Temperaturabweichungen können medizinische Werte vernichten, ohne dass man es sieht
Krankenhäuser verfügen über zahlreiche temperaturkritische Bestände. Dazu gehören Arzneimittel, bestimmte Blutprodukte, Laborproben, Reagenzien und weitere klinische Materialien. Die bestehende Microsite behandelt temperaturgerechte Arzneimittellagerung bereits ausführlich und erwähnt Kühlketten in unterschiedlichen Funktionsbereichen. Was fehlt, ist eine übergreifende FM-Betrachtung der gesamten klinischen Kälte- und Alarmierungsinfrastruktur.
Klinische Kühlketten sicher und lückenlos überwachen
Viele Kliniken verfügen nicht über eine einzige zentrale Kühlanlage, sondern über zahlreiche dezentrale Geräte.
Dazu können gehören:
Arzneimittelkühlschränke,
Labor- und Probenkühlgeräte,
Gefrierschränke,
Kühlräume,
Spezialkühlungen,
mobile temperaturgeführte Systeme.
Ein vollständiges Kühlstellenregister sollte Standort, verantwortlichen Bereich, Solltemperatur, Alarmierung, Notstromversorgung und Ersatzstrategie enthalten.
Medizinischer Wert bestimmt die Kritikalität
Nicht jeder Kühlschrank ist gleich kritisch.
Der Ausfall eines Getränkekühlschranks besitzt eine andere Bedeutung als der Ausfall eines Gerätes mit nicht kurzfristig ersetzbaren Medikamenten oder diagnostisch relevanten Proben.
Facility Management sollte die Kritikalität deshalb gemeinsam mit den jeweiligen Fachbereichen festlegen.
Temperaturmessung und Alarmierung trennen
Ein Kühlschrank kann eine lokale Temperaturanzeige besitzen und dennoch keine ausreichende betriebliche Überwachung bieten.
Entscheidend ist:
Wer erhält eine Abweichung? Wie schnell? Auch nachts? Was muss diese Person anschließend tun?
Monitoring sollte deshalb technische Messung, Alarmübertragung und organisatorische Reaktion gemeinsam betrachten.
Stromversorgung und Ersatzkühlung vorbereiten
Bei kritischen Kühlstellen muss geprüft werden, ob eine Ersatzstromversorgung erforderlich beziehungsweise vorhanden ist.
Genauso wichtig ist jedoch ein praktisches Verlagerungskonzept. Ein Notstromsystem schützt nicht vor jedem technischen Defekt des Kühlgerätes selbst.
Deshalb sollten alternative Kühlplätze mit ausreichend freier Kapazität bekannt sein.
Temperaturabweichung fachlich bewerten lassen
Facility Management stellt technische Daten bereit, entscheidet aber nicht automatisch über die weitere Verwendbarkeit medizinischer Produkte.
Bei einer Abweichung müssen Dauer, Temperaturverlauf und betroffener Bestand dokumentiert und an die zuständige medizinische, pharmazeutische oder laborfachliche Stelle übergeben werden.
Wartung darf Monitoring nicht unterbrechen
Kühlgeräte, Sensoren und Alarmübertragung benötigen abgestimmte Wartungsprozesse.
Auch Sensorwechsel, Kalibrierung oder Netzwerkarbeiten können Überwachungslücken erzeugen. Solche Eingriffe sollten deshalb kontrolliert und nachvollziehbar durchgeführt werden.
Aus vielen Geräten ein System machen
Ein klinisches Kühlkettenmanagement verbindet dezentrale Geräte zu einem gemeinsamen Betreiberprozess.
Kühlstellenregister, Alarmmatrix, Ersatzkühlung, Temperaturprotokolle und Ereignisbewertung schaffen Transparenz.
Damit wird verhindert, dass ein scheinbar kleiner technischer Defekt erst Stunden später entdeckt wird. Ziel ist eine durchgängig kontrollierte Temperaturführung von medizinisch relevanten Beständen.