • Priorisierung über Risikomatrix und RPZ: Fokussierung auf hohe Schadensschwere (Patienten-/Hygienerisiken) bei moderatem/höherem Eintritt; Ressourcen und Termine verbindlich planen.

  • Integration in Tagessteuerung: Daily Huddles (10–15 Min.) mit Pflege/FM/Logistik/Hygiene: Störungen, Risiken, Tagesziele; Kanban‑Boards für Maßnahmenstatus.

  • Change-Management: Betroffene einbinden (Pflege, Station, Hygiene), Schulung vor Go‑Live, Pilotierung und iterative Anpassung; klare Erfolgskriterien (KPI‑Ziele, Sicherheitsnachweise).

  • Resilienz: Redundanzen (Strom/Wasser/RLT/IT), Fallback‑Prozesse, geübte Notfallketten; Lieferanten‑Dualsourcing für kritische Güter.

Anspruch

Ein wirksames Risiko- und Qualitätsmanagement im Klinik‑FM verbindet präventive Analysen (FMEA/HAZID) mit konsequenter Mitigation, geübten Sicherheits- und Evakuierungsprozessen sowie einem klaren KPI‑System. Gerade in geriatrie‑ und demenzsensiblen Kontexten sind sturz- und delirpräventive Umgebungen, robuste Hygiene- und Logistikprozesse und eine eingeübte Notfallorganisation entscheidend. Datengetriebene Transparenz, qualifizierte Teams und ein verbindliches CAPA‑Regime verwandeln Risiken in steuerbare Größen – und Qualität in einen messbaren, kontinuierlich verbesserten Standard.

Ausgangslage und Zielbild

Digitalisierung ist im Klinik-FM kein Selbstzweck, sondern Mittel zur sicheren, hygienischen und effizienten Versorgung – insbesondere für geriatrische und demenzsensible Settings. Sensorik und IoT liefern Kontextdaten (Raumklima, Wasser, Luft, Bewegung), RTLS schafft Transparenz über mobile Güter und Wege, Automatisierung/Robotik entlastet Personal und stabilisiert Qualität, KI erkennt Anomalien frühzeitig. Der Nutzen entsteht erst durch integrierte Prozesse, klare Governance, robuste IT/OT‑Sicherheit und datenschutzkonforme Umsetzung.

Sensorik und IoT: Raumklima, Wasser, Patientennahe Sicherheit

  • Raumklima und Komfort

  • Parameter: Temperatur, relative Feuchte, CO₂ (als Proxy für Luftwechsel/Belegung), VOC, Feinstaub, Schallpegel, Beleuchtungsstärke/Leuchtdichte.

  • Anwendung: Delirprävention durch circadiane Beleuchtungssteuerung; Vermeidung von Überhitzung/Auskühlung bei Hochaltrigen; Lärmmonitoring mit Grenzwert‑Dashboards (z. B. Nacht).

  • Integration: Daten in der Gebäudeautomation (GA/GLT) konsolidieren, Alarmierung bei Abweichungen; „Zeit‑in‑Range“ als KPI.

Raumlufttechnik (RLT) und Druckstufen

  • Sensorik: Volumenströme, Druckdifferenzen (Isolationsräume/Schleusen), Filterdruckverluste, Ventilatordrehzahl, Vibrationsmuster.

  • Nutzen: Früherkennung von Filterverblockung, Leckagen oder Druckabfällen; automatische Kompensation innerhalb definierter Toleranzen.

Trinkwasserhygiene

  • Temperatur‑ und Durchflusssensoren in Zirkulationssträngen und kritischen Entnahmepunkten; Ereignis‑gesteuerte Spülung in selten genutzten Leitungen.

  • Nutzen: Stabilere Temperaturen (Legionellenprävention), belegungsadaptive Spülpläne, dokumentationssichere Nachweise.

Patientennahe Sensorik (nicht‑medizinische Nutzung)

  • Bett‑Ausstiegssensoren, Tür‑/Fensterkontakte, Gang‑/Bewegungssensoren zur Sturz‑ und Weglaufschutzunterstützung auf Demenzstationen.

  • Prinzipien: Alarmpriorisierung, niedrige Fehlalarmrate, klare Zuständigkeiten, datenschutzkonforme Verarbeitung (Datensparsamkeit, Zweckbindung); bei medizinischem Zweck sind MDR/MPDG‑Vorgaben zu prüfen.

Edge‑vs‑Cloud‑Architektur

  • Edge für latenzkritische Funktionen (Alarme, RLT/Druckregelung), Cloud/Lakehouse für Analyse/Trends; Offline‑Fähigkeit und Pufferung bei Netzausfall.

RTLS und Asset‑Tracking: Transparenz mit Datenschutz und KIS‑Integration

  • Technologien und Genauigkeit

  • BLE‑Beacons (Raumebene), Wi‑Fi‑Sniffing (deckungsgleich mit WLAN‑Infrastruktur), UWB (zonen-/submeter‑genau), aktive/passive RFID (Übergabepunkte/Schleusen), Barcode für Prozessschritte.

  • Auswahl nach Use Case: Pumpen/Betten (BLE/UWB), Sterilgut‑Container (RFID/Barcode), Patientenschutzkreise (UWB/BLE in geschützten Zonen).

Use Cases

  • Suche und Verfügbarkeitsmanagement für Infusionspumpen/Monitore (Suchzeit ↓, Verfügbarkeit ↑).

  • Bettentracking inkl. Status (belegt/leer/aufbereitet/gesperrt) mit Triggern für Reinigung/Instandhaltung.

  • Schutz sensibler Patientengruppen (Demenz/Weglauftendenz) durch geofencing‑basierte, diskrete Alarme; transparente Prozesse für Einwilligung/Rechtsgrundlagen.

Integration in KIS/CAFM/GLT

  • HL7/FHIR‑Kopplung für Patienten‑/Raumbezüge; Auftrags‑ und Ereignisrouting (z. B. Entlass‑Trigger → Reinigungsauftrag).

  • OPC UA/BACnet/Modbus für OT‑Anbindung; MQTT/REST für IoT‑Feeds; zentrale Ereignis‑/Identitätsverwaltung (IAM).

Datenschutz und Ethik

  • Datenschutz‑Folgenabschätzung (DPIA) bei personenbezogenem Tracking; Privacy by Design (Pseudonymisierung, rollenbasierte Sicht, minimale Speicherfristen).

  • Transparenz für Betroffene und Angehörige; Ethikgremium bei sensiblen Anwendungen; klare Löschkonzepte.

Betrieb und TCO

  • Batteriemanagement (Lebensdauer, Tauschzyklen, Ladeinfrastruktur), Tag‑Inventur und Kalibrierung; robustes Halterungs‑/Labeling‑Konzept.

  • Funkplanung (WLAN/BLE/UWB) störungsarm; Interferenz‑Management mit Medizintechnik.

Von Robotik bis Predictive Maintenance

  • Robotikgestützte Dienste

  • Reinigung: autonome Bodenreinigung in Fluren/Nebenflächen; Einsatzzeiten nachts/frühe Morgenstunden (Lärmarmut).

  • Intralogistik: AMR/AGV für Wäsche, Speisen, Abfall, Material; Aufzugintegration, definierte Routen und Sicherheitszonen; Hygienekonzepte für Wagen/Andockpunkte.

  • Nutzen: gleichbleibende Qualität, Ergonomieentlastung, planbare Verfügbarkeit; Grenzen: Engstellen, Mischverkehr mit Patientinnen/Patienten, Akzeptanz/Schulung.

Predictive Maintenance (TGA/Medizintechnik‑nah)

  • Datenquellen: GLT‑Zeitreihen (Temperatur, Δp, Vibration), Pumpen-/Lagerzustände, Motorströmungen; ML‑Modelle identifizieren Muster vor Ausfall.

  • Use Cases: Lüfterlager‑Schäden (Vibration), RLT‑Filterwechsel optimiert, Pumpen‑Kavitation, Aufzugstörungen, Batteriealterung bei USV/Tags.

  • KPIs: Vorlaufzeit bis Ausfall, Reduktion ungeplanter Stillstände, MTBF ↑, MTTR ↓, Teileverbrauch optimiert; Safety‑Boundaries, um Hygiene/Komfort nicht zu kompromittieren.

Anomalieerkennung in Prozessen

  • Logistik: Erkennung atypischer Betten‑Turnaround‑Zeiten, Materialverbrauchsspitzen (Ausbruchsindikator), Ausreißer in Kühlkettendaten.

  • Hygiene: Muster in Reinigungsnachweisen/ATP‑Ergebnissen; Wasser‑/RLT‑Grenzwertverletzungen mit Ursache‑Hypothesen.

  • Alarmmüdigkeit vermeiden: Score‑basierte, priorisierte Alarme; schrittweise Einbindung in Eskalationsketten; menschliche Freigabe (Human‑in‑the‑Loop).

KI‑Governance

  • Validierung auf realen Daten, Bias‑Kontrollen (z. B. für Bewegungsmuster älterer Menschen), Dokumentation der Modellversionen; Änderungs‑/Freigabeprozess (Change Control).

  • Bei patientenbezogener Entscheidungsunterstützung: Abklärung MDR‑Relevanz (SaMD); klare Trennung FM‑Monitoring vs. medizinische Entscheidung.

IT/OT‑Sicherheitsanforderungen: ISO/IEC 27001 und IEC 62443 im Zusammenspiel

  • ISMS (ISO/IEC 27001)

  • Geltungsbereich: KIS, CAFM/CMMS, AEMP‑Software, GLT/GA‑Management, RTLS/IoT‑Plattformen.

  • Kernbausteine: Asset‑Inventar, Risikoanalyse, Maßnahmenkatalog (Annex‑Kontrollen), Schulungen, Incident‑Management, Notfall‑/Backup‑Konzepte (RTO/RPO), Lieferantenmanagement (SLA, Pen‑Tests, Code of Practice).

OT‑Security (IEC 62443)

  • Zonen/Conduits: Segmentierung von GA/GLT, RLT‑Automationen, Energie‑/Mediensteuerungen; definierte Sicherheitslevel je Zone.

  • Härtung: sichere Konfigurationen, Whitelisting, signierte Firmware, Patch‑/Vulnerability‑Prozesse mit Wartungsfenstern; Jump‑Server für Fernzugriff.

  • Monitoring: Protokollanalyse (Syslog, NetFlow), Anomalieerkennung OT‑Netze, SIEM‑Integration; klare Incident‑Playbooks (z. B. bei Ransomware).

Netzwerk und Identitäten

  • Netzsegmentierung (VLAN/SDN), NAC (802.1X), starke Authentisierung (MFA), rollenbasierte Zugriffe (RBAC), Zero‑Trust‑Prinzipien.

  • Verschlüsselung in Transit/at Rest; Zertifikatsmanagement; sichere Schlüsselverwaltung.

Resilienz und Notfall

  • Redundante Pfade/Komponenten (Core/WLAN‑Controller), USV/Notstrom; Offline‑Betriebsmodi für kritische Funktionen (RLT/Alarme).

  • Backups (air‑gapped/offline), Wiederanlauftests, Tabletop‑Übungen (IT/OT/Facility gemeinsam).

Datenschutz (DSGVO)

  • Rechtmäßigkeit, Zweckbindung, Datensparsamkeit, Speicherbegrenzung; DPIA für Tracking/Sensorik mit Personenbezug; Betroffenenrechte und Löschkonzepte.

  • Protokollierung/Zugriffsspur (Audit Trail); Privacy‑by‑Default in Apps und Dashboards.

Interoperabilität und Datenarchitektur

  • Standards und Schnittstellen

  • Medizin/KIS: HL7 v2/v3, FHIR, IHE‑Profile.

  • FM/OT: BACnet, OPC UA, Modbus, MQTT; AEMP‑Schnittstellen für Chargen-/Setdaten; GS1/UDI/RFID für Identifikation.

  • Ereignisbus/Message Broker als Rückgrat (Publish/Subscribe), Entkopplung von Quell‑ und Zielsystemen.

Datenplattform

  • Zeitreihendatenbank für Sensordaten; Data‑Lakehouse für Analyse; Metadaten‑/Datenkatalog; Rollen‑ und Domänenzugriffe (Data Governance).

  • Qualitätsmanagement: Plausibilitätsprüfungen, Kalibrier‑/Wartungsstati in Datenmodellen, Kennzeichnung von „Trust“‑Levels.

Digitale Zwillinge und BIM

  • Nutzung von BIM‑Modellen für Asset‑/Raumbezug; Operational Twin mit Live‑Daten (Zustand, Energie, Hygiene‑Parameter); Nutzen für Umbauplanung, Bauhygiene, Evakuierungssimulation.

Implementierung: Vom Pilot zur skalierbaren Lösung

  • Vorgehensmodell

  • Use‑Case‑Konkretisierung mit Erfolgskriterien (KPI, Sicherheits‑/Hygieneschutzziele), Stakeholder‑Einbindung (Pflege, Hygiene, IT/OT, Datenschutz).

  • Technische Erprobung im Pilot (Sandbox), Risiko‑ und Datenschutzprüfung, Schulung, Go/No‑Go.

  • Skalierung mit Change‑Management, Support‑/Wartungsverträgen, Ersatzteil‑/Batterielogistik.

Akzeptanz und Kultur

  • Co‑Design mit Stationsteams; klare Nutzenkommunikation (Zeitgewinne, Sicherheit, Hygiene); Low‑Friction‑Bedienung; Support‑Hotline.

  • Alarm‑Hygiene: wenige, relevante Alarme; kontinuierliches Tuning; Feedbackschleifen.

Beschaffung und TCO

  • Lebenszyklusbetrachtung (Hardware‑Erneuerung, Batterien, Kalibrierung, Lizenzen, Schulung); Exit‑Strategien (Datenportabilität, offene Schnittstellen).

  • Lieferanten‑Compliance (Sicherheitszertifikate, Update‑Policy, Reaktionszeiten, MDR‑Relevanz bei Grenzfällen).

KPI‑System für digitale FM‑Lösungen

  • Sicherheit/Hygiene: Zeit‑in‑Range (Temp/Feuchte/CO₂), Δp‑Compliance in Isolation, Wasser‑Temperatur‑Compliance, Alarmreaktionszeiten, Sturzalarme (False‑/True‑Rate).

  • Logistik/Verfügbarkeit: Suchzeitreduktion (RTLS), Geräteverfügbarkeit, Betten‑Status‑Latenz, Turnaround‑Zeit Zimmer/Betten.

  • Betrieb/Energie: MTBF/MTTR, prädiktiv verhinderte Ausfälle, Energie je m³ RLT, Filterwechsel optimiert (Δp‑gesteuert), Wartungskosten pro Anlage.

  • Schulung/Nutzung: Nutzungsgrad von Dashboards/Apps, Abschlussquote Schulungen, Ticket‑Lösungszeit; Zufriedenheit Stationsteams.

Anspruch

Technologie entfaltet ihren Wert im geriatrie‑ und demenzsensiblen Klinik‑FM, wenn sie drei Bedingungen erfüllt: Sie muss erstens sichere, hygienische und komfortfördernde Prozesse messbar verbessern; zweitens nahtlos mit KIS/GA/CAFM und der Stationspraxis integriert sein; drittens durch ein belastbares Sicherheits‑ und Datenschutzregime (ISO/IEC 27001, IEC 62443, DSGVO) geschützt werden. Sensorik/IoT, RTLS, Robotik und KI ermöglichen proaktive Steuerung, verlässliche Verfügbarkeit und gezielte Entlastung – vorausgesetzt, Datenqualität, Interoperabilität, Governance und Nutzerakzeptanz sind von Anfang an mitgedacht. So wird Digitalisierung zum Hebel für Sicherheit, Hygiene und Effizienz in einer alternden, vulnerablen Patientenschaft.

Ausgangslage und Zielkonflikte

Krankenhäuser im DACH‑Raum stehen vor der doppelten Aufgabe, die Bestandslandschaft alters‑ und demenzsensibel aufzuwerten und zugleich Neubauten so zu konzipieren, dass sie den demografischen und technologischen Wandel über Jahrzehnte tragen. Dabei treffen konkurrierende Ziele aufeinander: kurzfristige Verfügbarkeit vs. bauliche Qualität, Hygieneschutzniveau vs. Energieeffizienz, maximale Flexibilität vs. Investitionsdisziplin. Ein strategisches Facility‑Management (FM) moderiert diese Zielkonflikte risikobasiert und nutzt Normen und Best Practices, um Betriebssicherheit, Hygiene und Komfort in beiden Pfaden – Retrofit und Neubau – sicherzustellen.

Barrierefreie Nachrüstungen: Aufzüge, Rampen, Signaltechnik

  • Vertikale Erschließung

  • Nachrüstung barrieregerechter Aufzüge (Kabinenmaße für Bett/Trage, beidseitige Handläufe), Türbreiten und Türhaltezeiten anpassen; Bedienelemente in 85–110 cm, kontrastreich, taktil; akustische Ansagen.

  • Bei begrenztem Raum: Plattform‑/Schrägaufzüge als Interimslösung, langfristig durch vollwertige Bettenaufzüge ersetzen.

Horizontale Erschließung:

  • Rampen mit ≤ 6 % Neigung und Zwischenpodesten; rutschhemmende Beläge; beidseitige Handläufe, kontrastmarkierte Kanten.

  • Schwellenreduktion und Türumbauten (lichtes Maß ≥ 90 cm), Scharniere mit erweitertem Öffnungswinkel (sogenannte „Bandscharniere“), automatische Türantriebe an Hauptwegen.

Orientierung und Demenzsensibilität:

  • Kontrastreiche Signaletik, große Typografie, eindeutige Piktogramme; farbkodierte Pfade/Handläufe; Memory‑Boxen an Zimmertüren.

  • Blendfreie, circadiane Beleuchtung; Nachtlichtpfade zwischen Bett und Sanitärraum.

Sanitär und Zimmer:

  • Bodengleiche Duschen, Haltegriffe, Duschsitz; Verbrühschutz; Wendeflächen ≥ 150 cm; Notruf aus Sitz‑/Liegeposition; griffsichere Armaturen.

RLT‑Optimierung und Retro‑Commissioning im laufenden Betrieb

  • Retro‑Commissioning

  • Systematische Überprüfung von Luftmengen, Druckstufen, Filterzuständen, Regelqualität; Beseitigung von Fehlparametrierungen, Anpassung an aktuelle Nutzung.

  • Zonenweise Umrüstbarkeit für Isolationsbetrieb (Unter‑/Überdruck, Türluftschleier), sensorbasierte Überwachung (Δp, CO₂), Alarme und Trendanalytik.

Hygiene und Wartung:

  • Hygieneinspektionen gemäß anerkannten Anforderungen (Kategorie A/B); Reinigung/Desinfektion von Komponenten, Kondensatabführung sichern, Filterwechsel Δp‑geführt.

  • Schallschutz verbessern (leise Ventilatoren, Entkopplung), um nächtliche Ruhe zu fördern.

Energie ohne Hygienerisiko:

  • Bedarfsgerechte Volumenströme (VAV) mit Mindestluftwechseln; Wärmerückgewinnung dort, wo hygienisch zulässig; Nachtkühlstrategien; robuste Grenzwerte zum Schutz sensibler Bereiche.

Trinkwasserinstallation: Legionellenprävention und Schritt‑für‑Schritt‑Sanierung

  • Hydraulische und thermische Stabilität

  • Zirkulationsabgleich; Warmwasser ≥ 60 °C an der Quelle, ≥ 55 °C an Entnahmestellen; Kaltwasser < 25 °C (besser < 20 °C).

  • Digitale Temperatur‑/Durchflusssensorik in Ringleitungen und kritischen Strängen; automatisierte Spülungen bei Nutzungsflauten.

Strukturelle Eingriffe:

  • Rückbau von Totsträngen, Querschnittsanpassungen, Werkstoffsanierungen (Biofilmarmut beachten); Schrittfolge: Strang für Strang, mit Freigabe nach Probenahme.

  • Temporäre Point‑of‑Use‑Filter in Hochrisikobereichen oder während Sanierungsphasen.

Betriebsorganisation:

  • Gefährdungsanalyse, Probenpläne, Maßnahmenkaskaden; dokumentierte Freigaben; Schulungen zu Zapfstellenhygiene, Armaturenpflege.

Infektionsschutz während Umbau: Bauhygiene als Pflichtprogramm

  • Zonierung und Abschottung: Staub‑/Keimschutzwände, Schleusen mit Personen‑/Materialtrennung; Unterdruckhaltung im Baubereich mit H13/H14‑Filtration; definierte Anliefer‑ und Entsorgungswege.

  • Wasser‑ und Luftschutz: Stillgelegte Stränge spülen/konservieren; Proben vor Wiederinbetriebnahme; temporäre HEPA‑Filter in angrenzenden Bereichen; Monitoring von Δp und Partikeln.

  • Prozess und Freigabe: Bauhygiene‑Plan (SOP), tägliche Begehungen, Abweichungsmanagement; abgestimmte Ruhezeiten (Lärmfenster), Kommunikationsplan für Stationen/Angehörige.

  • Stufenfreigabe: baulich/technisch, hygienisch (Oberflächen, Luft/Wasser), funktional (RLT, Notruf), dokumentiert.

Baulogistik und Betriebsfortführung

  • Swing‑Spaces und Etappierung: Ausweichflächen für Stationen/Leistungen; Etappierung mit minimalen Schnittstellen; redundante Medien (Strom/Wasser/IT) in Interimsbereichen.

  • Sicherheit und Brandschutz: Heißarbeiten nur mit Freigabe, Brandwachen; Rettungswege temporär neu ausweisen; MLAR‑konforme Abschottungen sofort nach Leitungsdurchführungen.

  • Kommunikation und Akzeptanz: Frühzeitige Stakeholder‑Einbindung; visuelle Leitfäden für Patientinnen/Patienten; Hotline/Feedbackkanäle; Beschwerdemanagement mit schneller Abhilfe.

Layouts für Geriatrie und Demenz

  • Quartiers‑/Hausgemeinschaftsprinzip: Überschaubare Einheiten (z. B. 16–24 Betten) mit zentralen Aufenthalts‑/Essbereichen, Therapiezonen on‑floor, geschützten Rundläufen, wohnlicher Atmosphäre.

  • Einbettzimmer als Standard: Hoher Einbettanteil (≥ 80 %) mit eigenem Sanitär, Isolationsfähigkeit (Schleusenoption); Deckenstruktur und Medienführung für flexible Nachrüstung.

  • Wege und Sichtbeziehungen: Kurze Wege zwischen Zimmern, Pflege‑/Stützpunkten, Diagnostik; klare Sichtachsen, natürliche Orientierung; Abstellflächen für Hilfsmittel, Handläufe durchgehend.

  • Delir‑ und sturzpräventive Umgebung: Circadiane Beleuchtung, niedrige Nachtlichtniveaus am Boden, rutschhemmende Böden, kontrastreiche Gestaltung, leise TGA, akustische Zonierung.

Flexibilität und Umbaufähigkeit

  • Modul‑ und Rasterprinzip: Tragwerks‑/Ausbau­raster, die Umnutzungen (z. B. Normalstation ↔ IMC) ermöglichen; Installationsschächte und Interstitialebenen für medienarme Stationsflächen.

  • Universelle Räume: Multifunktionale Diagnostik‑/Therapieräume; „Soft Spaces“ für Skalierung; vorgerüstete Medienanschlüsse in Reserve.

  • Logistik‑Infrastruktur: Doppelte Verkehrsführung (rein/unrein), AMR‑/AGV‑taugliche Routen, Aufzugintegration; ausreichend Lagerflächen on‑floor (Material, Wäsche, Abfall) mit Trennung.

Redundante IT/TGA und Resilienz

  • Energie und Klima: Sicherheitsstrom mit A/B‑Einspeisung, USV‑Kaskaden; N+1 für kritische RLT/TGA; freie Kühlung/Nachtlüftung; robuste Winter‑/Sommerkonzepte.

  • Wasser: Ringleitungen mit Messpunkten, segmentierbare Stränge, redundante Erwärmer; automatische Spülungen; hygienegerechte Werkstoffe.

  • IT/OT: Doppelte Rechenzentrumsräume (Brandabschnitt/Versorgungspfad), duale Netzwerkpfade (LAN/WLAN), Edge‑Kapazitäten; Segmentierung (OT/IT), physische Sicherheit.

Digitale Infrastruktur ab Planungsbeginn

  • BIM und Digitaler Zwilling: Durchgängiges BIM‑Modell bis in den Betrieb; Datenstrukturen für CAFM/GLT/RTLS; Ableitung von Wartungs‑ und Hygiene‑Attributen.

  • Konnektivität: Flächendeckendes WLAN (kliniktauglich), BLE‑/UWB‑Anchor‑Netz, PoE‑Backbone; strukturierte Verkabelung mit Reserven; 230V/PoE‑Steckdosenplanung für Sensorik.

  • Sensorik‑ und RTLS‑Readiness: Leerrohre, Montagepunkte, Sichtfelder; definierte Dichten für Klima‑, Wasser‑, Druck‑, Belegungs‑ und Bewegungs­sensoren; sichere Datenpfade (IAM, Verschlüsselung).

  • Cybersecurity by Design: ISMS‑Anforderungen, Netzsegmentierung, Härtungsrichtlinien, Patching‑Fenster; Logging/SIEM‑Anbindung; Notfall‑ und Wiederanlauf­konzepte.

Nachhaltigkeit ohne Hygiene‑/Sicherheitskompromiss

  • Energetik: Hochwertige Hülle, Wärmerückgewinnung dort zulässig; bedarfsgerechte Lüftung mit Mindestwerten; Monitoring‑basierte Optimierung.

  • Materialien: Robuste, reinigungsfreundliche, emissionsarme Oberflächen; akustisch wirksame Decken/Wände.

  • Wasser und Landschaft: Grauwasserkonzepte nur getrennt vom Trinkwassersystem; Außenräume als therapeutische Gärten mit barrierefreiem Zugang.

Anspruch

Bestandsoptimierung und Neubau sind keine Gegensätze, sondern Teile einer Gesamtstrategie: Im Bestand sichern barrierefreie Nachrüstungen, RLT‑/Wasser‑Optimierungen und konsequente Bauhygiene kurzfristig Sicherheit, Hygiene und Komfort. Neubauten schaffen mit demenzsensiblen, flexiblen Layouts, redundanter IT/TGA und digitaler Infrastruktur die Grundlage für resiliente, zukunftsfähige Versorgung. Mit klaren Checklisten, belastbaren Freigabe‑ und Nachweisprozessen sowie einer risikobasierten Entscheidungslogik wird aus Bautechnik gelebte Versorgungsqualität – über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Best Practices und Fallstudien (DACH und International)

Best‑Practice‑Projekte im Klinik‑FM zeigen, wie demografische Anforderungen, Hygiene‑ und Sicherheitsziele sowie Effizienz ambivalent, aber lösbar sind. Die folgenden Fallskizzen (anonymisiert, DACH‑basiert) illustrieren demenzsensible Umgebungen, energieeffiziente TGA‑Optimierungen ohne Hygienekompromisse und innovative Logistiklösungen. Im Anschluss werden Lessons Learned und Erfolgsfaktoren abgeleitet, ein Vergleich mit internationalen Guidelines vorgenommen sowie praxisnahe Checklisten und Audit‑Frameworks bereitgestellt.

Fallstudie A (DACH): Demenzsensitives Krankenhaus – Stationäre Akutgeriatrie

  • Ausgangslage: Hochaltrige Patientengruppe, Delir‑ und Sturzraten über Benchmark; komplexe Wegführung, gemischte Mehrbettstruktur, unruhige Geräuschkulisse.

  • Maßnahmenbündel: Architektur und Orientierung: Loop‑Layout mit übersichtlichen Sichtachsen; kontrastierende, matte Boden‑/Wand‑/Tür‑Farben; Memory‑Boxen an Zimmertüren; reduzierte, konsistente Piktogramme.

  • Licht und Akustik: circadiane Beleuchtung (300–500 lx Tag, 5–20 lx Nacht‑Orientierung), UGR‑optimiert; akustisch wirksame Decken/Paneele; Alarmhygiene (Priorisierung, optische Reize statt Ton, wo möglich).

  • Sicherheit und Barrierefreiheit: durchgehende Handläufe, schwellenarme Übergänge, Niedrigbetten mit Aufstehhilfe, rutschhemmende Beläge; sanitär ergonomisch mit Haltegriffen/Verbrühschutz.

  • Prozess und Technik: sturzsensible Reinigungsverfahren; Bett‑Ausstiegssensoren in Rufanlage integriert; Besuchs‑ und Aktivitätsfenster; Stationsnahe Therapiezonen.

  • Ergebnisse (12 Monate nach Umsetzung): Sturzereignisse/1.000 Pflegetage: −28 %; dokumentierte Delirinzidenz: −22 %; nächtliche Lärmspitzen (> 50 dB(A)): −35 %; Patientenzufriedenheit (Orientierung/ Ruhe): +18 %-Punkte.

  • Betten‑Turnaround unverändert trotz Einbettquote‑Anstieg (durch Prozesskopplung an KIS‑Trigger).

  • Erfolgshebel: Frühe Co‑Kreation mit Pflege/Hygiene; Pilotierung eines Musterzimmers; enges Monitoring von Komfort‑ und Sicherheits‑KPI; Schulung Demenzsensibilität.

Fallstudie B (DACH): Energiesparprojekt in geriatrischer Station – RLT/Beleuchtung

  • Ausgangslage: Steigende Energiekosten; Beschwerden über Zugluft/Temperaturdrift; RLT dauerhaft auf Maximalvolumen, keine Δp‑Überwachung; konventionelle Leuchten.

  • Maßnahmen: Retro‑Commissioning RLT: Volumenstrom neu abgeglichen; VAV mit Mindestluftwechseln; Δp‑Sensorik für Isolationszimmer; Filterwechsel Δp‑geführt; Nachtkühlung und Verschattung.

  • LED‑Beleuchtung mit circadianer Steuerung; Präsenz‑ und Tageslichtsensorik; ruhige Treiber (flimmerarm).

  • Daten/GA: Dashboards „Zeit‑in‑Range“ (22–24 °C; 40–60 % r. F.; CO₂ < 1.000 ppm).

  • Ergebnisse (nach 9–12 Monaten) Spezifischer RLT‑Energieverbrauch: −19 %; „Zeit‑in‑Range“ Raumtemperatur: +14 %-Punkte; Beschwerden „zu kalt/zu warm“: −40 %; keine negativen Effekte auf Luftwechsel, Isolations‑Δp oder Infektionsindikatoren.

  • Erfolgshebel: Hygiene‑Grenzwerte als „harte“ Leitplanke; stufenweise Parametrisierung; enges Feedback der Station; Wartungs‑ und Filterlogistik synchronisiert.

Fallstudie C (DACH): Innovative Logistik – RTLS und AMR im Betten‑/Materialfluss

  • Ausgangslage: Suchzeiten für Pumpen/Monitore > 20 min; Betten‑Turnaround instabil; Kollisionen von Reinigungs‑/Transportwegen; Spitzenlasten morgens.

  • Maßnahmen: RTLS (BLE/UWB) für Betten, Pumpen, Monitore; Status „belegt/leer/aufbereitet/gesperrt“ im Dashboard; KIS‑Trigger „Entlassung geplant“ → Reinigungsauftrag.

  • AMR (Autonome Mobile Roboter) für Wäsche/Material auf definierten, hygienisch abgesicherten Routen; Aufzugintegration; Reinigungs‑/Dock‑SOP.

  • SLA und Taktung: definierte Servicefenster, Priorisierung geriatrischer Transporte; Alarm‑ und Eskalationsregeln.

  • Ergebnisse (6–9 Monate): Suchzeiten Geräte: −70 %; Betten‑Turnaround Normal: −32 %, Isolation: −21 %; Transport‑Termintreue: +25 %-Punkte; keine Zunahme von Kreuzkontaminationen (Hygienemonitoring stabil).

  • Erfolgshebel: Klare Use‑Cases, einfache Bedienoberflächen; Schulung und Support; DPIA/Datenschutz by Design; Wartung/Batteriemanagement der Tags/AMR gesichert.

Lessons Learned und Erfolgsfaktoren (DACH‑Erfahrungen)

  • Governance zuerst: RACI, SLA, KPI und Gremien (Hygiene‑, Technik‑, Logistikboard) sind Voraussetzung für nachhaltige Wirkung.

  • Co‑Design mit Stationen: Akzeptanz und Wirksamkeit steigen, wenn Pflege/Medizin/Hygiene an Konzeption, Auswahl und Pilot beteiligt sind.

  • „Hygiene‑ und Sicherheit‑by‑Design“: Jede Energie‑/Effizienzmaßnahme hat Schutzgütergrenzen; kein Trade‑off ohne kompensierende Kontrollen.

  • Daten‑ und Prozessintegration: KIS‑Trigger (EDD, Isolation) → FM‑Workflows; GA/RTLS/CAFM verknüpfen; Echtzeit‑Transparenz reduziert Streuverluste.

  • Stufenweise Einführung: Musterraum/Musterroute, A/B‑Tests, frühe KPI‑Bewertung, skalierte Rollouts.

  • Schulung und Kultur: Demenzsensibilität, Alarmhygiene, Robotik‑/RTLS‑Kompetenz, Hygiene‑SOPs; Wiederholung und Wirksamkeitskontrollen.

  • Fallstricke: Übertechnisierung ohne Nutzenbeleg; fehlende Wartungs‑/Ersatzteilbudgets; Vendor‑Lock‑in (fehlende Schnittstellen); bauphysikalische Nebenwirkungen (Lärm/Blendung) unterschätzt.

Vergleich mit internationalen Guidelines

  • WHO/ECDC (Infektionsprävention)

  • Fokus: Händehygiene (5 Moments), Umgebungsreinigung, Wasser‑/Luftqualitätsmanagement, Ausbruchsmanagement.

  • DACH‑Bezug: KRINKO/BfArM spezifischer und institutionsnah; DIN 13063 präzisiert Reinigungsprozesse; Übereinstimmung in Grundprinzipien, DACH oft detaillierter in der Umsetzung.

  • ASHRAE 170 (Ventilation of Health Care Facilities)

  • Vorgaben zu Raumklassen, Luftwechsel, Druckverhältnissen, Filtration (z. B. MERV‑Klassen).

  • DACH‑Bezug: DIN 1946‑4 deckungsgleich in Zielsetzung, teils andere Auslegung; DACH stärker validierungsorientiert (Qualifizierung/Abnahme), ASHRAE stärker performancebasiert – beide kompatibel, aber nicht deckungsgleich.

  • FGI Guidelines (USA, Raum‑/Bauanforderungen)

  • Trend zu Einbettzimmern, family‑centered care, flexiblem Layout.

  • DACH‑Bezug: Hohe Einbettquote und flexible Nutzungen werden ähnlich priorisiert; zusätzliche DACH‑Schwerpunkte: demenzsensible Gestaltung, Barrierefreiheit nach DIN 18040.

  • Quintessenz

  • Internationale Guidelines und DACH‑Regelwerke verfolgen gleiche Schutzziele; DACH bietet mit KRINKO, DIN 13063, DIN 1946‑4, DVGW W 551 und ISO‑Einbettung ein sehr engmaschiges, auditfähiges Raster. Für internationale Projekte empfiehlt sich ein „Highest‑Standard‑Prinzip“: je Domäne das jeweils strengere Regime anwenden.

Praxisnahe Checklisten und Audit‑Frameworks

  • Demenz‑Design‑Check (Station/Einheit)

  • Orientierung: klare Blickachsen, Loop‑Wege, Landmarken; Signaletik konsistent, lesbar, Piktogramme.

  • Farb/Kontrast: Boden/Wand/Tür/Handlauf differenziert; keine irritierenden Muster/Glanz.

  • Licht/Akustik: circadiane Steuerung; Blendung und Nachhall reduziert; Nachtlichtpfade vorhanden.

  • Sicherheit: Handläufe durchgehend; schwellenarme Übergänge; Niedrigbetten; gesicherte, nicht stigmatisierende Türen.

  • Nachweis: Begehung, Fotodoku, Nutzerfeedback, Sturz/Delir‑KPI vor/nach Umsetzung.

Barrierefrei‑Audit (DIN 18040)

  • Erschließung: Rampen ≤ 6 %, Türbreiten, Aufzüge bettgeeignet; Wendekreise Ø ≥ 150 cm.

  • Bedienelemente: Höhe 85–110 cm; taktil/visuell erkennbar.

  • Sanitär: bodengleich, Haltegriffe, Duschsitz, Verbrühschutz; Notruf erreichbar.

  • Audit: Maßaufnahme, Checkliste, Abweichungs‑/Kompensationsplan.

RLT‑/Wasserhygiene‑Check

  • RLT: Luftwechsel/Druckdifferenzen im Soll; Filter‑Δp‑Monitoring; Hygieneinspektion gültig; Geräuschpegel geprüft.

  • Wasser: Temperatur‑Compliance; Zirkulationsabgleich; Spülautomatik; Probenplan; Maßnahmenkaskade; temporäre Sterilfilter bei Bedarf.

  • Nachweis: Trenddaten GLT, Probenberichte, Maßnahmenjournal.

AEMP‑Compliance‑Check

  • Normen: EN 285, ISO 17665, ISO 15883; RKI/BfArM‑Einstufung angewandt.

  • Prozesse: IQ/OQ/PQ aktuell; Chargen‑/Rückverfolgung vollständig; Indikator‑/Biologika‑Nachweise; Medienqualitäten im Soll.

  • Personal: Fachkunde, Freigabekompetenz; Abweichungs‑/CAPA‑Akten.

Reinigung/Desinfektion (DIN 13063)

  • Raumklassifizierung, Leistungsprofile; SOPs, Einwirkzeiten; Wagenhygiene; Schulungsnachweise; Qualität (Sicht/ATP/Fluo).

  • KPI: Turnaround‑Zeit, Qualitätsscore, Abweichungsquote, Isolationsfreigabezeit.

Logistik/KPI (DIN 13080‑bezogen)

  • Betten‑Turnaround, Transport‑Reaktionszeiten, Termintreue Material, Stockout‑Rate, Kühlketten‑Compliance.

  • Audit: Datenvalidität, SLA‑Einhaltung, Ursachenanalysen bei Ausreißern.

RTLS/Datenschutz‑Audit

  • DPIA vorhanden; Rollen‑/Rechte; Speicherfristen; Pseudonymisierung; Nutzerakzeptanz; Batteriemanagement/Verfügbarkeit.

Brandschutz/Evakuierung (geriatriesensibel)

  • Horizontale Evakuierung geplant/geübt; Sprachalarmqualität; Evakuierungshilfen verfügbar; Übungen Tag/Nacht; Heißarbeits‑Freigaben.

Audit‑Taktung und Reifegrad

  • Quartalsweise Prozess‑Audits (Reinigung/Logistik/RLT/Wasser), halbjährliche AEMP‑Reviews, jährliches Management‑Review (ISO 41001).

  • Reifegradskala (Level 1–5) je Domäne; Zielbild und Maßnahmenpfad hinterlegt.

Anspruch

Die Kombination aus demenzsensibler Gestaltung, hygienisch validierter Technik und digital gestützter Logistik führt messbar zu mehr Sicherheit, Komfort und Effizienz – ohne Schutzgüter zu kompromittieren. Erfolgreiche Projekte eint eine klare Governance, konsequente Daten‑ und Prozessintegration, stufenweise Implementierung und robuste Schulungs‑/Auditkultur. Der Abgleich mit internationalen Guidelines bestätigt: DACH‑Best Practices sind anschlussfähig und oft besonders auditfest. Mit den bereitgestellten Checklisten und Frameworks lassen sich Projekte strukturiert planen, umsetzen und nachhaltig überprüfen – als gelebter Qualitätszyklus im Klinik‑FM.

Zusammenfassung zentraler Ergebnisse

Der demografische Wandel im DACH‑Raum mit stark wachsender Hochaltrigkeit, Demenzprävalenz und Multimorbidität verändert die Anforderungslandschaft für Krankenhäuser fundamental. Geriatrische Versorgung ist nicht nur ein klinisches Thema, sondern ein infrastrukturelles, organisatorisches und kulturelles Gesamtprojekt. Facility Management (FM) bildet dabei die tragende Plattform: Hard FM (Gebäude, TGA, Wasser/RLT, Brandschutz) definiert die Sicherheits‑, Hygiene‑ und Komfortbasis; Soft FM (Reinigung, Speisen, Sicherheit, Transport) prägt die Alltagsqualität, die Logistik synchronisiert Wege, Bestände und Zeitfenster; Medizintechnik/AEMP sichern die technische und sterile Verfügbarkeit. Governance, Recht und Normen (u. a. Arbeits‑ und Betreiberrecht, Hygiene‑ und Bauvorgaben, DIN‑/ISO‑Standards) geben den verlässlichen Rahmen, den FM in auditfeste Prozesse übersetzt.

Zwei Befunde sind besonders handlungsleitend. Erstens: Demenzsensibilität und Barrierefreiheit sind kein Nischenprogramm, sondern das neue Normal in Planung und Betrieb – mit unmittelbarer Wirkung auf Sturz‑, Delir‑ und Infektionsrisiken sowie auf Verweil- und Rehabilitationsverläufe. Zweitens: Daten- und Prozessintegration (KIS‑Trigger, CAFM/GLT, RTLS/IoT) ermöglichen vorausschauenden Betrieb, schnellere Turnarounds und stabile Hygieneniveaus, ohne Schutzgüter zugunsten von Effizienz zu kompromittieren. Risiken lassen sich über FMEA/HAZID, Notfall‑ und Evakuierungsplanung und KPI‑basierte Steuerung systematisch beherrschen; Qualifikation und Kultur sind die Erfolgsfaktoren, die Technik erst wirksam machen.

Kurzfristig (0–12 Monate)

  • Governance und Transparenz: FM‑Managementsystem nach anerkannten Grundsätzen (z. B. ISO 41001) verankern; Betreiberpflichtenregister und RACI für Schlüsselprozesse (Isolation, Betten‑Turnaround, Bauhygiene).

  • KPI‑Dashboard etablieren (Logistik nach DIN 13080, Hygiene‑Compliance, Sturz‑/Delirindikatoren, Komfort‑Zeit‑in‑Range, Energie ohne Hygieneabriss).

Sicherheits‑ und Hygienestabilisatoren:

  • Sturzpräventionspaket: rutschhemmende Beläge an Hotspots, Handläufe durchgehend, Nachtlichtpfade, Kabel‑/Schlauchmanagement.

  • Trinkwasser‑ und RLT‑Sofortchecks: Temperatur‑Compliance/Spülregime, Hygieneinspektion, Δp‑Monitoring in Isolationsbereichen, Maßnahmenpläne bei Abweichungen.

  • Prozesskopplung: KIS‑Trigger „Entlassung/Isolation“ → automatisierter Reinigungs‑/Instandhaltungsauftrag; standardisierte Turnaround‑SOPs (Normal/Isolation) mit klaren Zeitfenstern.

  • Qualifikation: Pflichtschulungen Hygiene/VDI‑6022, Evakuierung/Brandschutzhelfer, HACCP; Basismodul Demenz‑/Kommunikationssensibilität für alle FM‑Services.

  • Pilotprojekte (Low‑Risk/High‑Impact): Musterzimmer Demenz/Barrierefreiheit, circadiane Beleuchtung auf einer Referenzstation; RTLS‑Pilot für Pumpen/Betten; ATP‑Stichprobenprogramm nach DIN 13063.

Mittelfristig (12–36 Monate)

  • Bauliche/technische Upgrades im Bestand

  • Erhöhung Einbett‑ und Isolationsfähigkeit; Therapienahflächen und Aufenthaltszonen auf Station; barrierefreie Sanitär‑Nachrüstungen.

  • Retro‑Commissioning RLT; Δp‑fähige Isolationsräume; Geräusch- und Schallschutzmaßnahmen (Nachhall, TGA‑Quietening).

  • Trinkwasser‑Sanierung in Strängen (Totstrangrückbau, Zirkulationsabgleich, Sensorik); Notwasser‑Szenarien und Freigabeprozesse.

Digitale Integration

  • GA/GLT, CAFM/CMMS, AEMP‑Software und KIS an Ereignisbus koppeln; RTLS ausrollen; Leitstand für Transport/Betten.

  • Predictive Maintenance für kritische TGA (Filter, Ventilatoren, Pumpen) mit klaren Safety‑Boundaries.

Ausbildungsprogramme

  • Spezialmodule Demenz/Delir, Sturz‑Begleitung, Bauhygiene‑Koordination; Robotik‑/RTLS‑Nutzung; CAPA‑Methodenkompetenz (Root Cause).

Langfristig (36+ Monate)

  • Struktur und Resilienz

  • Neubau‑/Erweiterungsstrategie: Quartiersprinzip, hohe Einbettquote, flexible Rastersysteme, N+1‑Redundanz für kritische IT/TGA, digitale Infrastruktur by Design.

  • Nachhaltigkeit ohne Hygieneverlust: Monitoring‑gestützte Lüftungsoptimierung, Wärmerückgewinnung dort zulässig, akustisch wirksame Materialien, energiearme, reinigungsfeste Oberflächen.

Kultur der kontinuierlichen Verbesserung

  • Management‑Reviews mit Zielanpassung; Reifegradmodell pro Domäne; Innovationspfad (z. B. AMR‑Intralogistik, KI‑gestützte Anomalieerkennung, digitale Zwillinge).

Pilotprojekte

  • Demenzsensitives Stationsmodul: Loop‑Layout, Signaletik/Farbkonzept, circadiane Beleuchtung, Handläufe, Safe‑Exit‑Logik; Outcome‑Messung (Sturz/Delir, Zufriedenheit).

  • RTLS‑gestützte Betten‑/Gerätelogistik: Suchzeit, Turnaround, Verfügbarkeitsrate; DPIA und Nutzerfeedback.

  • RLT‑Retro‑Commissioning: Energie vs. Hygiene‑KPI; Geräuschniveau; Δp‑Stabilität.

Schulungsprogramme

  • Basismodule für alle FM‑Mitarbeitenden: Hygiene (DIN 13063‑Prozesslogik), Demenz‑Kommunikation, Sturzprävention, Notfall‑/Evakuierungspraxis.

  • Vertiefung: Bauhygiene‑Koordination, AEMP‑Fachkunde, OT‑Security‑Awareness, HACCP‑Praxis, Alarmhygiene.

Investitionsprioritäten

  • Sicherheit/Hygiene zuerst: Einbett/Isolation, Trinkwasser‑Sanierung, RLT‑Δp‑Monitoring, Brandschutz‑/Evakuierungshilfen.

  • Komfort mit Outcome‑Wirkung: circadiane Beleuchtung, Akustikdecken, Niedrigbetten/Antidekubitus‑Systeme.

  • Digitalisierung mit klaren Use‑Cases: RTLS, Leitstand/Integration, Sensorik für Wasser/Klima; GLT‑Erneuerung mit offenen Schnittstellen.

  • Resilienz: Sicherheitsstrom/USV, redundante Medien, Notwasser, Segmentierung OT/IT (ISO/IEC 27001, IEC 62443).

Demografie

  • Die 80+‑Kohorte wächst weiter; Delir‑ und Demenzfälle im Akutsetting nehmen zu; Personalengpässe machen Automatisierung und Prozessdisziplin zwingend. Kliniken, die frühzeitig auf Einbett‑/Isolationsfähigkeit, demenzsensible Architektur und digitale Transparenz setzen, sichern Versorgungsqualität und Betriebsstabilität.

Technologie

  • KI‑gestützte Anomalieerkennung, digitale Zwillinge und prädiktive Instandhaltung werden Routine; AMR/Robotik entlasten Logistik und Reinigung; RTLS/IoT verschmilzt mit KIS‑Workflows. Erfolgsbedingung bleibt: Interoperabilität, Datensouveränität, Cybersicherheit und ethisch‑rechtliche Reife (DSGVO, ISO/IEC 27001, IEC 62443).

Offene Forschungsfragen

  • Evidenzbrücken: Welchen quantitativen Beitrag leisten einzelne FM‑Interventionen (z. B. Licht, Akustik, Einbettquote, RTLS) zu Sturz‑/Delir‑/Infektionsreduktion?

  • Kosten‑Nutzen/Life‑Cycle: Welche ROI‑Fenster ergeben sich für Retrofit‑Pakete im Bestand vs. Neubauoptionen, unter Berücksichtigung von Betrieb, Qualität und Resilienz?

  • Human Factors: Wie gestalten wir Alarmhygiene, Usability und Demenzsensibilität in FM‑Prozessen so, dass Technik akzeptiert und wirksam eingesetzt wird?

  • Datenschutz und Ethik: Welche Modelle balancieren Schutzbedarfe (Weglauftendenz, Sturz) mit Autonomie und Privatsphäre in DACH‑Rechtsrahmen?

  • Standardisierung von KPI: Harmonisierung von Komfort‑, Hygiene‑ und Logistikkennzahlen für Benchmarking und Value‑Based‑FM.

Schlussgedanke

Alters‑ und demenzsensible Versorgung ist eine strukturelle Aufgabe. Sie gelingt, wenn Betreiber Hard‑/Soft‑FM, Medizintechnik, Logistik und Digitalisierung in einer integrierten Governance zusammenführen, Schutzgüter über Kennzahlen steuern und Mitarbeitende befähigen. So wird FM vom Kostenblock zum klinischen Erfolgstreiber – messbar in Sicherheit, Hygiene, Komfort und Resilienz.