Medizinische Gase gehören zu den kritischsten Versorgungsmedien einer Klinik
Sauerstoff, medizinische Druckluft, Vakuum und weitere medizinische Gase sind für zahlreiche diagnostische und therapeutische Prozesse unverzichtbar. Besonders OP, Intensivmedizin und Notaufnahme sind auf eine zuverlässige Versorgung angewiesen. Die bestehende Microsite nennt medizinische Gasversorgung deshalb wiederholt als kritische Infrastruktur, verfügt bislang jedoch nicht über eine umfassende eigenständige Betreiberseite hierzu.
Medizinische Gase mit Technik und Klinikprozessen verknüpfen
Das Facility Management muss diese Elemente funktional zusammenhängend betrachten.
Versorgungsgrenzen eindeutig festlegen
Besonders wichtig ist die Schnittstelle zwischen technischer Infrastruktur und Medizintechnik.
Das Rohrnetz und seine technischen Komponenten gehören typischerweise zum infrastrukturellen Versorgungssystem; angeschlossene Beatmungs-, Narkose- oder sonstige Medizinprodukte besitzen dagegen eigene Betreiberprozesse.
Die bestehende FM-Connect-Systematik beschreibt genau diese Schnittstelle zwischen Gebäudetechnik und Medizinprodukt.
Bereichsabsperrungen müssen beherrschbar bleiben
Bei Wartung, Leckage oder Schadensereignis kann es erforderlich sein, Teile des Netzes abzusperren.
Deshalb muss eindeutig bekannt sein:
Welche Absperrung versorgt welche Station, welchen OP oder welchen Behandlungsbereich?
Fehlende oder veraltete Zuordnungen können im Ereignisfall gravierende Folgen haben.
Ein Bereichs- und Absperrkataster sollte deshalb Bestandteil der technischen Dokumentation sein.
Alarme organisatorisch weiterführen
Druck- oder Versorgungsalarme besitzen nur dann einen Wert, wenn ihr Empfänger weiß, wie darauf zu reagieren ist.
Alarmmeldungen müssen einer Ursache, Dringlichkeit und Eskalationskette zugeordnet sein. Die technische Leitstelle benötigt dabei andere Informationen als medizinisches Personal.
Reserveversorgung realistisch planen
Versorgungssicherheit bedeutet auch, die Auswirkungen eines Ausfalls zu kennen.
Wie lange reicht die Reserve? Welche Bereiche haben Priorität? Welche mobilen Reserven stehen bereit? Wie wird bei längeren Störungen nachversorgt?
Solche Fragen gehören in BCM und technische Notfallplanung.
Arbeiten am System besonders kontrollieren
Umbauten, Erweiterungen und Reparaturen medizinischer Gasnetze benötigen besonders sorgfältige Freigabe-, Prüf- und Wiederinbetriebnahmeprozesse.
Vor Wiederfreigabe muss sichergestellt sein, dass das richtige Medium am richtigen Ort unter den vorgesehenen Bedingungen verfügbar ist.
Medizinische Gasversorgung als Kritikalitätssystem
Der Maßstab ist eindeutig: Medizinische Gase müssen in ausreichender Qualität und Kapazität genau dort verfügbar sein, wo die Patientenversorgung sie benötigt.