Pflege
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Pflegerische Kernprozesse im Krankenhaus
Pflegeprozesse sind systematische, kontinuierliche Abläufe zur Sicherstellung der ganzheitlichen Versorgung von Patientinnen. Typische pflegerische Kernprozesse im Krankenhaus umfassen die Grund- und Basisversorgung des Patienten (z. B. Körperpflege, Ernährung, Mobilisation), die Überwachung (Monitoring von Vitalparametern, Beobachtung von Allgemeinbefinden und Wundheilung), das Medikamentenmanagement (Verabreichung, Dokumentation und Lagerung von Arzneimitteln), die Prävention pflegerischer Risiken* (Dekubitus- und Sturzprophylaxe, Infektionsvermeidung) sowie auf das Entlassmanagement bezogene Tätigkeiten (z. B. Anleitung zum häuslichen Selbstmanagement, Koordination von Anschlussversorgungen). Diese Prozesse folgen dem zugrundeliegenden Pflegeprozessmodell (Assessment, Planung, Durchführung, Evaluation), das in vielen Einrichtungen als Standardverfahren implementiert ist. Durch die Anwendung des Pflegeprozesses soll eine einheitliche, individuell angepasste Pflege erreicht und die Pflegequalität gesichert werden.
Konkret beinhalten die pflegerischen Kernprozesse z. B.: Durchführung der Grundpflege (Lagerung, Mobilisation, persönliche Hygiene), kontinuierliche Beobachtung und Dokumentation von Befinden und Vitalparametern, Verabreichung und Kontrolle von Medikamenten unter Berücksichtigung von Herstellervorgaben (Leitlinien der Arzneimittelsicherheit), Anleitung und Schulung des Patienten und Angehöriger (Schmerzmanagement, Thromboseprophylaxe) sowie die Koordination von Entlass- und Überleitungsmaßnahmen (z. B. Erstellung von Pflegebriefen und Infomaterial, Terminvereinbarungen mit ambulanten Diensten). Ziel ist es, die Gesundheitsprobleme der Patient*innen früh zu erkennen und zu steuern sowie Folgeschäden zu vermeiden. Die übergeordneten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen (z. B. QM-Richtlinie G-BA, Hygienerichtlinien) sollen dabei eingehalten werden. Ein zügiger Patientendurchlauf bewirkt, Zufriedenheit, Gesundung und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen. Verschwendungen und Stagnationen sind zu vermeiden.
Krankenhauspflege: Leistungen und Abläufe
- Schnittstellen zwischen Pflege und Facility Management
- Rechts- und Normenrahmen für Pflegeprozesse und FM
- Wirtschaftliche Bedeutung und FM-Beitrag zur Prozessqualität
- Technische Innovationen im FM für die Pflege
- Organisatorische Einbindung in die Krankenhausstruktur
- Übersichtstabelle und Visualisierung
Modernes Facility Management (FM) unterstützt die pflegerischen Prozesse durch Bereitstellung und Steuerung der infrastrukturellen, technischen und logistischen Voraussetzungen. Wichtige Wirkungsfelder sind dabei:
Verfügbarkeit von Infrastruktur und Technik: Pflegepersonal ist auf stets betriebsbereite Räume und Ausstattungen angewiesen. Beispielsweise muss die Raumklimatisierung (Heizung/Lüftung/Klima) in Stationen zuverlässig funktionieren, damit Kranken – besonders ältere oder gebrechliche – eine angenehme Temperatur vorfinden. Notfallausfälle technischer Anlagen sind kritisch: Fällt etwa die Heiz- oder RLT-Anlage aus, kann dies die Wirksamkeit der Dekubitusprophylaxe beeinträchtigen. Daher stellt FM sicher, dass medizintechnische Geräte, Aufzüge, Notstromaggregate und RLT-Anlagen gewartet und regelmäßig geprüft (z. B. nach DIN 1946-4/VDI 6022 für RLT-Anlagen) werden, um Ausfälle zu vermeiden. Die sichere Stromversorgung (gemäß DIN VDE 0100-710) und zentrale Gase/Vakuumversorgung (DIN EN ISO 7396-1) für Beatmung oder Sauerstofftherapie werden dabei von Technischem FM bereitgestellt.
Sicherheit und Hygiene: FM trägt wesentlich zur Arbeitssicherheit und Infektionsprävention bei. Beispielsweise gewährleistet die richtige Lüftungskonzeption in Patientenzimmern und OP-Bereichen (Raumklasse I nach DIN 1946-4) einen hygienisch einwandfreien Luftaustausch, was die Infektionsgefahr senkt. Regelmäßige RLT-Hygienekontrollen nach VDI 6022 minimieren das Risiko von Keimverschleppung über die Klimawege. FM koordiniert zudem Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen der Patientenumgebung (z. B. Böden, sanitäre Anlagen) entsprechend den Hygieneplänen (§ 23 IfSG) und entsprechenden Landesverordnungen. Für die Pflege gehört dazu z. B. die Sicherstellung ausreichend oft gewechselter Bettwäsche sowie bereitzustellender Hygieneartikel. Technische FM-Aufgaben wie der Unterhalt von Waschmaschinen und Sterilisatoren unterstützen die Pflege in der Aufbereitung. Auch die Wartung von Ruf- und Alarmanlagen (nach DIN VDE 0834-1) fällt in den Verantwortungsbereich des FM: Pflegekräfte müssen Patientennotrufe und Betreuungsalarmanlagen uneingeschränkt nutzen können.
Ergonomie und Logistik: FM optimiert die Material- und Personenlogistik, die den Pflegealltag entlastet. Beispiele sind Bettenaufzüge mit ausreichender Traglast, Hub-/Zieh-Hilfen (z. B. Deckenlifter) und rückenfreundliche Ausstattung zur Dekubitusprophylaxe. Auch die Gestaltung von Pflegestützpunkten (Zentralen) mit genügend Lagerfläche für Verbrauchsmaterialen (Verbandszeug, Schutzkleidung) fällt unter FM-Konzepte nach DIN 13080 („Funktionsstellen Krankenhaus“). Die Pflegeprozessqualität steigt, wenn alles Material zeitgerecht bereitsteht – das erfordert abgestimmte Prozesse zwischen Pflege- und FM-Abteilungen. Transportwagen und Betten müssen funktionstüchtig sein (Prüfung nach BetrSichV, DGUV V3), denn defekte Transportmittel oder fehlende Bettlaken können Behandlungsabläufe verzögern. FM sorgt auch für eine sichere Elektrik in Patientennähe (Steckdosen mit Fehlerstromschutz, gekennzeichnete Zulaufleitungen) damit Pflegemitarbeiter Medizintechnik und Patientengeräte gefahrlos anschließen können.
Effizienzsteigerung und Kontinuität: FM trägt zur Effizienz der pflegerischen Abläufe bei, indem Durchlaufzeiten minimiert und Störfälle reduziert werden. So kann ein durchdachtes Energie- und Kostenmanagement (z. B. nach ISO 50001) helfen, Energiekosten für RLT und Gebäudeautomation zu senken und diese Einsparungen in Pflegebereiche zu reinvestieren. Ein CAFM-System (GEFMA 444) ermöglicht eine Überblick über FM-Dienstleistungen und Prüfintervalle; kaputte Geräte oder fehlendes Personal können schnell an die Pflege kommuniziert werden. Dadurch bleibt z. B. ein Zimmer für Patient*innen pünktlich verfügbar und die Umlaufzeiten für Patientenwagen verkürzen sich. Value Management-Ansätze (DIN EN 12973) helfen bei Neuplanungen (z. B. bei Umbauten der Pflegestation) die notwendige Funktion (Patientenschleusen, Hygieneschleusen) in angemessenem Kostenrahmen zu gewährleisten. Insgesamt gliedert FM also den Pflegeprozess prozessorientiert in unterstützende Ebenen: eine stabile Infrastruktur („Hardware“), sicheres Hygienemanagement, reibungslose Logistikketten und klare Service-Governance.
Die genannten FM-Unterstützungsaufgaben werden durch eine Vielzahl von deutschen Gesetzen und technischen Vorschriften strukturiert:
Infektionsschutzgesetz (IfSG), insbesondere § 23 IfSG, schreibt vor, dass Krankenhäuser ein Hygienemanagement implementieren (Hygienepläne, Meldewesen nosokomialer Infektionen etc.). Auf dieser Grundlage geben Kommissionen (KRINKO) Empfehlungen heraus. Diese flankierenden Vorschriften sind für die Pflege entscheidend (z. B. Infektionsprävention bei der Wundversorgung, Desinfektionskonzepte).
Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) (§§ 4–8) regelt den sicheren Einsatz von Medizinprodukten, was auch Pflegeaufgaben berührt (Infusionspumpen, Überwachungsmonitore). So müssen Pflegeeinrichtungen Wartungsintervalle dokumentieren (§ 7 MPBetreibV) und die Aufbereitung von Medizinprodukten (z. B. Wundverbände, Instrumente) sachgerecht durchführen lassen. Gemäß § 8 MPBetreibV wird eine ordnungsgemäße Aufbereitung vorausgesetzt, wenn die RKI-/BfArM-Hygieneempfehlungen eingehalten werden.
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und Biostoffverordnung (BioStoffV) sowie die TRBA 250 verpflichten Arbeitgeber, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten (auch Pflegekräfte) zu gewährleisten. Hieraus ergeben sich Maßnahmen wie die Gefährdungsbeurteilung von Übertragungsrisiken bei Patientenkontakt, die Bereitstellung von PSA (Handschuhe, Schutzanzüge) oder Anforderungen an Bepflanzungen und Schimmelvermeidung. In der Praxis heißt das für FM z. B. Abschottungen oder Absaugungen bei infektiösen Patienten sowie ergonomische Unterstützungsgeräte für Pflegekräfte zur Lastenvermeidung.
DGUV Vorschrift 25 („Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten“) ist eine unfallverhütungstechnische Vorschrift, die u. a. Überfallprävention und spezifische Schutzmaßnahmen in Pflegeeinrichtungen regelt (Beleuchtung, Alarmknöpfe, Gewaltprävention). Sie begründet, dass FM und Sicherheitsdienst für sichere Arbeitsbedingungen sorgen müssen (z. B. Zufahrtkontrollen, Notfallwege, Beschallungsanlagen).
DIN-Normen und technische Regeln: In die FM-Unterstützung fließen vor allem bauliche und technische Normen ein. So ist etwa die Planung der Raumlufttechnik in Pflegebereichen an DIN 1946-4 (Gesundheitswesen) angelehnt, ergänzt durch RLT-Hygieneanforderungen nach VDI 6022. Für Patientenzimmer gelten oft Raumklassen mit geregelter Luftwechselrate und Filterqualität (z. B. Hepa-Filter in Intensivbereichen gemäß DIN EN ISO 14644-1, DIN EN 1822). Auch die Lärmschutzvorgaben (z. B. Maschinenlärmschutz) sowie Beleuchtungsnormen (DIN EN 12464-1) haben Bedeutung für Pflegeumgebungen. Leitungswasserversorgung und Sanitärinstallationen unterliegen der Trinkwasserverordnung und DIN-Normen (z. B. Legionellenschutz) – wichtig für Wundversorgung und Körperpflege. Medizinisch genutzte Räume müssen Elektroinstallationen nach VDE 0100-710 absichern, und Räume mit pflegebedürftigen Betten oft eine Notrufanlage gemäß DIN VDE 0834. Die Raum- und Funktionsstruktur orientiert sich an der DIN 13080 (Funktionsbereiche Krankenhaus), die auch Pflegebereiche systematisiert. Schließlich regeln Normen wie ISO 41001/41011 Anforderungen an ein ganzheitliches FM-Managementsystem, das klare Zuständigkeiten, Zielvorgaben und kontinuierliche Verbesserung vorsieht.
Es entsteht so ein vielschichtiger Regelungsrahmen:
Gesetzliche Vorgaben (IfSG, ArbSchG, SGB, KHG etc.) definieren die Ziele (z. B. Infektionsschutz, Arbeitssicherheit), während DIN-, VDI- und DGUV-Normen konkretisieren, wie z. B. eine sichere Lüftung, Desinfektion oder Elektrosicherung auszusehen hat. FM-Manager müssen diese Vorgaben zusammenführen und in einer Betriebsorganisation abbilden (z. B. Betriebsanweisungen, Verfahrensanweisungen nach ISO 41001).
Wirtschaftliche Bedeutung und FM-Beitrag zur Prozessqualität
Facility Management hat für pflegerische Prozesse auch eine bedeutende wirtschaftliche Dimension. Hohe Folgekosten entstehen etwa durch Ausfälle oder Verzögerungen: Wenn wegen fehlender Technik ein Bett nicht umgezogen werden kann, muss ggf. eine OP verschoben werden, was allein tausende Euro kosten kann. Umgekehrt sparen Krankenhäuser durch FM-Maßnahmen Mittel ein und steigern die Leistung.
Kostendruck im Betrieb: Krankenhäuser in Deutschland geben jährlich Milliarden für Energie, Reinigung und Instandhaltung aus. So zeigt der „Krankenhaus Barometer 2018“ eine jährliche Instandhaltungssumme von etwa 3,2 Mrd. € (für Häuser ≥100 Betten), das entspricht im Mittel 1,7 Mio. € pro Klinik bzw. etwa 7,5 Tsd. € pro Bett. Diese Substanzerhaltung dient dazu, Technik und Gebäude in Stand zu halten. Die Investitionen liegen ähnlich hoch – allein die Hälfte aller Investitionen fließt in die Erhaltung (Instandhaltung liegt bei etwa 51 % der Investitionskosten). Hier wirkt FM ökonomisch: Ein gutes Instandhaltungsmanagement (nach DIN 31051) verringert ungeplante Ausfallzeiten. Beispielsweise senkt die präventive Wartung von Bett- und Transportflurförderern die Reparaturhäufigkeit und damit den Umlauf der Pflegeprozesse. Oder: Intelligente Energie-Monitoring-Systeme ermöglichen das frühzeitige Erkennen von Abweichungen (z. B. undichtes RLT-Leck), wodurch Betriebskosten spürbar sinken.
Vermeidung von Ausfällen und Qualitätskosten: Ausfallkosten sind nicht nur Reparaturrechnungen, sondern umfassen entgangene Erlöse und Aufwand für ad hoc-Neuplanung. FM kann diese Kosten senken, indem etwa redundante Systeme geplant werden (doppeltes Gebäudeautomationsnetz, Reservegenerator). Praxisbeispiel: Im OP ist oft eine redundante Stromversorgung (USV) vorgeschrieben – fällt sie aus, hilft nur noch Reißverschlussverfahren (ein Gerät nach dem anderen ausschalten), was OPs gefährdet. Gute FM beugt der Situation durch regelmäßige Tests vor.
Ein weiterer Kostenfaktor ist Hygienepersonal: Wenn FM für Effektivität der Reinigungsprozesse sorgt (z. B. optimierte Routenplanung, Einsatz maschineller Hilfsmittel), kann die Reinigungsfrequenz gehalten werden, ohne übermäßig mehr Personal einzusetzen. So wird insgesamt ein Beitrag zur Prozessqualität geleistet: Gesunde, gut beleuchtete, und „geruchsneutrale“ Zimmer erhöhen die Patientenzufriedenheit und verringern Infektionsrisiken (umso wichtiger, da Pflegekräfte durch weniger Infektionen entlastet werden).
Lebenszyklusorientierung und Wertorientierung: Die Wirtschaftlichkeit wird weiter gesteigert, wenn FM frühzeitig in Planungsentscheidungen eingebunden wird. Nach DIN 276 und DIN 18960 sind die späteren Nutzungskosten (Betriebs- und Instandhaltungskosten) schon bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen. Beispiel: Beim Neubau einer Station kann die Entscheidung für teurere, leicht reinigbare Bodenbeläge (höherer Invest, aber geringere Reinigungskosten) unter Berücksichtigung der Lebenszykluskosten zu Einsparungen führen. Der Value Management-Ansatz (DIN EN 12973) empfiehlt solche ganzheitlichen Betrachtungen, um Pflegemaßnahmen langfristig bezahlbar zu gestalten.
Es steigert ein vorausschauendes FM die Wirtschaftlichkeit der Pflege, indem es Kosten-reduzierende Instandhaltung, Energieeffizienz und Prozessstabilität sichert und damit Pflegeausfälle und Qualitätskosten reduziert.
Neue Technologien im FM tragen spürbar zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Patientensicherheit in pflegerischen Prozessen bei:
Energiemanagement und Gebäudeleittechnik: Durch smarte Gebäudetechnik (Sensoren, Automation nach VDI 3814) können Licht, Temperatur und Raumluft automatisch angepasst werden. Zum Beispiel kann ein System mit Belegungserkennung die RLT-Volumenströme im Patientenzimmer absenken, wenn die Station verlassen wird, und mit höherer Leistung neu starten, sobald wieder Bewegung erkannt wird. Solche Systeme werden heute oft über digitale Leittechnik aus der Leitwarte fernüberwacht. Das spart Energie und sichert Komfort. Für kritische Bereiche (z. B. Isolierzimmer) können Monitoring-Systeme Warnungen bei Über- oder Unterdruckabweichungen senden, die Pflegekräfte unmittelbar per App oder Alarm informieren.
Digitale FM-Systeme (CAFM, BIM): CAFM-Software verknüpft technische Plandaten mit Wartungs- und Störmeldedaten. Pflegeleitungen können so z. B. sofort sehen, ob ein Bett defekt gemeldet ist, und frühzeitig Ersatz anfordern. Building Information Modeling (BIM) wird in Krankenhäusern inzwischen eingesetzt, um relevante Gebäudeinformationen (z. B. Materialflächen, Installationsrouten) schon in Bau- und Umbauprojekten zu erfassen. KlinikBIM-Leitfäden (RWTH Aachen) zeigen, wie BIM-Daten strukturiert werden, sodass beim Facility Management z. B. Mängel in Lüftungsleitungen anhand der Modell-Dokumentation schnell lokalisiert werden können. (DIN EN ISO 19650-1 ist hier der internationale Standard für BIM im Betrieb).
Internet of Things (IoT): Vernetzte Sensorik in Patientenzimmern und Pflegebereichen kann helfen, Zustände automatisch zu erfassen: z. B. intelligente Matratzen, die das Liegemuster erkennen und Notrufe sendet (Dekubitusprophylaxe), oder RFID-Tags an Geräten, die in Echtzeit anzeigen, wo sich mobile Beatmungsgeräte und Pumpen befinden. Solche Systeme erhöhen die Effizienz (keine Zeitverluste mehr durch Geräte-Suchen) und verbessern die Sicherheit (Maschinen können rechtzeitig vorbeugend gewartet werden). Wichtig ist dabei die Sicherheit der Netze: Beim Einsatz digitaler Technik muss die IT-Sicherheit (z. B. nach SGB V § 391 und B3S-Krankenhaus) gewährleistet sein, damit Patientendaten und -systeme geschützt bleiben.
Spezialisierte Gebäude- und Materialtechnik: Impfstoff- oder Medikamentenkühlketten werden zunehmend mit vernetzten Kühlräumen ausgestattet, die Temperaturabweichungen sofort melden. Für das Pflegepersonal bedeutet das, dass die Lagerbedingungen etwa für Insulin oder Blutkonserven lückenlos dokumentiert sind. Auch antimikrobielle Baustoffe (z. B. Kupferbeschichtungen) werden in neue Patientenbereiche integriert. Solche Innovationen reduzieren indirekt die Belastung der Pflege, da weniger aufwendige Reinigungen und weniger Infektionen anfallen.
In der Organisationsstruktur des Krankenhauses muss das FM eng mit der Pflegedirektion und der Klinikleitung verzahnt sein. Folgende Punkte sind typisch:
Führungs- und Kommunikationsstrukturen: Der Pflegedienstleiter und der Technische Leiter (Facility Manager) stehen in direktem Austausch. Qualitätszirkel oder „Lean-Management“-Teams können beides verbinden, z. B. bei Prozessoptimierungen: Wenn in der Pflege dokumentiert wird, dass bestimmte Gerätegruppen häufig ausfallen, kann FM daraufhin Verschleißursachen ermitteln. Umgekehrt fließen FM-Erkenntnisse (z. B. reduzierte Infektionsraten durch neuen Filterbetrieb) in die Pflege‑Schulung zurück. Die G-BA-Qualitätsmanagement-Richtlinie fordert zudem eine zentrale QM-Stelle, in der auch FM-relevante Risiken (z. B. Hygienerisiken oder Technik-Störungen) mit besprochen werden.
Rollen und Zuständigkeiten: Im Krankenhaus existieren oft spezielle Rollen: Ein FM-Koordinator für die Pflegebereiche kümmert sich um alle infrastrukturellen Anliegen des Pflegepersonals (z. B. Raumumbauten, Ausstattung). Ein Hygienefachkraft (Hygienebeauftragte Pflegekraft) arbeitet mit dem Hygiene-Ingenieur zusammen, den FM stellt (z. B. QS-Beauftragter für RLT). Für Arbeits- und Brandschutz gibt es Sicherheitsfachkräfte und Brandschutzbeauftragte. Die Chefärzte/Hygienebeauftragten und Pflegedienstleitungen definieren Anforderungen, FM liefert Lösungen. ISO 41001 fordert klare Verantwortlichkeiten und Kommunikation (Verfahrensanweisungen, Schulungspläne); in der Praxis bedeutet das regelmäßige Meetings zwischen Pflege- und FM-Führung.
Betriebsorganisation: Facility Management kann sowohl intern als auch extern organisiert sein. Viele Krankenhäuser gliedern FM unter kaufmännischer Leitung oder Technik-Chef ein; der Vorteil interner FM-Teams ist enge Abstimmung. Wichtig ist, dass FM-Aufträge für Pflege schnell priorisiert werden (z. B. Störung im Pflegezimmer wird umgehend auf die To-do-Liste gesetzt). Dienstleistungs- oder Contracting-Modelle (z. B. für Reinigung, Verpflegung, Wäsche) werden häufig über Verträge gesteuert, die SLAs mit Kennzahlen wie „Antwortzeit bei Schadensmeldung“ beinhalten. Auf jeder Führungsebene sollten Pflegevertreter in Gremien sitzen (z. B. Hygienekommission, Arbeitsschutzausschuss), damit Pflegeprozesse im FM angemessen berücksichtigt werden.
Übersichtstabelle und Visualisierung
| Pflegerischer Kernprozess | Facility-Management-Aufgaben | Relevante Gesetze/Normen (Auswahl) |
|---|---|---|
| Patientenversorgung | Bereitstellen sicherer und komfortabler Räume (Temperatur, Beleuchtung), regelmäßige Reinigung/Desinfektion der Zimmer und Sanitäreinrichtungen, Versorgung mit Bettwäsche und Hygieneartikeln, Pflegehilfsmittel (Oberbetten, Lifter) warten, Notrufsysteme (DIN VDE 0834) instand halten. | IfSG § 23 (Hygienemanagement), BioStoffV/TRBA 250, ArbSchG (Pflicht zum Arbeitsschutz), DGUV Vorschrift 25 (Schutz in Pflegeeinrichtungen), VDI 6022 (RLT-Hygiene), DIN 1946-4 (RLT in Gesundheitsgebäuden) |
| Überwachung (Vitalzeichen) | Wartung der Medizingeräte (Blutdruckmessgeräte, Monitore) nach MPBetreibV, zuverlässige Stromversorgung/USV (DIN VDE 0100-710), stabile Netzwerkinfrastruktur für elektronische Patientenakten, Prüfungen der Alarmanlagen (DGUV V3), regelmäßige Kontrolle von Brandschutz- und Evakuierungssystemen (DIN 14675, DIN 14096). | MPBetreibV §§ 7f. (Instandhaltung Geräte), SGB V § 391 (IT-Sicherheit), DIN VDE 0100-710, DGUV Vorschrift 3, DGUV Vorschrift 25, TRBA 250, DIN 1946-4 |
| Mobilisation (Bewegung) | Bereitstellung von mobilitätsfördernden Geräten (Rollstühle, Laufhilfen, Treppenlifte), ergonomische Krankenhausmöbel, Notbeleuchtung und Handläufe, Prüfung rutschfester Bodenbeläge, Dokumentation von Hilfsmitteln (CAFM). Organisation von Transporten (z. B. Krankentransport, Laborwege). | DGUV Vorschrift 25 (z. B. Barrierefreiheit), ArbSchG/BioStoffV (Gesundheitsschutz Pflegekräfte), DIN 18040 (Barrierefreies Bauen), DIN EN 60601 (Medizinmöbel) |
| Medikamentenmanagement | Klimatisierte Medikamentenkühlschränke kontrollieren, sichere Lagerung (Tresore für Betäubungsmittel), Automatisierte Verpackungssysteme warten, Bereitstellung und Wartung von Infusionsständern und Spritzenpumpen, Dokumentationssysteme (KIS) funktionsfähig halten, Ordnungsdienstlogistik. | AMWHV (Arzneimittelvorschriften), MPG (Medizinproduktegesetz), MPBetreibV, DIN EN 12845 (Brandmeldung für Lagerräume), DIN OS, DGUV Vorschrift 25 |
| Risiko-Prophylaxe Pflege (z.B. Dekubitus, Sturz) | Einsatz von Druckentlastungsmatratzen koordinieren, regelmäßige Überprüfung der Liftsysteme und Geländer, Hygienepläne für Wundversorgung umsetzen, regelmäßige Raumdesinfektion, Filterwechsel in RLT (VDI 6022), UV- oder Ozon-Geräte eventuell einsetzen (gemäß Arbeitsschutz). | KRINKO-Empfehlungen (z. B. Dekubitusprophylaxe), IfSG § 23 (Wundhygiene), ArbSchG/ASiG (Gefährdungsbeurteilung), DGUV-Regel 108-007 (Heben/Pflege), DIN 1946-4/VDI 6022, DGUV Vorschrift 25 |
| Entlassmanagement-nahe Aufgaben | Organisation patientengerechter Übergabeplätze (Barrierefreiheit), Lademöglichkeiten für Elektrorollstühle, IT-Schnittstellen zu Hausärzten/Krankenkassen, Terminplanungssysteme (z. B. eGK-Portal), sachgerechte Post-/Transferlogistik. | SGB V § 39 (Entlassmanagement), Sozialgesetzbuch XI (Nachsorge), IfSG (Infektionsschutz bei Heimaufnahme), DSGVO (Datenschutz bei Patientendaten), Pfle-geberufegesetz (Aufgaben der Pflege), DIN 19228 (Dokumentenmanagement) |
